Jamie-Lee Kriewitz vertritt Deutschland beim Eurovision 2016

Das sind die Teilnehmer des ESC-Vorentscheids

Eigentlich sollte Xavier Naidoo zum ESC 2016 nach Stockholm fahren, um ein erneutes Debakel (0 Punkte und letzter Platz) zu verhindern. Doch die ARD hatte nicht mit dem Gebührenzahler gerechnet, der unser Land vom Verschwörungstheoretiker Naidoo nicht gut vertreten sah. Nun fährt "The Voice"-Siegerin Jamie-Lee Kriewitz zum Eurovision Song Contest nach Schweden.

Es ist uns nicht ganz klar, wo die ARD nach den neuen Kandidaten gesucht hat, es muss wohl irgendeine Dorfkneipe in Ostfriesland gewesen sein. Denn was uns hier teilweise musikalisch geboten wurde, ließ fast schon Sehnsucht nach Naidoo aufkommen, der zwar ein beschissener Texter und Denker, aber immerhin ein ganz guter Sänger ist. 

Das Nivau des Vorentscheids 2016 war erschütternd und am Ende setzte sich die Kompromosskandiatin Jamie-Lee Kriewitz durch, deren Single "Ghost" zwar nach ihrem Sieg 2015 eher gefloppt ist, für die man sich aber immerhin nicht schämen braucht.

"Wenigstens Mittelmaß", das scheint inzwischen das Ziel des verantwortlichen NDR sein, wenn es um den deutschen Beitrag geht. Einziger Trost: England schneidet als Pop-Mutterland beim ESC auch selten besser ab, weil die wirklich guten Künstler diesen medialen Overkill schlicht nicht nötig haben und gar nicht erst antreten.

Hier die Teilnehmer des Vorentscheids im Überblick: 

Jamie-Lee Kriewitz - "Ghost"

Die erst 17-jährige Siegerin bei "The Voice" fiel bei der Castingshow vor allem durch ihre eigenwilligen Manga-Outfits auf. Ihre leider zu glattgebügelte Single "Ghost" wurde direkt nach ihrem Sieg 2015 veröffentlicht und schaffte es in Deutschland trotz massiver TV-Präsenz zur besten Sendezeit nicht in die Top 10. In Österreich war er sogar nur eine Woche lang in die Top 100 Charts. So viel zum Thema internationale Chancen beim Eurovision Song Contest. Schade, dass sie von ihren erfahrenen Mentoren Fanta 4 keinen neuen Song für den ESC bekommen hat.
Wir wünschen trotzdem alles Gute und vor allem: ein paar Punkte.

Alex Diehl - "Nur ein Lied"

Mit seinem harmlosen Antikriegsliedchen knüpft Alex Diehl zwar an Nicole an, aber irgendwo scheint ihm der Refrain verloren gegangen zu sein. Vielleicht hätte er Ralph Siegel fragen sollen, ob er noch einen übrig hat?

Gregorian - "Masters Of Chant"

Die von ProSieben vermarktete Retortenkombo "Gregorian" besteht aus leidlich begabten Allerwelts-Sängern, die den Gesang gregorianischer Mönche nachahmen und mit Bombastkitsch vermischen. Musik für Leute, die Musik hassen. Amen.

Keøma - "Protected"

Keøma sind die australische Sängerin Kat Frankie, die seit 10 Jahren in Berlin lebt und der Kölner Chris Klopfer. Ihr Beitrag ist eigenwilliger und aufs nötigste reduzierter Pop, der sich vom üblichen 0815-Eurovision-Schema angenehm abhebt - und deshalb in Deutschland völlig chancenlos ist. Der mit großem Abstand beste Beitrag im diesjährigen Wettbewerb. Kat Frankie hat ohne Zweifel das Zeug, wie die Kanadierin Feist eine Weltkarriere in Berlin zu starten, wenn auch vielleicht nicht unbedingt beim ESC.

Avantasia - "Mystery Of A Blood Red Rose"

Mit ihrem klischeebeladenen Metal-Schlager sind Avantasia weltweit erfolgreich und konnten bereits mit dem Who-is-who der Metalszene zusammenarbeiten. Auf dem platten Land kann man das auch heute noch bringen - und Europa hat sehr viel plattes Land. Schlimm, aber wohl einer der Favoriten.

Woods Of Birnam - "Lift Me Up From The Underground"

Vor Schauspielern die singen muss man ja meistens dringend warnen! Doch Christian Friedel (Elser, Das weiße Band) meistert seine Aufgabe als Sänger von Woods of Birnam mit Bravour. "Lift Me Up From The Underground" ist ein guter, sehr eingängiger Pop-Song der Laune macht - und unser Geheimfavorit!

 

Joco - "Full Moon"

Das Duo Joco besteht aus den Geschwistern Josepha und Cosima und mit diesen Namen kann man wohl nur verträumten Folk-Pop machen. Das hat durchaus Charme, aber ob ihr Song "Full Moon" für so eine große Bühne eingängig genug ist, muss man leider bezweifeln.

Ella Endlich - "Adrenalin"

Ella Endlich nutzt den Rückenwind, den der Erfolg von Helene Fischer und Andrea Berg der deutschen Schlagerszene gibt. Besser macht das ihren pseudo-gefühligen Beitrag allerdings nicht. 

Luxuslärm - "Solange Liebe In Mir Wohnt"

Ebenfalls auf der Schlagerwelle surfen Luxuslärm. Bereits seit 10 Jahren warten sie auf ihren ersten Hit und so langsam sollten sie einsehen: das wird nix mehr. Auch nicht beim ESC 2016.

Laura Pinski - "Under The Sun We Are One"

Lena trifft Ralph Siegel: Laura Pinski ist ein quirliges junges Mädchen, das wie Hunderttausende Teenager ihren Traum als Popstar wahrmachen möchte und das wie Lena mit frischer Unbeschwertheit die Herzen des Publikums erobern soll. Das Lied wurde von dem unermüdlichen Eurovisions-Urgestein Ralph Siegel komponiert, der seit Anfang der 80er verzweifelt versucht an seinen Sensationserfolg mit Nicole anzuknüpfen. Wir prognostizieren: 0 Points aus Germany.

 

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