Jay-Z verteidigt Tidal gegen "Schmierkampagne"

"Gebt uns eine Chance zu wachsen und besser zu werden"

Nach dem missglückten Launch seines Streamingdienstes Tidal sieht sich Jay-Z im Zentrum einer Verschwörung. Und unterstreicht damit nur, wie sehr er die Bodenhaftung verloren hat.

Jay-Z war einmal der reichste Rapper der Welt, doch dank des Milliardendeals von Beats mit Apple hat Dr. Dre ihn längst eingeholt und weit hinter sich gelassen. Vielleicht war das die eigentliche Ambition, warum Jay-Z ins Streaminggeschäft eingestiegen ist. Schließlich macht man das große Geld längst nicht mehr mit Musik, sondern indem man selbst Medienmogul wird und alle Fäden in die Hand nimmt. 

Doch bislang ging der Schuss nach hinten los: Tidal hatte nichts Neues zu bieten, außer ein paar prominente Namen und hat sich innerhalb kürzester Zeit zum Flop entwickelt.

Jetzt verteidigt Jay-Z sich in einer Serie von Tweets und gab - natürlich - den Medien die Schuld. Die seien gekauft und würden eine Schmierkampagne gegen Tidal machen. Damit greift nach Lady Gaga, Madonna und vielen anderen Stars auch Jay-Z die Medien pauschal an und unterstellt ihnen, Teil eines Komplotts zu sein. Dabei haben die meisten Medien die Fakten rund um Tidal bisher korrekt recherchiert und dargestellt, ganz anders als aufgebrachte Fans, die Tidal alles Mögliche unterstellten und dabei die Tatsachen schon mal verdrehten.

Jay-Z schreibt, dass Tidal voll im Plan sei mit 770 000 Abonnenten in nur einem Monat. In den USA und UK ist Tidal gerade aus den Top 700 iPhone Anwendungen gefallen. iTunes und Spotify hätten Jahre gebraucht, um erfolgreich zu werden, schreibt Jay-Z weiter. Allerdings haben die auch ein komplett neues Geschäftsmodell auf den Markt gebracht und nicht wie Tidal, einfach ein bereits laufendes Geschäft in einem seit Jahren hart umkämpften Markt übernommen.

Was das Besondere und Neue an Tidal ist, außer dass es exklusive Events wie Videopremieren und Live-Shows  bringen will, lässt Jay-Z weiterhin offen. Damit lässt Jay-Z die Grundregeln für jeden Businessplan außer acht und ersetzt den Grund, warum Kunden ein Produkt kaufen sollen einfach durch ein "weil ich es so will und es gut für alle ist". Aber so läuft das Geschäft nicht. Kein Wunder, dass Twitter voller Hohn und Spott über Tidal ist.

Viele Fans zeigen sich enttäuscht, dass Stars wie Beyonce, Rihanna oder Jack White neues Material hinter einer "Abo-Paywall" wie Tidal veröffentlichen und nicht auf den von ihnen genutzten Plattformen. Schließlich motiviert das auch Spotify, Apple und Co. künftig auf exklusives Material zu setzen und die User gegeneinander auszuspielen. Und gegen die Musikindustrie, die den Großteil der Musikrechte hält, wird auch ein Superstar wie Jay-Z nicht ankommen können. Sie könnten seinen Dienst schlichtweg nicht mehr beliefern und austrocknen.

Insofern sieht sich Tidal nicht einer Schmierkampagne der Medien ausgesetzt, sondern in erster Linie einem Shitstorm der Fans, die Jay-Zs Euphorie über sein neues Spielzeug einfach nicht teilen wollen, weil es ihnen letztlich nichts bringt, sondern etwas vorenthält.

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Der nicht enden wollende Versuch, Tidal auf eine Stufe mit Spotify und Apple Music zu bringen dürfte auch „4:44" wieder einige ungerechtfertige Kritik eingebracht haben. Wenige Tage nach Release folgt der Sinneswandel. Jay-Zs 13. Studioalbum steht plötzlich zum kostenlosen Stream bereit. Grund genug Hovas neuestem Werk die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken?