Kontra Upload Filter: Was Kritiker am neuen EU-Urheberrecht bemängeln

Warum die Filterung des Internet gefährlich für uns alle ist

Der Kampf um den Schutz der Urheberrechte in der digitalen Welt ist wichtig und richtig. Doch was die EU jetzt beschließen will, könnte eine gefährliche Tür öffnen. Dieses Video stellt die Position der Gegener der neuen EU-Richtlinie vor.

Niemand will Urhebern ihren Anteil am Kuchen, den Youtube oder Facebook mit ihrer Arbeit verdienen verwehren. Wer Musik oder Filme produziert, opfert Zeit, Geld und Herzblut, um etwas zu schaffen. Je erfolgreicher Musik oder Videos sind, desto mehr profitieren Google und Facebook davon, weil sie mehr an der Werbung verdienen, die mit jedem Aufruf ausgespielt wird. Die Urheber gehen leer aus. Wenn jeder also kreative Werke nach Belieben nutzt, ohne zu bezahlen, dann funktioniert das ganze System nicht mehr.

Das Urheberrecht muss geschützt werden

Es ist nichts neues, dass Urheber um ihre Rechte kämpfen müssen. Früher waren Komponisten angestellt bei Königen oder Adeligen und komponierten Auftragswerke, heute sind sie frei und müssen Künstler ihr Geld anders verdienen. Das Urheberrecht wurde über Jahrhunderte erstritten und ist schützenswert.

Zurecht fordern also Produzenten und Komponisten wie der frühere Ärzte-Produzent Micki Meuser einen fairen Anteil von den Internetgiganten für die ungefragte Nutzung ihrer Werke. Wer will schon umsonst arbeiten?

Doch welche Risiken hinter einer Totalüberwachung aller Uploads im Netz stecken und warum das vor allem den großen etablierten Plattformen nutzt, erklärt dieses Video sehr anschaulich. 

Jeder Mensch ist ein Künstler (Beus)

Fast jeder ist heute in irgendeiner Form Urheber. Wer ein Bild auf Instagram hoch lädt, hat zunächst einmal die Rechte an seinem Bild. Wer soll künftig unterscheiden, was urheberrechtlich geschützt ist und was nicht?

Wir wurden in der Vergangenheit einmal wegen des Uploads dieses Bildes im Zusammenhang mit einer Satire abgemahnt und sollten mehrere tausend Euro dafür bezahlen. Für ein Foto bei dem selbst bei großzügiger Auslegung keinerlei künstlerischer Wert zu erkennen ist. Das Bild selbst diente scheinbar nur als Köder, um im Falle einer Nutzung durch maßlos überhöhte Abmahnungen Geld zu machen. 

Ein Urheberrecht, das jeden kleinen Verstoß bestrafen will, wird dafür sorgen, dass das gesamte Netz überwacht wird und fast nichts mehr hochgeladen werden kann, weil fast jeder irgendein Urheberrecht an etwas hat und sei es an den Klamotten, die wir am Leib tragen.

Algorithmen können nicht zwischen gut und böse unterscheiden

Wenn selbst Anwälte und Gerichte nicht mehr trennen können zwischen einem künstlerischen Werk und einem Pfund Mett, wie soll das irgendwelchen Algorithmen gelingen? Es wird gar nicht gelingen!

Die Plattformen werden von Abmahnanwälten mit Klagen überzogen und in der Folge wird alles abgelehnt, was wir hochladen wollen. Und die Nutzer schauen in die Röhre. Wer etwas hochladen will, muss dann erstmal nachweisen können, dass er ein Werk tatsächlich geschaffen hat. Wie das gehen soll, weiß allerdings keiner.

Und genau diese Vorstellung ist für viele Netzaktivisten ein Horrorszenario. Wenn dann noch weitere Filter gebaut werden, mit deren Hilfe man in jedem Land nach Belieben missliebige Inhalte zensieren lassen kann mit dem entsprechenden Gesetz, dann wird es sogar gefährlich für unsere Demokratie und wir sind ganz schnell in China. Deren Suchmaschine Baidu findet nur, was der Partei genehm ist.

Während die Befürworter der Richtlinie bisher gerne damit argumentieren, dass alle Gegner der Lobby-Arbeit von Google und Co. auf den Leim gegangen seien, muss man bei der Bürgerrechtsinitiative, die hinter diesem Video steht festsellen, dass sie die großen Plattformen sehr kritisch sieht und die Folgen einer Upload-Filter-Pflicht für fatal hält. Und dazu braucht man nicht einmal besonders viel Fantasie.

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