Konzertanbieter Fabchannel gibt auf

Immer weniger Unterstützung aus der Musikindustrie für Online-Anbieter

Der niederländische Live-Musikanbieter Fabchannel gibt auf und stellt sein Angebot noch in dieser Woche ein. Nicht nur die Finanzkrise setzte dem Angebot zu, sondern vor allem die mangelnde Unterstützung von Seiten der Musikbranche. Die will das Geschäft mit der Online-Musik nämlich selbst machen.

Ein Online-Anbieter, der mit einigem Aufwand und in höchster Qualität komplette Live-Konzerte ins Netz stellt, hat nur eine Chance, wenn er die ganz großen Namen bekommt und damit ein Massenpublikum ansprechen kann. Doch Fabchannel musste sich mit den eher unkommerziellen Acts begnügen, die Großen können sich ihre Partner aussuchen und rufen in der Regel Summen auf, die von unabhängigen Start-Ups im Jahr 2009 nicht zu bezahlen sind. Immerhin neun Jahre hat Fabchannel trotzdem durchgehalten und in dieser Zeit rund 1000 Konzerte gezeigt und auf seinen Seiten archiviert. Kostenlos für alle Musikfans.

Doch nun ist Schluss damit. Fabchannel ist nicht nur einer weltweiten Finanzkrise zum Opfer gefallen, die die sowieso schon niedrigen Online-Werbeerlöse ins Bodenlose hat absacken lassen. Vor allem ist der Anbieter daran gescheitert, dass sich die Musikindustrie derzeit wild entschlossen zeigt, das Geschäft im Netz komplett selbst zu machen. Ein Zeichen dafür: einige Major-Plattenfirmen haben ihre kompletten Musikvideos von YouTube entfernt, andere haben zumindest die "embed"-Funktion für ihre Videos gesperrt, so dass sie nicht mehr legal und kostenlos auf Blogs und Online-Angeboten gezeigt werden können.

Der Grund: man möchte zukünftig nicht mehr nur mit Tonaufnahmen, sondern auch mit Musikvideos Geld verdienen und bastelt derzeit gemeinsam an einer YouTube-Alternative unter eigener Regie. Dass Videos früher einmal gedreht wurden, um Plattenverkäufe anzukurbeln, scheint bei der Überlegung keine Rolle mehr zu spielen. Heute sind Videokanäle die vielversprechendsten Einnahmequellen, wie man an der wachsenden Bedeutung von Video-Werbung erkennen kann.

Im Grunde versucht man also nun etwas zu machen, was bereits vor einigen Jahren kräftig nach hinten los gegangen ist. Man versucht Musik, die im Netz an jeder Ecke bereits für lau zu haben ist, wieder künstlich zu verknappen und alles unter eigene Kontrolle zu bringen und kommerziell zu verwerten. Man tut also einmal mehr so, als wäre das Internet nichts weiter als ein großer Fernsehsender, wo man das Programm einfach so bestimmen könne. Das riesige legale Potenzial, was durch hundertausende von Blogs, Magazine, Streaming-Angebote oder TV-Anbieter bereits vorhanden ist, wird schlichtweg ausgeblendet.

Wohin eine solche Abschottung im Netz führt, zeigt nicht zuletzt die Entwicklung der Tauschbörsen Ende der Neunziger Jahre: es treibt die Musikfans ganz unmittelbar in die Hände der illegalen Anbieter, wo ihnen Musik nicht aus irgendwelchen strategischen Gründen heraus vorenthalten wird.

Wir wollten im neuen Tonspion (ab Ende März) in Kooperation mit Fabchannel regelmäßig neue Konzerte live übertragen. Doch daraus wird nun leider nichts, denn ein vergleichbares Angebot gibt es von Seiten der Industrie bisher noch nicht.

Udo Raaf / Tonspion.de

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