Konzertbericht: Kendrick Lamar in Frankfurt am Main (15.02.2018)

Zu Besuch beim Kung-Fu Gottesdienst

Mit Kendrick Lamar feiert der momentan größte Rap-Act der Welt seinen Tourauftakt in Frankfurt am Main. Wir waren für euch beim Konzert und schildern euch unsere Eindrücke zu den Themen Bühnenshow, Setlist & Co.

Wenn man an der Rap-Spitze steht, kann man natürlich auch mal einen James Blake mit auf Europa-Tour nehmen.

Groß war die Aufregung als im Oktober 2017 bekannt wurde, dass Rap-Superstar Kendrick Lamar im Rahmen seiner "DAMN."-Europa-Tournee auch für drei Termine nach Deutschland kommen würde. Gehört es doch mittlerweile eher zur Seltenheit, dass sich die amerikanische Rap-Elite außerhalb von vereinzelten Festival-Auftritten in den deutschen Hallen blicken lässt.

Für zusätzliche Überraschung sorgte zudem der Support-Act. Niemand Geringeres als Post-Dubstep-Mitbegründer James Blake sollte den 30-jährigen "King Kendrick"  auf seinem Europa-Abenteuer begleiten. Ein Duo, welches verschiedener kaum sein könnte und damit auch ein Experiment, welches wir uns nicht entgehen lassen wollten. Deshalb gibt es nun hier unsere Eindrücke vom Tourstart am 15.02.2018 in der Festhalle, Frankfurt.

James Blake

Manch ein Fan dürfte sich wohl zunächst die Augen gerieben haben, als er den Namen James Blake auf dem Tourplakat entdeckt hat. Zu ungewöhnlich wirkt die Kombination der beiden Künstler, trotz mehrfacher Zusammenarbeit auf "DAMN." und dem "Black Panther"-Soundtrack. Für diejenigen, deren Musikgeschmack beide Künstler abdeckt, mag diese Kombination ein wahrer Glücksfall sein, bereits nach Blakes ersten Tönen blickte man am gestrigen Abend jedoch in viele fragende Gesichter. 

James Blakes basslastiger Sound, der in einem technoiden "Voyeur"-Remix seinen Höhepunkt fand, schien bei einer Vielzahl der Kendrick-Supporter keinen besonderen Anklang zu finden. Und so dürfte es sich auch um eines seiner wenigen Konzerte handeln, bei dem die ersten Töne eines "Retrograde" keine Jubelschreie auslösen. Ein hartes Pflaster für James Blake, welcher seine Show jedoch beeindruckend durchzieht und für einen kleinen Bruchteil des Publikums ein paar echte Gänsehaut-Momente schaffen konnte.

An dieser Stelle gilt es ebenfalls, ein Lanze für das Kendrick-Publikum zu brechen. Auf manch einer Show wäre dieser Abend für Blake unter Umständen anders geendet. Das Frankfurter Publikum heißt ihn jedoch Willkommen und gibt ihm seine Bühne - trotz aller musikalischer Differenzen. 

Kendrick Lamar

Anschließend folgt die große Enttäuschung des Abends. Ein Kendrick Lamar Konzert? Weit gefehlt! In Wahrheit steht hier nämlich "Kung Fu Kenny" auf der Bühne. Mit liebevoll gefertigten Intro- und Zwischen-Sequenzen in feinster Kung-Fu-Trash-Ästhetik wird uns hier ein Kung-Fu-Kämpfer vorgestellt, der schlichtweg verblüffende Ähnlichkeit mit Kendrick Lamar hat. Und so scheint es selbsterklärend, dass bei diesem Konzert letztendlich die Figur "Kendrick Lamar" im Vordergrund steht.

Übermächtig, und beinahe aus dem Stand eines normalen Rappers erhoben stellt sich Kendrick selbst dar, während Background-Visuals und Zwischen-Sequenzen immer wieder mit Jesus-Anspielungen liebäugeln. Die Eröffnungs-Szene aus dem "HUMBLE."-Video kann dabei stellvertretend als ästhetische Vorlage für weite Teile der Bühnenshow angesehen werden. Keine Band, keine Backgroundtänzer und ein sehr reduziertes Visual-Setup: Hier steht der Künstler im Mittelpunkt. Nicht zuletzt durch ein Bühnen-Setup mit einer beweglichen Deckenkonstruktion, erinnert ein Teil der Show immer wieder an die "The Life Of Pablo"-Tour von Kanye West.

Video: Kendrick Lamar - HUMBLE.

Kung-Fu-Ästhetik gepaart mit Gottesdarstellung. Was zunächst schwer verdaulich klingt, geht hier voll und ganz auf. Man findet momentan mit ziemlicher Sicherheit keinen Rapper der derartig professionell, fehlerfrei und perfekt getaktet eine solche Bühnenshow abliefert. Wo die Lustlosigkeit vieler US-Rapper bei Europa-Konzerten oftmals kritisiert wird, da macht Kendrick bereits nach wenigen Sekunden klar: Sowas gibt es auf der "DAMN."-Tour nicht.

Setlist

Man könnte wohl durchaus kritisieren, dass Kendrick Lamar bei seiner Songauswahl auf "Nummer sicher" geht, doch was soll ein Künstler tun, der innerhalb seiner letzten drei Alben eine derartige Menge an Publikums-Hits zusammengesammelt hat. Zwar steht die Tour unter dem Namen des neuen Albums, letztendlich fühlt sich die Show jedoch bereits jetzt nach einem "Greatest-Hits"-Entwurf an. Von "Backseat Freestyle" und "Swimming Pools", über "King Kunta" und "Alright", bis hin zu "DNA.", "LOYALTY." und "GOD." bietet Kendrick hier sein gesammeltes Hit-Feuerwerk der vergangenen Jahre an.

Wer sich einen "mutigeren" Ansatz mit ruhigeren Tracks oder einigen der schwerer zugänglichen Songs von "To Pimp A Butterfly" gewünscht hätte, wird hier eventuell enttäuscht. Gleichzeitig sorgt Kendrick jedoch dafür, dass man sich bei jedem einzelnen Song des Abends fühlt, als würde gerade der beste Song des Künstlers gespielt werden.

Sound 

Hip-Hop-Heads aufgepasst, "The DAMN. Tour" bringt euch keine reine Hip-Hop-Show in die Stadt. Sehr oft sind die Instrumentals mit der Band auf eine gitarrenlastige Version angepasst worden, welche zwar im Live-Kontext wesentlich mehr Power liefern, in seltenen Fällen ("Bitch, Don't Kill My Vibe") jedoch auch ein wenig am tatsächlichen "Vibe" des Songs kratzen können. Folge: Im Publikum sieht man öfter einen Pogo-Kreis oder eine kleine Wall of Death, anstatt das klassische "Hands in the air"-Prinzip klassischer Rap-Shows.

Fazit

Kendrick Lamar kann ohne zu zögern als Aushängeschild für eine hochprofessionelle und unterhaltsame Rap-Show im Jahr 2018 angesehen werden. Schnell, energetisch und dennoch abwechslungsreich zeigt Lamar bei jedem Song, warum er momentan an der Spitze des Rap-Olymps steht. Einziger Wermutstropfen: Im Vergleich zu seinen Alben wirkt die Bühnenshow überraschend weit entpolitisiert. Ein politisches Theaterstück à la Grammy-Auftritt 2016 sollte aber hoffentlich auch niemand erwartet haben. 

Doch Kendrick möchte hier auch keine politische Debatte anfangen oder Grundsatzthemen besprechen. Angefangen von der Song-Auswahl, bis hin zu den unterhaltsamen Zwischen-Clips wird deutlich: "The DAMN. Tour" soll ein Feel-Good-Event sein. Und das ist "Kung Fu Kenny" mehr als gelungen. "We did this shit together - i will be back" - mit diesen Worten beendet er einen Abend der sich nun ein bisschen so anfühlt, als wäre man aus einem Gottesdienst entlassen worden. 

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Redaktionswertung: 
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