Laing über das Zusammenspiel von Kreativität und Deadlines

"Es ist erfahrungsgemäß cool, die Leute erstmal vertraut werden zu lassen mit einem Album, ehe man es live spielt.”

Es gibt Songs, die einem auch Jahre nach ihrem Release nicht aus dem Ohr gehen, bzw. sich sofort wieder als Wurm in selbigem entpuppen, hört oder liest man nur ihren Titel. “Morgens immer müde” ist so einer. Ihr drittes Album “Fotogena” zeigt erneut, wie viel mehr als das Laing so drauf haben.

Sechs Jahre sind vergangen, seit Nicola Rost und ihr durch und durch weibliches Musik- und Tanzkollektiv mit “Morgens immer müde” erst zweite beim Bundesvision Songcontest wurden und im Anschluss die Charts eroberten. Sechs Jahre und zwei Alben, um genau zu sein. Nach “Paradies Naiv” 2013 und “Wechselt die Beleuchtung” 2014 erscheint nun - weitere vier Jahre später, die dritte Langspielplatte des Berliner Quartetts.

Und hätten Label und Umfeld nicht irgendwann mal mehr, mal weniger sanften Druck auf Songschreiberin Nicola ausgeübt, wäre “Fotogena” wohl auch heute noch nicht fertig, wie sie uns an einem Mittwochmorgen in einem Café im Prenzlauer Berg verrät.

Hallo Nicola, die ersten zwei Alben erschienen im Abstand von nur einem Jahr. Warum hat es viermal so lange gedauert, Album Nr. 3 an den Start zu bringen?
Nicola:
Ich habe eine Pause machen wollen, um alles abzuklopfen und darüber nachzudenken, ob ich den Sound ein bisschen verändern möchte. Geplant war ein Jahr, nur habe das dann so extrem genossen. Ich habe in der Zeit zwar schon auch Sachen gemacht, aber nicht sehr zielgerichtet. 2016 verstrich, und 2017 kam ich dann doch etwas ins Schlingern, denn eigentlich wollte ich ja schon noch ein Album machen. Immer mehr Leute haben gefragt, was denn nun ist, doch ich steckte zu diesem Zeitpunkt irgendwie fest. Einen Motivationsschub brachte mir die Anfrage für den Soundtrack zum Film “Safari”. Die Deadline war dabei entscheidend. Sie hat mich aus der Kurve geholt. Wenn es nur heißt ‘jetzt aber bald’ ohne eine konkrete Angabe, wann, kann ich noch zehn Jahre an einem Song rumbasteln. Ich brauche eine Deadline.

“Safari - Match Me If You Can” von Rudi Gaul ist gerade in den Kinos gestartet. Zufällig heißt der Film also so wie der Opener von eurem zweiten Album. Wirklich Zufall?
Naja, es geht um eine Dating-App, und auf dieser Plattform gibt man sich Tier-Alter-Egos mit denen man auf die Pirsch geht. Unser Song traf das Thema perfekt auf den Kopf. Ich denke, die Idee gab es schon vorher, aber vielleicht hat der Song das Ganze ja auch ein bisschen beeinflusst. Rudi sagt zumindest, er habe beim Schreiben des Drehbuchs viel unser Album gehört. Ich habe mich jedenfalls krass geschmeichelt gefühlt und mich gefreut, über diese Möglichkeit.

Das Erste, das man von euch nach längerer Pause hörte, war im Frühjahr “Nieselregen”. Ein Song, der sich deutlich vom übrigen musikalischen Portfolio Laings abhebt. Warum hast du dich für diese Nummer zum Auftakt entschieden?
Ich bin eines Morgens aufgewacht, habe auf mein Handy geguckt und da stand “Berlin, Nieselregen, 4 Grad”. Das war der Anfang dieses Songs, und damit habe ich ein bisschen herum gespielt, unter anderem meine Stimme gepitcht. Ich hatte wahnsinnig viel Spaß daran, als Mann einen Song zu schreiben, dieser mürrische Typ zu sein. Nach einer so langen Pause ist es völlig egal, womit du zurückkommst, die Leute werden immer irgendwie enttäuscht sein. Also haben wir uns für etwas entschieden, das tatsächlich am allerentferntesten von unseren anderen Sachen ist. Und tatsächlich gab es viele Fans, die richtig enttäuscht, fast wütend waren.

Mit der nachfolgenden Single “Du bist dir nicht mehr sicher” habt ihr dann aber all die angesäuerten Fans wieder auf Spur gebracht. Dramaturgisch also ein kluger Schachzug. (lacht) Stimmt, danach waren viele wohl ziemlich erleichtert.

Was die Texte von LAING ausmacht, sind Wortspiele, die auch eigentlich Unaussprechliches auf den Punkt bringen. Geht dir das Texten solcher Songzeilen leicht von der Hand oder ist das echte, harte Arbeit?
Im Grunde ist es beides. Manchmal geht es einem ganz leicht von der Hand, weil es einem gerade total beschissen geht. Dann kommt alles genau so raus, wie man sich gerade fühlt. Und es ist Glück, wenn es an einem Stück herauskommt. Es passiert nämlich auch, dass man ein paar Zeilen in einem solch emotionalen Extremzustand schreibt und diese fortsetzen muss, wenn sich die Lage längst wieder entspannt hat. Dann ist es Arbeit. Oder wenn man nur eine bestimmte Zeile im Kopf hat und sich den Rest mühevoll aus der Nase ziehen muss.

Welche Idee steckt hinter dem Albumtitel “Fotogena”?
Ich wollte etwas, das eine kleine Welt aufmacht, aber nichts allzu Konkretes. Wir sind zunächst die Songtitel durchgegangen, aber das war alles schwierig. Meine Freundin Anna Sophie, die mit uns auch die Styling- und Art-Direction-Sachen macht, schlug dann “Fotogena” vor, ein Wort aus dem Song “Camera”. Das hat mir auf Anhieb so gut gefallen, dass es das dann auch geworden ist.

Bis zur Tour, die im Januar startet, gehen noch einige Monate ins Land. Eure Shows sind ja für ihr gut durchdachtes Konzept bekannt. Wie weit seit ihr mit deren Planung?
Wir arbeiten daran und müssen erstmal die Fäden von unseren vergangenen Shows wieder aufnehmen. Dafür brauchen wir zum einen ein bisschen Zeit. Zum anderen ist es erfahrungsgemäß auch cool, die Leute vertraut werden zu lassen mit dem Album. Wir haben zu “Wechselt die Beleuchtung” eine Album-Release-Tour gespielt, und bei den neuen Songs waren die Leute alle noch recht verhalten. Mir selbst macht es auch mehr Spaß, mit neuen Sachen erstmal allein warm zu werden und sie in verschiedenen Situationen hören. Wenn sie einem dann live präsentiert werden, macht es doch einfach mehr Spaß.

Ein paar kleinere Clubkonzerte gibt es allerdings noch in diesem Jahr, zwei im September im Rahmen des Reeperbahn Festivals in Hamburg sowie zwei weitere im November in Berlin und Köln - natürlich in altbekannter Besetzung. Neben Nicola sind dann wieder Johanna Marschall, Josefnie Werner und Tänzerin Marisa Akeny dabei.

19.09. Häkken (Reeperbahn Festival)
21.09. Uebel & Gefährlich (Reeperbahn Festival)
18.11. Lido, Berlin
19.11. Köln, Helios37

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