Last.FM stellt On-Demand-Streaming ein

Fokussierung auf personalisierte Musikempfehlung

Das personalisierte Musikradio Last.FM hat heute bekannt gegeben, dass man seinen On-Demand-Streaming-Service einstellen werde. Stattdessen verweist Last.FM künftig zum Musikhören auf Partner wie Spotify oder Hype Machine - Dienste die in Deutschland derzeit entweder gar nicht oder nur in der juristischen Grauzone vertreten sind.

Last.FM war im Jahr 2002 angetreten mit der Mission, jegliches Radio überflüssig zu machen. Durch das so genannte Scrobbling konnte Last.FM vorausahnen, welche Musik einem Nutzer gefallen könnte. Statt mit der neusten Hitrotation zu nerven, sammelte man Daten über die Hörgewohnheiten seiner Nutzer und entwickelte daraus einen Empfehlungsservice, ein personalisiertes Radioprogramm. Dieses Angebot will Last.FM auch weiter aufrecht erhalten. Vor einigen Jahren führte Last.FM außerdem einen On-Demand-Streaming-Service ein. Damit konnten registrierte User auch ihre Lieblingsmusik streamen. Doch dieser Service wird Last.FM nun offenbar zu teuer. Musik-On-Demand zu Lizenzieren ist unberechenbar, da für jeden einzelnen Stream Gebühren fällig werden, anders als etwa für ein Radio, dessen Programm man als Nutzer kaum beeinflussen kann. Dadurch enstehen Kosten, die durch ein kostenloses Online-Angebot auf legaler Basis derzeit offenbar nicht einzuspielen sind. Andererseits sind immer noch zu wenige Nutzer bereit, für einen Online-Musikservice zu bezahlen.

Last.FM kündigte heute an, seinen On-Demand-Streaming Service komplett einzustellen und stattdessen zu verschiedenen Partnern zu verweisen. In England und Skandinavien ist das Spotify, in den USA heißen die Streaming-Partner MOG oder Vevo. In Deutschland gibt es derzeit allerdings noch keinen offiziellen Partner für Last.FM. Das liegt wohl einerseits an den enorm hohen GEMA-Kosten für Streaming-Angebote, andererseits an dem strengen Urheberrecht in Deutschland, was die Entstehung neuer Services seit Jahren massiv behindert. Deutsche Streaming-Angebote wie Steereo oder Simfy tun sich deshalb enorm schwer, da sie ganz andere Auflagen erfüllen müssen als etwa vergleichbare Anbieter in anderen Ländern. Der Anbieter Spotify, der in England und Skandinavien bereits sehr populär ist, denkt nicht zuletzt wohl deshalb momentan gar nicht daran, in Deutschland Fuß zu fassen und schielt stattdessen auf den großen asiatischen Markt, wo es mit dem Urheberrecht traditionell nicht so genau genommen wird.

Einzig HypeMachine wird als weltweiter Partner von Last.FM genannt, doch HypeMachine ist nichts anderes als ein automatisierter Blog-Aggregator - eine Suchmaschine, die von Bloggern ins Netz geladene Musik auffindbar macht. Eine sehr ergiebige, aber letztlich fragwürdige Quelle für Musik, denn die Bands und Musiker, deren Musik zumeist ungefragt via HypeMachine angeboten wird, gehen am Ende komplett leer aus.

In Deutschland ist das Anbieten von urheberrechtlich geschütztem Material in Blogs hingegen de facto verboten, von sehr wenigen Ausnahmen wie Creative Commons oder selbst komponierter Musik abgesehen. Insofern könnte sich die strikte Haltung der deutschen Rechtshüter künftig mehr und mehr ins Gegenteil verkehren: mangels legaler Alternativen könnten immer mehr Musikhörer wieder zu illegalen Angeboten abwandern. Und an dem Punkt waren wir vor zehn Jahren schon einmal, als Napster der Musikbranche die dramatischen Konsequenzen der digitalen Revolution eindrucksvoll vor Augen führte.

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