Leonard Cohen ist tot

Einer der größten Songschreiber im Alter von 82 Jahren gestorben

Der kanadische Dichter und Songwriter Leonard Cohen ist am Montag im Alter von 82 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie mit. Erst kürzlich hatte er sein letztes Album "You Want It Darker" veröffentlicht.

Er sei bereit zu sterben, ließ Leonard Cohen kurz vor Veröffentlichung seines letzten Albums verlauten. Das Zitat verbreitete sich wie ein Lauffeuer und stimmte seine Fans traurig. Schließlich war Leonard Cohen und seine Songs immer da, ein Leuchtturm, der einen durchs Leben begleitet und der zu jedem Anlass die passenden Worte finden konnte. 

Später nahm er diese Worte zurück: er neige zur Übertreibung und eigentlich habe er vor, ewig zu leben. Ein typischer Cohen. 

Jetzt ist er im Alter von 82 Jahren in Los Angeles gestorben und seiner Freundin und Muse Marianne Ihlen gefolgt, die im Sommer gestorben war und der er einige seiner größten Songs gewidmet hatte, u.a. "So Long, Marianne" und "Bird On A Wire". Seiner ehemaligen Lebensgefährtin schrieb er einen Abschiedsbrief. 

 „Marianne, wir sind nun beide in dem Alter angekommen, da unsere Körper langsam anfangen, zu vergehen – und ich denke, dass ich dir bald folgen werde. In dem Wissen, dass ich so nah bei dir bin, kannst du einfach deine Hand ausstrecken, und ich denke, du wirst meine erreichen. Du weißt, dass ich dich immer für deine Schönheit und deine Weisheit geliebt habe, aber ich muss gar keine Worte mehr darüber verlieren, denn du weißt das alles schon. Aber jetzt wünsche ich dir eine gute Reise. Good Bye, meine liebe Freundin. In unendlicher Liebe, ich sehe dich ganz bald.“ 

Cohen lebte mit ihr gemeinsam auf der griechischen Insel Hydra als Dichter und Lebenskünstler als er aus latenter Geldnot begann, seine Texte zu vertonen. Schließlich konnte man mit Songs mehr verdienen als mit Gedichten. Er machte sich Zeit seines Lebens lustig über seine nicht vorhandene Stimme ("I was born like this, I had no choice/I was born with the gift of a golden voice" - Tower of Song), doch sein Debütalbum "The Songs of Leonard Cohen" traf 1967 einen Nerv und viele sahen in ihm den neuen Bob Dylan. Durch seine vielen Reisen verließ er Hydra und Marianne und kam im berühmten Chelsea-Hotel unter, einem Künstlerhotel in Manhatten, wo zahlreiche große Künstler dauerhaft ein Zimmer gemietet hatten. 

Seiner Affäre Janis Joplin widmete er den Song "Chelsea Hotel #2" in dem er besang, dass sie beide zwar nicht hübsch waren, aber wenigstens die Musik hatten. Später war er mit der Folk-Sängerin Joni Mitchell zusammen, auch aus dieser Beziehung stammen viele Songs ("Winter Lady"). 

Als sich die Folkszene in den 70er Jahren wieder auflöste, experimentierte Cohen auch mit neuen musikalischen Mitteln, sein Album "Death Of A Ladies Man" wurde von Pop-Produzent Phil Spector produziert und gilt als sein umstrittenstes Werk. Auch er selbst war nicht glücklich damit. Später fand er zurück zu den minimalistischen Arrangements seiner Anfangszeit. Auf "Recent Songs" veröffentlichte er mit "If It Be Your Will" seinen nach eigener Meinung besten Song. Fünf Jahre später enstand "Various Positions", das mit "Hallelujah" einen der bis heute meist gecoverten Songs der Musikgeschichte enthielt.

Vor allem die gefühlvolle Version von Jeff Buckley aus dem Jahr 1994 brannte sich ins kollektive Gedächtnis ein. 

Im Jahr 1996 zog sich Leonard Cohen als Mönch in ein buddhistisches Kloster zurück und verschwand für Jahre aus der Öffentlichkeit. 2001 begann er wieder neue Alben zu produzieren, für die er aber meistens nur noch die Texte lieferte. 2004 musste er feststellen, dass seine Managerin sein gesamtes Vermögen durchgebracht hatte. Und da ihm schon viele Songrechte aus mangelndem Geschäftssinn abhanden gekommen waren, musste Leonard Cohen in den letzten zehn Jahren wieder um die Welt touren. Ein Glück für viele Fans, die so einen der größten Songschreiber unserer Zeit noch einmal live erleben konnten. 

Sein letztes Album "You Want It Darker" wurde von seinem Sohn Adam Cohen produziert, erschien im Oktober 2016 und gehört zu den düstersten Werken von Leonard Cohen. Aber auch zu einem seiner stärksten. Der Titelsong klingt wie eine düstere Vorahnung auf die US-Wahlen, deren Ergebnis Leonard Cohen nicht mehr erfuhr. Am Montag starb er in seiner Wahlheimat Los Angeles. 

"They're lining up the prisoners
And the guards are taking aim
I struggled with some demons
They were middle class and tame
I didn't know I had permission to murder and to maim
You want it darker

Hineni, hineni
I'm ready, my lord"
Leonard Cohen - You Want It Darker

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Leonard Cohen veröffentlicht im stolzen Alter von 82 Jahren sein 14. und letztes Studioalbum. Auf "You Want It Darker" übergibt der Großmeister der Melancholie das Zepter an seinen Sohn Adam.