Leyya im Gespräch über ihre neue Platte "Sauna"

"Wir kacken einfach drauf, wenn das Leuten zu anders ist. Das ist das, was aus uns rauskommt"

Leyya sind der – Sorry Wanda und Bilderbuch – interessanteste Export aus Österreich. Wir haben Sophie Lindinger und Marco Kleebauer auf den Zahn gefühlt und sie zum neuen fantastischen Album „Sauna“ ausgequetscht.

TONSPION: Wir zäumen das Pferd mal von hinten auf. Ich hab erst gedacht, die Presswerke hätten Mist gebaut und einen Song ganz am Ende auf die CD gepresst, der da eigentlich nicht hingehört. Am Ende ging mir ein Licht auf: Das muss ein – ganz 90er mäßig – ein Hidden Track sein. Richtig?

Sophie: Ich hab den Effekt früher immer so lustig gefunden, wenn man ne CD gehört hat und man hat dann vergessen die auszuschalten und macht nebenbei noch irgendwas und plötzlich kommt da noch was. Der Effekt gefällt mir einfach und wenn ich schon mal die Möglichkeit hab ne CD zu machen...

Wie kam die Idee?

Marco: Wie viele Ideen auf dem Album ist das aus einer Blödelei entstanden. Ich hab den Song schnell geschrieben und er hat am Schluss des Albums, als letzter Witz gut gepasst. Es gibt dem ganzen nochmal einen speziellen Twist finde ich.

Vom Ende des Albums, springen wir zum mal ganz zum Anfang: Im „Sauna“-Intro wird eine Sitar angekündigt. Wie oft kommt die denn jetzt tatsächlich vor?

Sophie: Die kommt tatsächlich öfter, aber nicht so dominant wie bei „Zoo“ zum Beispiel. Aber wir haben schon eine Sitarfläche, wenn auch nur für die Obertöne irgendwo reingepackt, weil es einfach eine schöne Textur hat.
Marco: Wir haben sehr viel über das Thema nachgedacht: Ist das moralisch verwerflich? Ist das okay wenn ich aus anderen Kulturen einfach so Schnipsel hernehme aber wir sind der Meinung, dass jeder Sound – wenn ich zum Beispiel auf den Tisch klopfe und das aufnehme und einen Beat draus mache – dann ist das für uns das gleiche, wie wenn ich ein Instrument aus dem fernen Osten sample. Das hat den selben Stellenwert. Das hat uns extrem befreit zu sagen, das sind alles Instrumente, die man in die Musik einbauen kann.

Aber es ist meiner Auffassung nach dann doch eher eine Hommage an die Kultur und an das Instrument speziell, das aufzugreifen und in gewisser Weise neu zu interpetieren...

Marco: Was ein Sitar-Sound halt mit sich bringt oder was Leute damit asoziieren ist natürlich, dass es in indischer Musik präsent ist. Das bringt insgesamt mehr mit sich, als nur das Instrument, das ist eine Lebenseinstellung, das lernt man von jungauf, das lernt man nicht, das lebt man einfach. Und wir haben extremen Respekt vor sowas.

Sich solche Gedanken zu machen, Hut ab! Im Endeffekt bleibt es aber ein musikalisches Stilmittel, wie du auch schon gesagt hast Marco...

Marco: Für uns war das irgendwie dann der Punkt, wo wir gesagt haben, das ist doch alles Blödsinn, das ist alles Zeitverschwendung da noch weiter drüber nachzudenken. Gleichzeitig war dann die Sauna als Ort, wo alle Menschen hingehen, unterschiedliche Gesellschaftsschichten und da nackt sind und sich entgiften, das war gleichzeitig das Bild, das wir im Kopf hatten.

Womit wir jetzt nach Kulturdebatten wieder beim Album wären. Das hat sich stilistisch ja schon stark gewandelt.

Marco: Unser erstes Album war sehr elektronisch und melancholisch und die Soundästhetik war sehr sehr wichtig – also nicht nur die Songs an sich, sondern wie sie klingen. Und da hat Sophies Stimme auch eher als Instrument fungiert. Die neuen Songs von uns, da steht die Stimme auch deutlich über den Instrumenten. Das hat dann eine klarere Message.

Klingt so als wäre das von vornherein die Idee gewesen?

Sophie: Wir hatten eine Idee wie es klingen soll: Wir wussten wir wollten in Anführungszeichen fröhlichere Songs machen, oder zumindest vom Gefühl her fröhliche, mit mehr Upbeat und ein bisschen fokussierter. Aber wir haben nicht ganz gewusst, wie das gehen soll und haben einfach mal angefangen zu schreiben. Wir gehen schon in eine andere Richtung im Vergleich zum Rest und hatten dann auch schon eine schwierige Zeit, das so hinzubiegen, dass wir dann sagen konnten: Okay jetzt ist es einfach so.

Jetzt kacken wir einfach mal drauf, wenn das irgendjemanden nicht gefällt, weil das zu anders ist. Aber das ist das, was aus uns rauskommt. Diese Phase war die schwierigste. Und ich glaub „Zoo“ hat das alles dann vorgegeben.

„Zoo“ kam ja relativ früh raus – überraschend früh für ein Album, dass dann knapp neun Monate später erst raus kommt. Gab es vom Label eine Deadline oder einen groben Zeitplan?

Marco: Wir versuchen mit Deadlines zu arbeiten, aber das Prinzip von Deadlines ist nicht, dass sie eingehalten werden, sondern dass es Zeitdruck gibt.
Sophie: Also wir haben ja das Album an sich fast ein Jahr verschoben. Wir hatten ja...eins-zwei-drei...drei Termine, wo es eigentlich schon veröffentlicht werden hätte sollen...
Marco: So viel zum Thema...
Sophie: Ich glaub beim ersten Termin haben wir gerade mal entdeckt in welche Richtung wir letzendlich gehen wollen und dann hat es einfach noch gedauert. Wir wollten auch nichts veröffentlichen, wo wir nicht 100%ig dahinterstehen und darum haben wir glaub ich über 60 Ideen gemacht – zwölf haben es dann letzendlich geschafft.

Angesichts vom Ergebnis wird der Andi von LasVegasRecords dann auch cool damit gewesen sein...

Sophie: Es ist uns einfach extrem wichtig, dass jeder Song seinen Charakter und für sich steht. Da übersehen wir dann gern ab und zu mal diese Deadlines aber sie geben schon was vor. Ich glaub die Letzte war uns dann schon sehr wichtig, da haben wir dann schon auch drauf hingearbeitet. Die war dann auch wichtig, sonst hätten wir ewig lang weitergearbeitet und dann wäre es irgendwann mal wieder in eine schlechte Richtung gegangen.
Marco: Man ist ja eh nie fertig mit dem Album, das ist ja nur der letzte Stand. Es gibt einen Punkt, wo man einfach loslassen muss und sagen muss, das ist jetzt nicht mehr meins, sondern das gehört jetzt jemand anderen: den Leuten, die es sich anhören, das muss man wissen, sonst verliert man sich

Sophie und Marco haben definitiv rechtzeitig losgelassen. Lest hier unsere Rezension zum Album und noch viel wichtiger: Schaut euch die Band live auf dem zweiten Teil ihrer Tour an. TONSPION präsentierte schon im Februar den Ersten und wir freuen uns wieder für die folgenden Städte Tickets verlosen zu können.

Schreibt uns einfach eine Mail mit dem Betreff "Sauna", eurem vollständigen Namen und eurer Wunschstadt, dann landet ihr im Lostopf. Die Verlosung endet am 30.09.2018.

REVIEW: Leyya - Sauna

TONSPION präsentiert: Leyya auf Tour:
19.10.18 Köln, Artheater
25.10.18 Hannover, Indiego Glocksee
26.10.18 Erfurt, Engelsburg

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Leyya - Sauna

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Redaktionswertung: 
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Leyya drehen ihren Stil auf links und machen statt dunklem Trip-Hop-Synth-Gemisch auf einmal fluffig-cleveren, funky Pop - und es funktioniert!