Look Mom I Can Fly: Netflix verfilmt Travis Scotts Tagebuch

Die Doku gibt intime Einblicke in das Leben des Platinrappers

Doppelplatin für "Astroworld", drei Grammy-Nominierungen und die Geburt von Tochter Stormi – das letzte Jahr muss sich für Travis Scott wie ein einziger Rausch angefühlt haben. Die Netflix-Doku "Look Mom I Can Fly" ist das audiovisuelle Tagebuch.

Trailer: Look Mom I Can Fly

Im Vergleich zu seiner Ehefrau Kylie Jenner hält sich Travis Scott in den sozialen Medien eher bedeckt. Umso spannender fällt ein Film wie "Look Mom I Can Fly" aus, der mit einer Mischung aus Konzert- und Fernsehmitschnitten, Privatclips und professionellen Aufnahmen den 28-Jährigen ungewohnt nah zeigt. Neben Einschüben aus der Kindheit und Jugend konzentriert sich die Doku auf die Zeit von den "Astroworld"-Aufnahmen bis zu den Grammy Awards 2019.

Regelmäßig wechseln die Bilder zwischen hochauflösend und VHS-Charme. Das ist gewollt. Was professionell und was mit der Smartphone-Kamera gefilmt wurde, lässt sich nie mit Sicherheit sagen. Dadurch ändern sich Perspektiven innerhalb einer Szene und selbst auf der Bühne wirkt Travis Scott auf einmal nahbar. Das passt zum Rapper, der sich nach einem Auftritt bei "Saturday Night Live" nicht wie ein Platinkünstler, sondern wie ein Kind nach einer geglückten Schulaufführung freut.

"When he comes in, he can vibe with every single person in the crowd", schwärmt ein Fan nach einem Konzert. Ein anderer schreit aufgeregt in die Kamera, dass Travis Scott sein Leben gerettet habe. Viel Zeit gibt die Doku den Zuschauern nicht, um diese überschwänglichen Aussagen zu verarbeiten. Stattdessen geht es Schlag auf Schlag. Auf einen fünfsekündigen Live-Mitschnitt folgt ein zehnsekündiger Clip, in dem der 12-jährige Travis unschuldig in den Camcorder rappt.

Video: Travis Scott feat. Drake – Sicko Mode

Mit diesen Gegensätzen spielt "Look Mom I Can Fly" ständig. Kreischende Fans umkreisen Travis Scotts Auto und flehen ihn an, das Fenster herunterzulassen. Harter Schnitt. Kylie Jenner und Travis Scott sitzen knutschend auf dem Rücksitz einer Limousine und genießen den ruhigen Moment. Die Achterbahnfahrt, die Travis Scotts Leben ist, wird so auch für den Zuschauer erlebbar.

Ein Kommentar aus dem Off wurde ausgespart. Dadurch erfährt der Zuschauer alles und nichts. Die Dokumentation überlässt es ihm, das Gesehene zu werten. Stattdessen geben kleine Entdeckungen ein Gefühl von dem Wahnsinn, der sich da auf dem Bildschirm abspielt. Eine Security-Frau sendet noch ein letztes Stoßgebet aus, bevor sie die Tore zum "Astroworld"-Festival öffnet und tausende Fans das Gelände stürmen. "This is insane", kommentiert Scott die Hingabe seiner Anhänger immer wieder im Laufe der 75 Minuten.

"Look Mom I Can Fly" liegt freilich nichts daran, Travis Scott in einem schlechten Licht darzustellen. Kontroversen wie seine Teilnahme an der Super-Bowl-Halbzeitshow werden nur kurz angeschnitten. Stattdessen bleibt die Kamera ein paar Sekunden länger auf Scott gerichtet, wenn er im Studio zu seiner eigenen Musik abgeht wie die Fans bei seiner Live-Show. "Look Mom I Can Fly" ist ein kurzweiliger Cocktail aus Konzertfilm, Behind-The-Scenes und sympathischem Eigenlob.

Video: Travis Scott – Wake Up

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