LowSwing Records veröffentlicht "Analog only"-Platten

Produzent Guy Sternberg im Interview

Guy Sternberg betreibt seit 15 Jahren in Berlin-Mitte ein Studio, in dem bereits Künstler wie Kings of Convenience, Keane, Big Sean, Giant Sand oder Feist aufgenommen haben. Auf seinem Label LowSwing Records veröffentlicht Sternberg nun Platten, die ausschließlich analog aufgenommen wurden. Also wie vor 40 Jahren. Wir haben ihn dazu befragt.


TONSPION: Guy, du bist der Gründer des „Analog only“ Labels LowSwing Records. Was ist die Idee dahinter?

Guy Sternberg: Die Idee kam als Reaktion auf die heutigen digitalen Produktionsbedingungen. Ich wollte, dass sich der Aufnahmeprozess wieder „echt“ anfühlt und dass das finale „Produkt“ wieder näher an der Originalvision der authentischen Stimme des jeweiligen Künstlers orientiert ist. 

Das heißt, digitale Aufnahmen sind nicht echt?

Anders als die endlosen Manipulationsmöglichkeiten einer Performance mit digitalen Mitteln, zwingen einen ausschließlich analoge Geräte dazu kreativ zu arbeiten, Entscheidungen zu treffen und auf den Moment zu fokussieren: die „Live-Performance im Studio. Ein großer Teil davon ist, loszulassen und auch mit Unperfektem zu leben, etwas dass in einer digitalen Produktionsumgebung fast schon unvorstellbar geworden ist. 

Eine alte Tonbandmaschine im LowSwing Studio.

Wenn du keine Einnahmen über CD-Verkäufe, Download oder Streaming hast, wie refinanzierst du die Platten?

Um ehrlich zu sein, war die Refinanzierung nie mein erster Gedanke, genauso wenig wie sich die Punk oder Indieszene der 80er um einen Businessplan geschert hat. Ich will den Fokus wieder auf die Künstler und Songwriter setzen, weg vom Produkt und Marketing. Ich hoffe, dass ich Bewusstsein für diese spezielle Klangqualität wecken kann, das ist meine Mission und viel wichtiger als nur Geld zu verdienen. Am Ende sollen diese gut klingenden Platten natürlich auch wieder die Produktionskosten wieder einspielen.

Ist das für dich nur deshalb möglich, weil du ein Studio besitzt oder könnte das die Zukunft kleiner Labels so aussehen, dass sie einfach keine digitalen Alben mehr veröffentlichen und die Leute so zum Vinylkauf bewegen?

Natürlich ist es ein großer Vorteil, so ein zeitgemäß eingerichtetes Studio wie LowSwing zu besitzen und vermutlich nimmt mir das auch das Risiko in einer finanzielle Katastrophe zu landen, wenn es mal nicht so läuft. Aber wenn man bedenkt, dass Lianne Hall’s „The Caretaker“, unsere erste Veröffentlichung, in gerade mal einer Woche aufgenommen und abgemischt wurde, versteht man schnell, dass man gerade als kleines Label nicht an Studiozeit sparen sollte.

Wie fühlt es sich an, Musik so zu veröffentlichen, als seien die letzten 40 Jahre digitale Technologie nicht passiert?

Es fühlt sich super an! Ich liebe Platten. Ich bin ein Plattensammler und habe eine Leidenschaft für guten Sound und Artwork. Und als Musikproduzent ist es für mich ein Bedürfnis, Platten so zu machen, wie ich sie hören möchte. Und ich möchte weitere Veröffentlichungen neue Künstler mit herausragenden Stimmen und Persönlichkeiten machen. Die nächste Platte kommt von Mimi einem großen Talent aus London. 

Was denkst du übers Streaming? Nutzt du auch Spotify und Co.?

So lange Streaming finanziell für die Songwriter nicht fair ist, versuche ich es zu vermeiden. Ein anderes Problem, das ich damit habe, ist die Soundqualität. Die reicht mir einfach nicht aus.

Die erste Veröffentlichung des LowSwing Records ist "The Caretaker" der Songwriterin Lianne Hall. Das Album ist soeben auf Vinyl und MC erschienen.

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