Massive Attack verstören Publikum mit Cover-Versionen

Konzert zum 20. Jubiläum in Frankfurt mit einigen Überraschungen

Wer gestern beim Konzert von Massive Attack in Frankfurt war, bekam eine Show der anderen Art geboten. Neben den Songs des Albums "Mezzanine" spielten Massive Attack nur Coverversionen.

Schon zu Beginn wunderten sich nicht wenige Konzertbesucher: sind wir hier richtig? Aus den Monitorboxen plärrten Britney Spears, Aerosmith und Robbie Williams in unterirdischer Soundqualität. Gehörte das schon zur Performance? Oder war der Mann am Mischpult stocktaub? Man weiß es nicht. Athmosphäre schafft man jedenfalls anders. 

Dann schließlich kam eine Band vor die bunt blinkende LED-Wand und spielte einen Song von Velvet Underground. Mit Gitarren. Die Vorband? Nein, es waren tatsächlich Massive Attack auf ihrer Jubiläumstour zu "Mezzanine", einem ihrer erfolgreichsten Alben. 

Massive Attack - 10:15 Saturday Night (The Cure Cover)

Das Konzept des Konzerts kristallisierte sich schnell heraus: zwischen den Songs ihres Albums gab es ausschließlich Coverversionen von Songs, die sie zu dem Werk inspirierten.

Neben dem Velvet Underground-Klassiker "I Found A Reason" spielte die Band die Gruft-Hymne "Bela Lugosi's dead" von Bauhaus (besser als das Original), einen frühen Song von The Cure, den Pete Seeger Song "Where Have All The Flowers Gone" (gesungen von Liz Fraser) und den New Wave-Song "Rockwrok" von Ultravox. Und um die Verwirrung komplett zu machen spielten sie den extrem nervigen Avicii-Hit "Levels" vor der letzten Nummer kurz an. Kann man machen, wäre aber nicht nötig gewesen.

Dazu gab es eine Endlosberieselung aus Parolen und bedeutungsschweren politischen Bildern (Putin, Hussein, Trump,...) von einer ultrahellen LED-Wand im Rücken der Band.

Die Show hätte in dieser Form und ohne die großen Hits vom Debütalbum zum Flop werden können, wäre da nicht dieser eine alles überstrahlende Lichtblick gewesen: Liz Fraser, ehemalige Sängerin von Cocteau Twins, die sich bereits vor vielen Jahren aus dem Musikgeschäft zurück gezogen hatte, gab sich wieder einmal die Ehre und hauchte ihre Beiträge vom Mezzanine Album "Teardrop", "Black Milk" und "Group Four" sanft ins Mikrofon. Die engelsgleiche Stimme, diese unvergleichlichen Modulationen, alles noch da, als würde sie nach wie vor jeden Tag Konzerte spielen. 

Cocteau Twins - Heaven Or Las Vegas (1990)

Das Konzert bekräftigte den Verdacht, der einen schon bei der letzen Tour beschlich: ohne ihre Sängerinnen sind Massive Attack eigentlich keine besonders gute Live-Band. Ihr ans belehrend grenzende Sendungsbewusstsein und die optischen Spielereien nerven einfach nur und lenken von der Musik ab. Doch ihr Händchen für exquisite Stimmen, die ihr gesamtes Werk prägen, ist alleine schon ein außerordentliches Talent. 

Es war ein Abend mit durchaus gemischten Gefühlen in der Frankfurter Jahrhunderthalle, bei dem die schönen Momente am Ende allerdings überwogen, auch wenn das Publikum ohne eine einzige Zugabe nach Hause geschickt wurde. Dafür mit der (selbst)ironischen Botschaft - in dicken Lettern auf die LED-Wand projiziert -  dass wir damit aufhören sollten, ständig nur die Vergangenheit zu wiederholen, sondern stattdessen lieber die Zukunft zu gestalten. Und das ist ein starkes Statement, das man bei einer nostalgischen Oldie-Show leider viel zu selten zu hören bekommt.

Massive Attack Mezzanine XXi Tour Setlist Frankfurt 4.2.2019

  1. I Found a Reason (The Velvet Underground cover)
  2. Risingson
  3. 10:15 Saturday Night (The Cure cover)
  4. Man Next Door (with Horace Andy)
  5. Black Milk (with Elizabeth Fraser)
  6. Mezzanine
  7. Bela Lugosi's Dead (Bauhaus cover)
  8. Exchange
  9. See a Man's Face (Horace Andy cover) (with Horace Andy)
  10. Dissolved Girl
  11. Where Have All the Flowers Gone? (Pete Seeger cover) (with Elizabeth Fraser)
  12. Inertia Creeps
  13. Rockwrok (Ultravox cover)
  14. Angel (with Horace Andy)
  15. Teardrop (with Elizabeth Fraser)
  16. Levels (Avicii cover)
  17. Group Four (with Elizabeth Fraser)
Massive Attack - Mezzanine

Massive Attack

Massive Attack gelten als Erfinder des Trip-Hops und die Band aus Bristol ist im Bereich Electronica stilbildend: Mitglieder sind Robert "3D" Del Naja sowie Grantley "Daddy G" Marshall.

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