VERLOSUNG

Mercy on Me: Das Leben von Nick Cave erscheint als Comic-Roman

Wir verlosen ein handsigniertes Exemplar des Comics von Reinhard Kleist

Am 22. September 2017 wird Nick Cave 60 Jahre alt. Zu diesem Anlass hat ihm Deutschlands bekanntester Comic-Zeichner Reinhard Kleist einen Comic-Roman und ein begleitendes Artbook gewidmet. Wir verlosen ein von Nick Cave und Reinhard Kleist signiertes Exemplar von "Mercy On Me"!

Nick Cave - Mercy on Me Comic
(c) Reinhard Kleist - Mercy On Me (Carlsen Verlag)

Worüber redet man mit Nick Cave backstage? Reinhard Kleist hat sich als Protagonisten für seine nächste große Comicerzählung niemand Geringeren als den enigmatischen Musiker und Autor Nick Cave ausgesucht. Im Interview erzählt er über die Entstehung seiner bislang ambitioniersten Arbeit.

Wann und warum haben Sie sich entschieden, Nick Cave Ihren nächsten Comic zu widmen?

Ich wollte gerne wieder etwas so Spielerisches wie den Comic über Johnny Cash machen, Musik und Comic verbinden. Ich suchte nach einem großen Geschichtenerzähler in der Musik und kam sehr schnell auf Nick Cave, von dem ich in den Neunzigern ein großer Fan war, ihn aber später aus den Augen verloren hatte. Ursprünglich hatte ich für meine Erzählung weit weniger Seiten veranschlagt. Ich merkte aber schnell, dass ich mit dem Konzept, das ich im Kopf hatte, die Seitenzahl kräftig ausweiten musste, und so hat sich die angepeilte Seitenanzahl mehr als verdoppelt.

Ihre letzten Arbeiten, „Der Traum von Olympia“ und „Der Boxer“, waren ebenfalls biografische Comics und sehr rechercheintensiv. Wie viel Recherche ging „Nick Cave“ voran? Wie hat sich die Arbeit daran von den Recherchen für zum Beispiel „Der Boxer“ unterschieden?

So viel Recherche wie bei meinen letzten großen Arbeiten musste ich bei „Mercy on Me“ nicht betreiben. Ich habe in Vorbereitung auf das Buch einiges gelesen, vor allem seine Romane, und Gespräche mit Leuten geführt, die Nick Cave persönlich kennen. Ich sprach mit Anne Haffmann von Mute Records Deutschland, die mir ein paar Details über Nicks Zeit in Berlin erzählte. Mit Christoph Dreher, dem Gitarristen von „Die Haut“, mit denen Nick auf Tour war und aufgenommen hatte und bei dem Nick eine Zeit lang gewohnt hatte.

VERLOSUNG: 

Mercy On Me Nick Cave

Wir verlosen ein Paket bestehend aus dem Comic signiert vom Künstler und Nick Cave himself und dem Artbook von Reinhard Kleist. Die CD dient dem Größenvergleich und legen wir mit dazu.

Teilnahmebedingung: Sende uns eine Mail mit dem Stichwort "Nick Cave" und verrate uns dein absolutes Lieblingslied von Nick Cave. Aus den Einsendungen bauen wir eine Playlist zum 60. Geburtstag von Nick Cave.
Teilnahmeschluss ist der 20. September 2017. Der Gewinner wird informiert.

Bela B. konnte mich auch mit wichtigen Details aus dem „Risiko“ versorgen. Zum Beispiel welche Biermarke dort bevorzugt wurde. Das Buch sollte aber weniger eine Aneinanderreihung von vermeintlichen Fakten sein als vielmehr eine Reflexion über die Beziehung zwischen Künstler und Werk. Dazu war es nicht nötig, sich so akkurat an historisch Verbrieftes zu halten, wie zum Beispiel bei „Der Boxer“. Nach der Recherche habe ich dann angefangen, nach einem Erzählansatz zu suchen. Das war ein langer Prozess, und bei mir fliegen etliche verworfene Ansätze herum. Danach habe ich mich an die Ausformulierung der Dialoge gemacht. Das sieht dann ähnlich aus wie ein Filmdrehbuch. Idealerweise folgt nach der finalen Fassung des Skripts das Layout und die Vorzeichnung der Seiten in Bleistift. Bei meiner etwas chaotischen Arbeitsweise läuft das aber auch oft parallel. Danach wird alles mit Tusche und Pinsel reingezeichnet, dann gescannt und die Sprechblasen und Texte am Rechner eingefügt.

Nick Cave - Mercy on Me Comic
(c) Reinhard Kleist - Mercy On Me (Carlsen Verlag)

Sie haben im Laufe der Arbeit an Ihrem Comic Nick Cave mehrmals getroffen. Welche Rolle spielte er bei der Entstehung des Buchs? Welche Feedback haben Sie von ihm bekommen?

Nick war von Anfang an dabei. Ich traf ihn vor vier Jahren auf einem Festival in der Nähe von Berlin. Wir saßen Backstage draußen vor der Tür und hinter uns braute sich ein gewaltiges Unwetter zusammen. Wir redeten über meine erste Idee zu dem Comic. Später schrieben wir uns oft per Email, telefonierten. Und als ich genug Material zum Zeigen zusammenhatte, haben wir uns in einem Studio in London getroffen. Ich habe ihm alle Seiten gezeigt und das Erzählkonzept auseinandergesetzt, das ihm sehr gefallen hatte. Er hat sich viel Zeit dafür genommen und wir haben viel gelacht. Nick liebt Comics und er hatte von Anfang an die Idee, das Ganze eher Mythologischer, Legendenhafter zu erzählen.

Meine ersten, wenig einfallsreichen Konzepte bedachte er dann auch nur mit einem „ist in Ordnung“, was mir schnell klar machte, dass ich einen anderen Weg gehen müsste.

„Nick Cave - Mercy on Me“ ist keine klassische biografische Erzählung, auch wenn sie größtenteils linear abläuft. Die Cave‘schen Figuren und Schöpfungen sind ebenso Protagonisten Ihres Comics wie Cave selbst, und Ihre zeichnerischen Interpretation von Caves Lyrics und Romanen stehen gleichbedeutend neben tatsächlichen Ereignissen und Konzertauftritten...

In den ersten vier Kapiteln wird Nick Caves Lebensgeschichte von vier seiner Protagonisten erzählt. Jedes Kapitel hat einen eigenen Schwerpunkt. Ich habe mir lange Gedanken dazu gemacht, was das eigentliche Thema hinter der Biografie sein könnte. Ich kam auf verschiedene Aspekte, die alle mit Nicks Schöpfungsdrang zu tun haben: Das zerstörerische Element in seinem bedingungslosen Voranstürmen, das Unsterblichmachen, das im Schreiben eines Liebesliedes enthalten ist, das Erschaffen von Welten durch die Kunst und die Gottgleichheit, die man damit erlangt. Und später die Verantwortung, die man seinen Figuren gegenüber hat. Im letzten Kapitel kommt dies alles in meiner grafischen Interpretation des Songs „Higgs Boson Blues“ zusammen, und die Protagonisten der Kapitel stellen ihren Erschaffer, Nick, zur Rede. Ich denke, dass ich mit diesem Aufbau der Person Cave wesentlich gerechter werde, als wenn ich nur die Stories, die sich um sein Leben ranken, heruntergebetet hätte. Cave und seine Kunst sind weitaus komplexer als das. Und letztlich tut sich da auch eine Verbindung zwischen mir und ihm auf.

Was hat Sie daran fasziniert?

In erster Linie das Sammelsurium an großartigen und bildgewaltigen Geschichten. In seinem Roman „Und die Eselin sah den Engel“ benutzt Cave sehr viele biblische Elemente und überhöht dabei auch seine eigene Geschichte. Euchrid Eucrow, die Hauptperson, ist ja auch ein Spiegel von ihm selbst. In vielen seiner Songs finden sich dann auch Visionen aus der Bibel wieder. Da ist zum Beispiel der Engel, der dem armen Jungen am Ende von „Hammer Song“ erscheint.

Sie zeigen die Bedeutung von Cashs Musik für Caves frühes musikalisches Schaffen und lassen ihn auch später im Buch immer wieder auftauchen. Welchen Einfluss hatte Cash auf Nick Cave?

Beide Musiker sind einfach fantastische Geschichtenerzähler, die ebenfalls völlig von ihrer Musik Besessene waren/sind. Und beide haben es immer wieder geschafft, ihre Texte durch die Musik, manchmal wie ein Soundtrack, zu illustrieren. Cash hatte schon früh einen starken Einfluss auf Caves Musik und Leben. Cashs Outlaw-Image und die Düsternis in seinen Texten hat Nick Cave schon immer angezogen. Er hat auch ein paar Songs von Cash gecovert (und umgekehrt auch mal: Cash hat eine magische Version von „Mercy Seat“ aufgenommen).

„Mercy Seat“ spielt auch für Ihr Buch eine wichtige Rolle. In einer der bewegendsten Sequenzen der Graphic Novel lassen Sie die Leser an der Entstehung des Songs teilhaben. Man ist in Caves Kopf und erlebt die besungene Hinrichtung, und zeitgleich ist man im Aufnahmestudio und erlebt, wie ein getriebener Cave seine Bandmitglieder vor den Kopf stößt. Warum haben Sie dieses Lied so zentral in Ihrer Erzählung platziert?

In diesem Lied kommt die ganze Verzweiflung seiner Existenz zu jenem Zeitpunkt zum Vorschein, genau wie in dem Song „Mercy“, aus dem die Zeile „Mercy on Me“ stammt. In dieser Zeit war er auf dem Höhepunkt seiner Sucht und merkte wohl, dass das nicht lange gut geht. Und er merkte, welches Leid er Leuten in seiner Umgebung antat. Hier setzt er sich quasi selbst auf den elektrischen Stuhl. Die Pein wird wirklich erlebbar, durch Text und Musik (die immer wieder mantramäßig wiederholten Zeilen am Ende von „Mercy Seat“ sind schon fast Folter) wird man in seinen Schmerz gezogen.

Parallel zu „Mercy on Me“ erscheint noch ein Bildband mit zahlreichen großformatigen Illustrationen von Cave und den Bad Seeds. Was hat es mit diesem Buch auf sich?

Während des langwierigen Schreibprozesses habe ich mich der Person Cave mithilfe von Skizzen und Portraits genähert. Quasi als Fingerübung habe ich einige seiner Songs illustriert und Cave zum Protagonisten gemacht. Als das nicht reichte und die Geschichte immer noch nicht stand, habe ich ganze Songs in Comickurzgeschichten verwandelt und schon scheinbar feststehende Sequenzen für den Comic gezeichnet. Einiges davon hat es nicht in den Comic geschafft und ist nun im Artbook versammelt. Irgendwann habe ich angefangen, die Bilder auf einem Arbeitsblog zu veröffentlichen und schnell wurde klar, dass das Material zu umfangreich wird, um es nur in einer Galerie am Ende des Buches zu benutzen. Das Buch soll einen anderen Blick auf Cave vermitteln. Cave als Darsteller seiner eigenen Geschichten und sein eigenes Leben als illustriertes Kunstwerk.

Und zum Schluss noch eine Bitte: für alle LeserInnen, die sich mit Nick Cave noch nicht beschäftigt haben - welche Lieder würden Sie als Soundtrack für die Lektüre des Buchs empfehlen. Was sind Ihre Nick-Cave-Favoriten?

Anbieten würden sich natürlich die Songs der Erzähler „Hammer Song“, „Where the wild roses grow“ und „Mercy Seat“ zu den jeweiligen Kapiteln. Im Berlin-Teil würde ich dann ausscheren und die Einstürzenden Neubauten den Soundtrack zu Cave spielen lassen. Am Ende sollte es natürlich das Album „Push the sky away“ und besonders „Higgs Boson Blues“ sein. Mein persönlicher CaveFavorit ist neben „Higgs Boson Blues“ sicherlich: „Halleluja“ vom Album „No more shall we part“, das eine tolle Geschichte hat und auch im Comic eine Rolle spielt.

Reinhard Kleist: Nick Cave - Mercy On Me

Gebundene Ausgabe: 328 Seiten

Verlag: Carlsen (29. August 2017)

Sprache: Deutsch

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