Miserable Monday: Jealous Of The Birds

Die Playlist zum Start in den unnötigsten Tag der Woche

Montag. Jeder hasst ihn, alle jammern über ihn. Ab sofort gibt's bei Tonspion die passende Musik zum traurigsten Tag der Woche. Willkommen beim "Miserable Monday".

Jealous Of The Bird veröffentlicht am 01. Februar ihr neue EP „Wisdom Teeth“ auf Hand In Hive. Die beiden Singleauskopplungen „Marrow“ und „Blues Eyes“, sowie ein ausführliches Künstlerfeature findet ihr hier.

Alle finden Montag scheiße! Das ist nicht nur gefühlte Wahrheit. Forscher haben in einem Versuch über neun Jahre lang den genauen Wortlaut von 10% aller Twitter-Nachrichten auf Glücksgefühle untersucht. Demnach ist Twitter jeden Montag ein extrem unglücklicher Ort. Nicht nur Twitter.

Aber klar, kein Wunder. Gerade jetzt im Winter quälen wir uns aus dem warmen Bett in die dunkle, kalte Wohnung, spulen uns hastig ein Frühstück rein und setzen uns in der Bahn neben die ganzen anderen Montagsgesichter. Im Hinterkopf noch die Gedanken an die letzten beiden Tage. Im Vordergrund die Sicherheit, dass noch fünf Tage vor uns liegen. Das klassische Montagsgefühl, das bei mir manchmal schon am Sonntagabend einsetzt. Wie schön war doch das Wochenende!

Erlösung kommt erst, wenn man die Wohnungstür wieder aufschließt und sicherstellt, dass dieser Miserable Monday geschafft ist. Zumindest vorerst, bis das Ganze am nächsten Montag wieder von vorn losgeht. 

Was mir hilft, ist Musik. Musik, die es schafft, die Montagsstimmung aufzugreifen und in etwas Positives umzuwandeln. Melancholische Indieperlen sind meine erste Wahl. Alt, neu, bekannt, unbekannt – anything goes. Hauptsache ich bekomme das Gefühl, dass auch die jeweiligen Musiker gerade etwas ähnlich Hartes durchmachen, wie ich an diesem Montag. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Und so verlasse ich meine Haustür montags nie ohne Kopfhörer und den perfekten Soundtrack zu diesem Tag.

Aber auch Musiker selbst brauchen traurige und ernste Songs um durch den Tag zu kommen. In dieser Kolumne stellen Musiker und Künstler ab jetzt regelmäßig montags ihre 10 traurigsten Lieblingssongs in einer Spotify-Playlist vor und erzählen uns, warum es gerade diese sind.

Den Anfang macht heute die nordirische Singer-Songwriterin Naomi Hamilton, die unter dem Künstlername Jelaous Of The Birds seit 2016 Musik veröffentlicht.

1.Neil Young - Philadelphia

Den Song habe ich zuerst in dem gleichnamigen Film gehört und war sofort überwältigt. Die gefühlvolle Melodie und Neil Youngs hoher Gesang geben ihm die Verletzlichkeit, die auch der Text verspricht.

2.Bonnie ‘Prince’ Billy - I See A Darkness

Oh man, dieser Song macht einen fertig. Er steckt einfach voller Wahrheiten. Ich bin froh, dass es ihn gibt, denn er gibt Verbundenheit und Verständnis für alle, die schon unter einer vernichtenden Depression gelitten haben und dennoch wussten, dass es immer Hoffnung gibt. 

3.Tom Waits - Take It With Me

Dieser Song ist im Grunde ein vertontes Gedicht. Er trägt eine Romantik und tiefe Melancholie, die mich an jedes „Bis bald“ – egal wie flüchtig oder endgültig – erinnert, was ich Leuten, die liebe, geben musste. Beeindruckend.

4.Leonard Cohen – Avalanche

Düsterer und bitterer wird es bei Leonard Cohen nicht. Die Gitarrelinie überrollt dich wie eine Lawine. Und Cohen packt alles auf den Tisch – Schatten, Melancholie, Verbitterung und Vorwürfe. Der ganze Song ist eine fünfminütige Katharsis.

5.Nirvana - Something In the Way

Kurt Cobains einziges Klagelied. Es geht darum wie er mal von zuhause weggerannt ist und unter einer Brücke in seiner Heimatstadt Aberdeen geschlafen hat. Der Song ist voller Einsamkeit, Entfremdung und die Ahnungslosigkeit eines Kindes, das versucht, sich durch diese Gefühle zu navigieren.

6.Billie Holiday - My Man

Nur Billie Holiday kann diesen Song mit so viel Tiefe und Überzeugung singen. Das erste Mal habe ich diese Version auf einer alten „Billie Holiday Sings The Blues“ Vinyl gehört. Der Song ist so selbstbewusst und gleichzeitig so selbstbestrafend und alles zugleich.

7.Angel Olsen – Unfucktheworld

So ein wunderschöner, verletzlicher Song. Ich liebe es, wie er mit der Idee spielt, dass man fühlt, wie man seine Träume und seine Identität langsam aufgibt, weil man jemand anderen so sehr liebt. Bis zu dem Punkt, an dem man sagt: „ I have to look out too. / I have to safe my life. / I need some peace of mind.”

8.Joni Mitchell - Little Green

Den Titel schrieb Joni Mitchell für ihre Tochter, die sie zur Adoption freigegeben hat. Jedes Mal wenn ich ihn höre, lasse ich alles stehen und liegen. Da ist so viel Zärtlichkeit Schmerz, Liebe und Poesie in diesem Song und auf dem gesamten Album „Blue“.

9.Charles Mingus - Moanin’

Dieser Song ist stillvoll unglücklich. Das ganze Gejammer und Gestöhne der täglichen Plackerei in acht misstönenden Minuten. Macht ihn an und lasst euch hineinziehen!

10.Elliott Smith - Between the Bars

Einer von Elliott Smith besten Songs. Er stimmt seine Gitarre immer eine Stufe nach unten und so viele seiner Songs haben diese dunkle, launige Stimmung, die auch hier perfekt zu hören ist. Die Intensität und Intimität, die er mit so wenigen Elementen kreiert ist unbeschreiblich. 

Der Autor

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zwei- bis dreimal im Monat einen Musikpodcast, in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt und ein paar Geschichten dazu erzählt.

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