Miserable Monday: Petula

Die Playlist zum Start in den unnötigsten Tag der Woche

Montag. Jeder hasst ihn, alle jammern über ihn. Ab sofort gibt's bei Tonspion die passende Musik zum traurigsten Tag der Woche. Willkommen beim "Miserable Monday". Die heutige Playlist mit zehn perfekten Montagssongs kommt von Sebastian Cleemann, ehemaliger Autor von Tonspion und musikalischer Tausendsassa in Krach-Bands wie UNS oder seinem leisen Soloprojekt Petula.

Der Berliner Sebastian Cleemann ist Multiinstrumentalist, Sänger, musikalischer Langstreckenläufer, mit einem Händchen dafür, Musik zu schreiben, die genau da ankommt, wo sie dem Hörer am wohlsten Tut. Seit 2010 veröffentlicht er unter dem Namen Petula Musik. Folkig, elektronisch, tiefsinnig, melancholisch. Passt zu diesem Format, also wie die Faust aufs Auge, meint ihr? Meine ich auch!

Am 22. Februar erscheint sein drittes, Album „Fuck This Shit“. Drei Songs hat er davon schon veröffentlicht: „Juno“, „A Life Well Spent“ und „Starbuck“. Ein ausführliches Künstlerfeature gibt es auf Miserable Monday.

PLAYLIST

Michael Fassbender - All Broken

„Frank“ ist ein in mancher Hinsicht sehr unbeholfener Film, aber neben einem großartigen Michael Fassbender reißt es vor allem die Musik raus, ihr eigentümliches Vokabular und ihre sparsamen Arrangements. „Frank's Most Likeable Song Ever“ gehört auf jede Beste-Lieder-Liste, aber vor allem „All Broken“ mit seiner simplen Wahrheit muss hier eröffnen. Banjaxed and broken and smashed up in bits.

Aereogramme - Black Path

Kaum eine Band hat mich mit ihren Liedern so durch die letzten 15 Jahre getragen wie Aereogramme. Und obwohl wir uns schon einige Male persönlich begegnet sind, fühlt es sich immer seltsam an. Was sagt man zu Leuten, die einen so oft so persönlich berührt haben, zu deren Worten man ein derart inniges Verhältnis hat? Es ist oft deutlich zu groß und wird dann deutlich zu klein.

Anna Ternheim - Kärleken Väntar

Weil die Bedeutung eines Liedes eben immer auch eine Frage des Zufalls ist. Ich habe kein besonderes Verhältnis zu Anna Ternheim und auch keines zum Original dieser Coverversion. Aber dieses Stück, an einem ultratristen Tag auf einer einsamen Fahrt über die Autobahn plötzlich im Radio, legte sich in all seiner Schönheit und Tristesse um den Moment, es war fast zu perfekt. Begleiter für immer, ja sorry.

Delbo - Peroma

Ich zitiere mal aus meinem damaligen Versuch, meinen Freunden einen Infotext zu schreiben: „Eine tief gehende, berührende Platte, die zu Tränen bewegt und zur Bewegungslosigkeit betört. Und kein Infowort und kein Abriss der eigenen Ergriffenheit können ihr gerecht werden.“ Das gilt noch immer und als Erinnerung an einen guten Freund gleich tausendmal.

Matt Sweeney, Bonnie „Prince“ Billy - Bed Is For Sleeping

Will Oldhams Fähigkeit, mit wenigen Gesten und sachten Bewegungen genau ins Herz zu treffen, ist mitunter fast unangenehm, weil die Präzision fast zu berechnend wirkt. Aber nun, was willste machen. „Bed Is For Sleeping“ – Musterbeispiel. Übersichtliche Dramaturgie, übersichtliches Arrangement, why are you leaving?

Soap&Skin - Wonder

Die Geschichte dazu, dass ich auch 12 Jahre nach unserem ersten und einzigen Treffen das Gefühl habe, bei Anja Plaschg etwas wieder gut machen zu müssen, ist leider sehr langweilig. Zumal ihre Musik seitdem allem simplen Groll so weit entwachsen ist. Case in point: „Wonder“ in seinen betörenden Zyklen der Traurigkeit. Es könnte, glaube ich, noch stundenlang so weitergehen, und wäre noch immer voller Zauber.

Xiu Xiu - Hello From Eau Claire

Als ich einmal für Powerdove eröffnete, sagte mir die Band später, sie würden Jamie von mir erzählen. Da ich ja offensichtlich 100% seinen Gesangsstil nachahme. Deshalb aus Trotz hier ein Lied, bei dem er gar nicht singt. Und doch als Geist durch die Arrangements flirrt und mit liebevollem Nihilismus Caralee McElroys aussichtsloser Selbstbehauptung in die Parade fährt. I can weep through my own midnights.

Belle & Sebastian - Asleep On A Sunbeam

The odd one out auf dieser Liste, denn Belle & Sebastian sind oft genug und gerade heute ein ganzes Stück jenseits der Nähe und Unmittelbarkeit, die ein trauriges Lied als Begleiter braucht. Vieles ist sehr konstruiert, vieles arg auf Anschlussfähigkeit optimiert. Und doch gibt es immer wieder die Momente, die umso härter treffen. Wie in diesem melancholischen „Mal raus in den Frühling“-Liedchen, dessen ungeduldig-nachsichtiges „I'm waiting for you to get out of your situation with your job and with your life“ es (i.e. mich) immer wieder schafft.

The Breeders - Off You

Immer noch eine so perfekte Geste, ein so großer Moment in meinem persönlichen Musikerleben: Fast 20 Jahre nach „Last Splash“ nähert sich das erste neue Breeders-Album – und dann die erste Single eine klare Absage an jede Cannonball-Erwartung. Alles langsam, lang und leise, Kim Deal brüchig und älter, eine alte Freundin, die sich müde an deinen Tisch setzt. Und vom Drüberhinwegkommen singt, in so schönen Worten und Tönen. Dass danach mit dem tollen „Huffer“ dann doch noch wieder Ungestüm eingelöst wurde: fast geschenkt.

Sufjan Stevens - Vito's Ordination Song

Ja, natürlich muss hier Sufjan mit drauf. Ganz Carrie & Lowell? Ganz Seven Swans? Tonya Harding oder Mystery Of Love? Nehmen wir als letztes Stück doch ein letztes Stück. Vom ersten Album, mit dem er im Leben der meisten erschien. Worte des Trostes und der Zuversicht am Ende dieser Liste. There's a design to what I did and said. Vielen Dank für die Einladung.

Über den Autor

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zwei- bis dreimal im Monat einen Musikpodcast, in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt und ein paar Geschichten dazu erzählt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier.

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