Miserable Monday: Playlist von Anna B Savage

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Die Miserable Monday Playlist heute mit Musik von Ariana Grande, Martha Wainwright und Solange.

Anna B Savage, Credit: Ebru Yildiz

Auf das Feature mit Anna B Savage habe ich mich sehr gefreut. Mit “A Common Turn” hat sie ein fantastisches Erstlingswerk veröffentlicht, was bei mir wochenlang hoch und runter lief und mich so oft wie kaum ein anderes sprachlos zurückgelassen hat.

Düster, stark und zugleich unglaublich verletzlich zeigt sich die junge Londoner Musikerin auf dieser Platte. Es geht um die großen Themen: existenzielle Angst, toxische Männlichkeit, das Finden der eigenen Sexualität - und dabei immer um die tiefen ihrer Gedankenwelt. Näher kann man einer Künstlerin nicht kommen. Savages Stimme ist fesselnd, mal fast flüsternd, mal so kraftvoll wie einst Nina Simone. Sie zieht die Hörer förmlich in die Songs hinein und macht sie zu Protagonisten ihrer Geschichte.

Produziert wurde das Album von William Doyle, bekannt unter seinem Künstlernamen East India Youth. Savage kontaktierte William Doyle, nachdem sie seinen Social-Media-Post gesehen hatte, in dem er Künstler aufforderte, ihn für Produktionen anzuschreiben. Von ihrem ersten Treffen an produzierte William die Demos, die Anna ihm brachte, ehrgeizig und eleganten zu der wunderschönen Platte, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt eigentlich für unvollendbar gehalten hatte. 

Als Team haben sie ein Album gemacht, bei dem es, in Savages Worten, "um Lernen, Anpassen, Wachsen, Ernsthaftigkeit und den Versuch geht, wirklich f***ing hard zu sein."

DIE PLAYLIST

Chet Baker - I Get Along Without You Very Well

Verheerender Versuch, sich zu stählen. Ich nenne das Schwachsinn (wie Chet am Ende auch)

LCD Soundsystem - Someone Great

Der Schmerz der Trauer, die Zwiespältigkeit menschlicher Beziehungen, die Grausamkeit der Welt, die auch vor der Trauer nicht Halt macht, alles unterlegt mit einem absoluten Knaller. Eine wahre Achterbahnfahrt.

Björk - Hyper-Ballad

Ein Großteil des Schmerzes in diesem Lied ist die Kluft zwischen den Gefühlen der Erzählerin und der Art und Weise, wie sie sich dem Adressaten präsentiert. Eine verheerende Verkörperung dessen, wie wir Aufruhr vor denen verbergen, die wir lieben, in dem Versuch, sie zu schützen.

Owen Pallett - The Passions

Die Streicher in diesem Song machen etwas mit mir. Sie gleiten zwischen den Tönen hin und her, "lösen" sich fast, aber nie ganz sauber auf. Die Spannungen in diesem Song sind in Musik, Arrangement und Text spürbar. Ich liebe es, wie offen dieser Song ist, kein Klassiker von Owens Musik.

Solange - Cranes In The Sky

Dieses ganze Album zeigte mir, wie wenig ich jemals darüber wissen konnte, wie es sich anfühlt, eine schwarze Frau zu sein. Dieser Song hat mich sehr berührt: eine Liste von Wegen, wie man versucht hat, ein negatives Gefühl loszuwerden. Aber der Beat geht einfach weiter, ohne Unterbrechung. Ein unheilvolles und wunderschönes Lied.

Mitski - Nobody

Mitski ist ein Meister der vor Sehnsucht strotzenden Songs, und dieser ist keine Ausnahme. Ein ausnehmender Song unter dem Deckmantel eines Knallers - absolute Liebe.

Nick Drake - River Man

Das Streicherarrangement lässt diesen Song wirklich fliegen. Ein seltsamer, knorriger Song. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich etwas darüber weiß. Je mehr ich zuhöre, desto weniger verstehe ich, aber ich fühle den Schmerz.

Martha Wainwright - Bloody Mother Fucking Asshole

Gott, dieser Song tut weh. Es geht um ihren Vater. Die Zeile "I will not pretend / I will not put on a smile / I will not say I'm alright for you... When all I wanted was to be good" trifft einen. Erstaunliche Familie mit mehreren Exorzismen im Lied. Martha spuckt sich zum Ende hin fast aus - eine krasse Gesangsleistung.

Ariana Grande - Better Off

Für ein Album, das so viel Empowerment und Fröhlichkeit beinhaltet, hat mich dieser Song mit seiner Melancholie und Resignation umgehauen.

Billie Holiday - Strange Fruit

Dieser Song und diese spezielle Performance. Der zusammengesetzte Schmerz des Themas (es geht um die Lynchmorde in Amerika und den offenkundigen, allgegenwärtigen Rassismus) und Billie Hollidays Performance und Geschichte ist fast zu viel. Der stärkste Song.

Der Autor:

Ich bin Martin, 32 Jahre alt, wohne in Leipzig. Ich bin Musiker, Musiknerd, Radiomacher, ehemals Bookingagent und Tourmanager. Hier streue ich alles, was mich musikalisch beschäftigt. Alt und neu, Indie, Shoegaze, Folk, Dreampop, Electronica. Einzige Bedingung - traurig muss es sein. Warum? Weil der eine Song, den alle zu düster finden, genau der ist, der mein Leben erhellt.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziere ich einen Musikpodcast mit bis zu vier Folgen pro Monat. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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