Miserable Monday: Playlist von CATT

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Der Soundtrack zum Start in die neue Woche heute mit: Tom Odell, Damien Rice und Phoebe Bridgers. Zusammengestellt von der Berliner Musikerin CATT.

CATT, Credit: Tran Chau

Mit ersten fragilen Klavieranschlägen knüpft CATTs „Again“ dort an, wo der letzte Ton ihrer Erstveröffentlichung „Moon“ im Sommer 2019 verklungen ist. Nach wenigen Sekunden entwickelt sich der erste Vorbote ihres kommenden Albums jedoch schon hin zu neuen Klangfarben: Organische Beats pulsieren verspielt um die schwebende Klavier-Linie, die Trompete hält sich im Hintergrund. CATTs Stimme ist dabei getragen von neuer Sicherheit, neuem Selbstbewusstsein, aber noch immer auf der Suche: „Again my mind is not like books I put in order in a shelf“.

Erneut hat die Multiinstrumentalistin und Produzentin jedes Instrument selbst eingespielt und lässt in ihrer Gestaltung an Peter Gabriel, Bon Iver und Feist erinnern. Ihre Reise führt von Selbstzweifel und Fragilität zu Hoffnung und Zuversicht: "Because there's new beginnings all the time".

CATT wächst in einem Drei-Häuser-Dorf in einem musikalischen Umfeld auf, das vor allem ihren klassischen Zugang zur Musik fördert. Ihre ersten Erfahrungen sammelt sie im Posaunenchor der Kirchengemeinde, spielt und singt, bevor sie sprechen kann. Pop und Jazz bringt sie sich selbst auf diversen Instrumenten bei.

2014 wagt sie den Sprung ins kalte Wasser und zieht nach Berlin, um Musik zu machen und Musikproduktion zu studieren. Bereits nach kurzer Zeit wird sie als Musikerin und Songwriterin von verschiedensten Künstlern engagiert. Sie arbeitet mit Judith Holofernes, Sarah Connor, Niels Frevert, Kat Frankie, Balbina, dem Filmorchester Babelsberg und vielen weiteren zusammen. Mit ihrem ersten Song „Moon“ entschließt sich die damals 23-jährige Multiinstrumentalistin, ihre eigene Musik unter dem Namen CATT selbst zu veröffentlichen.

Im Frühjahr 2021 spielt CATT nun die Ersatzkonzerte für ihre - corona-bedingt verschobene – erste eigene Tour in diesem Mai. Das Besondere an ihren Live-Auftritten: Wie CATT mühelos zwischen den Instrumenten wechselt, Loop über Loop schichtet und über allem ihre schwerelose Stimme tanzen lässt.

DIE PLAYLIST

Andi Fins - French Movie

Ein wunderbarer Musiker und Multiinstrumentalist und auch guter Freund von mir. Ich bin ganz erstaunt, wie wenig Menschen dieses wunderschöne Lied erst gehört haben. Und tieftraurig ist es auch. Wie ein alter, kurz vergessener Klassiker und der French Movie spielt sich auch direkt ab beim Hören.

Phoebe Bridgers - Smoke Signals

Die Königin der Traurigkeit. Wenn ich sie höre, habe ich das Gefühl, direkt etwas von Phoebes schwelgender Schwere mit in mir aufzunehmen und frage mich, wie jemand nur so traurig sein kann. Und liebe es aber, obwohl ich eine so konsequente Optimistin bin. Denn es ist ehrlich und öffnet sich so mutig. 

Matt Maltese - In a new Bed

Die schönsten Chöre der Welt, ayayay. 

Bruce Hornsby, Justin Vernon - Cast-Off

Bon Ivers Sänger Justin Vernon in einem wunderschönen Duett. Einfach alles daran lässt mich eintauchen und mit“fahren“. So kreativ und überraschend! 

Audrey Hepburn - Moon River

Jeder kennt’s, aber wann hat man das eigentlich das letzte Mal so richtig gehört? Ich war überwältigt von der Schönheit und Traurigkeit, als ich es neulich wiederentdeckte. Ein kurzer, warmer Sommerregen, der einen fassungslos hinterlässt. Mich zumindest. 

Peter Gabriel - The Book of Love

Nimmt mich nie nicht gefangen.

James Blake (Joni Mitchell Cover) - A Case of You

Als ich den das erste Mal zufällig in der UBahn auf Kopfhörern hatte, hab ich meine Haltestelle verpasst, so überrascht und eingesogen war ich. Kommt nicht so häufig vor, so ein Gefühl. Mags immer noch sehr nach Jahren. Einer der besten freispielenden Pianisten, den ich kenne.

Damien Rice - The Greatest Bastard

Hör von vorn bis zum Ende und lass die schönste Steigerung der Welt auf dich wirken.

Tom Odell - 9 Heal

And then heal. 

Paul Simon, Miriam Makeba, Ladysmith Black Mambazo, Hugh Masekela - N’knosi Sikelel iAfrica

Jeden Abend wurde mir dieses Lied von meiner Mutter vorgesungen, weil ich es liebte, seit ich singen konnte. Erst im Nachhinein erfuhr ich so richtig, dass es sich um die südafrikanische Nationalhymne handelt, die lange auf politischen Veranstaltungen als Widerstandshymne gegen die Apartheid gesungen wurde. Die Sprache isiXhosa ist eine der elf Amtssprachen in Südafrika. Diese Aufnahme ist live aus dem Rufaro Stadium, 20 000 Menschen singen zusammen, 1987 - was für eine Zeit der Ungerechtigkeit, aber was für ein Zusammenhalt und eine Liebe in diesem musikalischen Moment zu spüren ist. Es gibt dazu auch ein wunderschönes Live-Video. Die Kraft des Singens und des in Frieden Zusammenkommens macht mich immer wieder sprachlos und tief berührt. 

Der Autor:

Der Miserable Monday ist die Erinnerung an verrauchte Pubnächte in Bristol, UK, in denen der DJ jeden Montagabend ausschließlich traurige Musik aufgelegt hat. Niemand hat getanzt, keiner gesprochen und alle gingen erfrischt nach Hause. Diese Erinnerung lebt hier weiter, wird neu entdeckt und erfunden. 

Ich bin Martin, 31 Jahre alt, wohne in Leipzig. Ich bin Musiker, Musiknerd, Radiomacher, ehemals Bookingagent und Tourmanager. Hier streue ich alles, was mich musikalisch beschäftigt. Alt und neu, Indie, Shoegaze, Folk, Dreampop, Electronica. Einzige Bedingung - traurig muss es sein. Warum? Weil der eine Song, den alle zu düster finden, genau der ist, der mein Leben erhellt.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziere ich zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem ich frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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