Miserable Monday: Playlist von Darjeeling

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Wir starten mit guter Musik in die neue Woche. Auf unserer Miserable Monday Playlist sind heute unter anderem Talk Talk, Charlotte Brandi und Thundercat. Zusammengestellt von der Band Darjeeling. 

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Darjeeling. Die Band um die Wuppertaler (schon wieder Wuppertal!) Jan R. Szalankiewicz, Markus Kresin und Fabian Till hat sich in den letzten Jahren einen festen Platz in der deutschen Indieszene erspielt. Verquer, psychedelisch und auf keinen Fall so wie die anderen.

Am 26. Februar veröffentlichen Darjeeling ihr neues Album “MAGUNA” beim Berliner Label Listenrecords. Im Dezember 2020 ist das Album bereits in einer streng limitierten Vinyl-Auflage erschienen, die nur über die Kanäle von Band und Label erhältlich ist. Da diese exklusive Variante nahezu ausverkauft ist, wird zum offiziellen Albumrelease am 26. Februar neben dem Digital-Release eine weitere limitierte Vinyl-Auflage, sowie eine CD-Variante des Albums erscheinen.

„MAGUNA“ ist keine Platte, die man einfach mal anmacht und dudeln lässt. Die Songs sind unglaublich komplex, dicht, die Instrumentierung effektreich. Mal klingen sie nach Talk Talk, mal hört man Prince und schon im nächsten Moment das Stoische von Can. Genau wie die Bandfotos wirkt das alles irgendwie aus der Zeit gefallen und dabei aber unglaublich frisch. Wer sich auf die Platte einlässt, wird definitiv belohnt. "MAGUNA" ist ein anspruchsvolles Meisterwerk.

DIE PLAYLIST

Talk Talk - Happiness is easy

Talk Talk gehört zu den wenigen Bands, auf die wir uns immer einigen können. Den meisten Liedern ab dem Album „The Color of Spring“ ist eine tiefe Schwere und Melancholie inheränt, sodass die Band sicherlich nicht was für jede Situation und Lebenslage ist.
Mark Hollis schafft es trotz manchmal bedeutungsschwangerer Texte und pathetischem Stil, nie in den Cringe abzudriften – generell ein inspirierender Mensch: Vom Dilettanten zum introvertierten Visionär der End-80er/Anfang 90er in wenigen Jahren.

Julee Cruise - Floating

Falls die erste Assoziation bei diesem Song der Soundtrack von Twin Peaks sein sollte, dann liegt man goldrichtig. Julee Cruise’s Debütalbum wurde von David Lynch produziert und sie hatte auch einen zauberhaften Gastauftritt in der Serie. Das alles sollte nicht davon ablenken, wie gut dieser Track ist. Melancholie ist sowieso eine Lebenseinstellung, was einige vielleicht nicht verstehen mögen. Dieser Song ist aber ein gutes Beispiel dafür: Verliebtsein und Traurigkeit gehen sehr gut zusammen.

Thundercat, Pedro Martins - It is what it is

Der Abschluss von Thundercats viertem und bis dato rundestem Album ist eine Ode an den gut befreundeten verstorbenen Rapper Mac Miller. Stephen Bruner macht seine manchmal okaye Gesangstechnik allemal und immer mit Feeling und einer subtilen Zärtlichkeit wett: Einer der ironiefreisten und emotionalsten Tracks in seinem Ouevre.

Tim Maia - Where is my other half

Heteronormativität hin oder her, Tim Maia besingt hier so herzzerreißend seine Verflossene, dass man ihn am liebsten in den Arm nehmen möchte. Wir alle waren mal da, Tim leidet einmal für jede*n von uns. Kategorie: Psychedelische Traurigkeit.

People Club - Better

Toxische Beziehungen, Nicht-Loslassen-Können, Zerbrechen – vieles scheint Sängerin Sarah Martin in diesem absoluten Banger den Kopf zu zerbrechen. Unsere Freunde und Popstars in spe von People Club wissen ganz genau, was sie da gemacht haben, jeder Schlag, jeder Sound sitzt – SUCHTGEFAHR!!!!

Dungen - Ingenting är sig likt

Seit nunmehr über 10 Jahren versuchen wir alle in unserem Umfeld von diesen schwedischen Neo-Psychedelic-Rock-Vorreitern zu überzeugen – mittlerweile hat auch der Rest der Welt langsam begriffen wie gut Dungen sind, auch wenn „Psychedelic“ mittlerweile das neue „Indie“ und Schwedisch singen nicht mehr sperrig, sondern edgy geworden ist. Dieser Song, dessen Titel mit „Nichts ist, wie es scheint“ übersetzt werden kann, ist von dem absoluten Meisterwerk „4“ und lässt einen in weniger bekannte Gefilde, in denen erfolgreich Hi-Fi- und Retro-Soundästhetik fusioniert wird, abdriften. Wir haben uns schon ungezählte Stunden über den Schlagzeug-Sound unterhalten – Ich schweife ab, weiter zur nächsten Nummer.

Mahavishnu Orchestra feat. John McLaughlin - You know, you know

John McLaughlin’s Gitarrenspiel ist vielleicht nicht immer und überall passend, aber bei dieser Nummer stimmt einfach alles. Wahrscheinlich eher aus der Sparte „Ernst“ als „Traurig“, aber hey, es ist 2021, who cares, Menschen unterteilen Musik in „chillig“ und „unchillig“. Billy Cobham’s Drum-Solo gegen Ende ist phänomenal, Jan Hammer’s sneaky Tastengeschwurbel wie gewohnt tasty. Geniale Strebermusik.

Antena - Camino del sol

„Gänshaut“: Isabelle Antena’s Lounge-Pop Nummer ist so anmutig und schwelgerisch, dass man fast überhört, wie geschmackvoll minimalistisch produziert dieser Song ist. Das Lied scheint mit dem kleinen raffinierten Synthie-Solo sein letztes Pulver aufgebraucht zu haben, da setzt die zweite Gesangsstimme ein, aus dem Nichts, und der Track geht erst so richtig auf. Unfassbar schön und gleichzeitig todtraurig – eine unwiderstehliche Kombination.

Charlotte Brandi feat. Dirk von Lowtzow - Wind

Charlotte Brandi’s erste deutschsprachige Veröffentlichung strotzt nur so vor Ausdruckskraft und Mut. Bei den ersten Hördurchgängen vielleicht ein bisschen akademisch und elitär anmutend, entfaltet sich schnell die Verspieltheit und der scheinbare Ernst weicht einem listigen Augenzwinkern. Wunderbar sentimental und mit einer lyrischen Leichtfüßigkeit, die man in Deutschland selten findet, nimmt uns Charlotte mit in eine genial verschrobene Gedankenwelt, die man ungern wieder verlassen möchte.

Karen Marks - Cold Café

One-Release-Wonder Karen Marks erfreut offenbar 40 Jahre nach Veröffentlichung später die Algorithmen, die einem dann solch verloren geglaubte Schätze servieren. Der zerbrechliche (Nicht-)Hit aus der wundersamen Zeit um 1980, in der sich die edgy Kids nicht entscheiden konnten zwischen Synthies und verstimmten Gitarren, transportiert trotz ausbleibendem Erfolg für Karen Marks immer noch ihren ganzen Herzschmerz. Und cold brew coffee ist ja auch mittlerweile „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen, alles braucht seine Zeit.
 

Der Autor:

Der Miserable Monday ist die Erinnerung an verrauchte Pubnächte in Bristol, UK, in denen der DJ jeden Montagabend ausschließlich traurige Musik aufgelegt hat. Niemand hat getanzt, keiner gesprochen und alle gingen erfrischt nach Hause. Diese Erinnerung lebt hier weiter, wird neu entdeckt und erfunden. 

Ich bin Martin, 31 Jahre alt, wohne in Leipzig. Ich bin Musiker, Musiknerd, Radiomacher, ehemals Bookingagent und Tourmanager. Hier streue ich alles, was mich musikalisch beschäftigt. Alt und neu, Indie, Shoegaze, Folk, Dreampop, Electronica. Einzige Bedingung - traurig muss es sein. Warum? Weil der eine Song, den alle zu düster finden, genau der ist, der mein Leben erhellt.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziere ich zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem ich frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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