Miserable Monday: Playlist von Douglas Dare

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

In schwierigen Zeiten hilft Musik. Und jetzt, wo sich die miserablen Montage über die ganze Woche zu strecken scheinen, um so mehr. Douglas Dare hat uns heute eine Playlist zusammengestellt, die zum Runterkommen und Wegdriften einlädt. Mit dabei Karen Dalton, Floating Points und Mary Lou Williams.

Douglas Dare, official press pic

Vier Jahre nach seinem gefeierten zweiten Album "Aforger" kehrt der Brite Douglas Dare mit seinem dritten Album "Milkteeth" (released am 21. Februar 2020 auf Erased Tapes) zurück ins Rampenlicht.  

Nach seinem Debüt Whelm im Jahr 2014 bewies Dare 2016 mit dem wesentlich düstereren Aforger erneut, dass er sein musikalisches Handwerk versteht. Seitdem ging es weiter bergauf: 2017 wurde er eingeladen, mit einer Reinterpretation von Dance Me to the End of Love zur Leonard Cohen Ausstellung A Crack in Everything am Contemporary Art Museum of Montréal mitzuwirken, die gegenwärtig am Jewish Museum in New York und ab September 2020 am Contemporary Jewish Museum in San Francisco gezeigt wird. 2018 folgte er einer Einladung von Robert Smith mit einem Auftritt bei dessen Meltdown Festival im Southbank Centre, London, und im Jahr darauf trat er gemeinsam mit Anna Calvi beim von David Lynch kuratierten Manchester International Festival auf.

Douglas Dare wuchs als jüngstes Mitglied einer Großfamilie auf einer Farm auf, wo er oft in seiner eigenen privaten Welt zu finden war und im rosa Ballettkleid seiner Mutter tanzte.

“Only now do I feel free to express my inner child again, and am giving myself permission to play dress up,” sagt Dare über das Titelbild seines aktuellen Albums, auf dem er weiches Make-up trägt und mit Schichten aus weißem Leinen drapiert ist und die Rolle einer griechischen Muse spielt. “I never felt like I fit in. I was different, odd. I wanted to dance and sing and dress up and on a small farm in rural Dorset that really stuck out.” 

Eigentlich als Klavierspieler bekannt, nahm Douglas für Milkteeth ein neues Instrument in die Hand - die Autoharp. Als er sich damit auseinandersetzte, strömten die Songs aus ihm heraus - er schrieb die erste Single des Albums, Silly Games, in weniger als einer Stunde. “Instinctual feelings about childhood and innocence were the catalyst,” he explains. “Then with the autoharp, it all just clicked – I could see the album laid out ahead of me.”

Dare’s Musik erzählt von seinen eigenen Erfahrungen mit universellen Themen wie Liebe, Verlust und Kindheit. Vor allem aber schafft sie einen Zufluchtsort für alle, die sich verloren glauben und gibt all jenen unter uns, die sich anders oder fehl am Platz fühlen, eine Stimme. Ob er wie auf Whelm vom Schmerz derer in den irischen Magdalene Laundries singt, auf Aforger sein Coming-Out gegenüber seinen Eltern beschreibt oder wie auf Milkteeth die Isolation seiner eigenen Kindheit verarbeitet, Dare tut dies alles mit einer ihm spezifischen Offenheit und Aufrichtigkeit und einer klaren Vision seines simplen aber unverwechselbaren Sounds.

DIE PLAYLIST

Floating Points - Requiem for CS70 and Strings

Dieser Track fasst alles, was ich an klassischer Musik und an elektronischer Musik liebe, in einem zusammen. Eine schöne Einfachheit und Geschwindigkeit, mit wunderschönen Melodien und Schnörkeln.

Hania Rani - Leaving

Dies ist ein magisches Musikstück, das mich sofort beruhigt. Ich bin mir nicht sicher, was Hania singt und normalerweise interessieren mich die Texte sehr, aber das wiegt mich nur und ermöglicht mir, den Moment zu genießen.

Cindy Lee - Always Lovers

Ich habe Cindy erst kürzlich entdeckt, ein weiteres großartiges, verträumtes Lied, das mir hilft, der Panik des Tages zu entkommen.

Karen Dalton - Green Rocky Road

Was für eine Stimme. Eigentlich bin ich bei dieser Art von Musik Männerstimmen gewohnt und deshalb genieße ich die fast "alte Dame" hier irgendwie.

Mary Lou Williams - Black Christ of the Andes (St. Martin de Porres)

Ein fesselndes Chorstück, bei dem sich der Chor wie ein Orchester verhält. So unglaublich!

Cleo Laine - Hit the Road to Dreamland

Cleo ist eine meiner Lieblingsjazzsängerinnen. Ihre Stimme ist ein Instrument und hier singt sie mühelos.

Pitou - Be Delicate

Dieses minimalistische Lied ist hypnotisch und meditativ, ich wünschte nur, es würde 30 Minuten länger dauern.

Gavin Luke - Haze

Ich bin ein großer Fan von Akkorden und one-note-changes, um die Musik weiterzuentwickeln. Dies geschieht hier auf wunderschöne, subtile Weise.

Merryn Jeann - Out of the City - To Find Air 

Ich habe dieses Lied gecovert. Das veröffentliche ich auch bald. Und Merryn wird mich auf meiner bevorstehenden Tour in Paris und Berlin unterstützen.

Martha Skye Murphy - I'm Not Looking

Martha wird mich bei meiner Show in London supporten. Ich liebe ein dunkles Klavier und melancholische Melodien, also ist sie genau in meiner Straße.

Der Autor:

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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