Miserable Monday: Playlist von Drab City

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Wir versüßen euch den Wochenstart mit guter Musik. Die Miserable Monday Playlist kommt heute von der Band Drab City. 

Drab City, Credit: Bella Union

Neues aus dem Hause Bella Union (by the way ein Label worth checking out!). Am 12.06. erschien „Good News For Bad People” das Debut Album der Band Drab City.

Drab City sind auf soziale Entfremdung, gewalttätige Rache und (vielleicht) romantische Liebe als Erlösung fixiert. Themen, die in der Musik nicht neu sind, aber wenn man diese Platte im Jahr 2020 hört, ist man doch beeindruckt, wie ungewöhnlich sie geworden sind.

Textlich projizieren die Songs oft punkige Angst und Ressentiments. "Working For the Men" ist eine Rache-Ballade einer erniedrigten Servicemitarbeiterin, die sich männliche Peiniger vorstellt, die zu einem gewaltsamen Ende gebracht wurden. Andere Songs sind undurchsichtiger, scheinen aber davon zu sprechen, das schwarze Schaf der Familie zu sein oder von der Langeweile des Lebens in der Heimatstadt belastet zu werden. Beim flüchtigen Zuhören bemerkt man die Kraft des Inhalts jedoch möglicherweise nicht, da die Musik selbst alles andere als aggressiv ist. Verträumt und ätherisch. Flöte, Vibraphon und jazzige Gitarrenakkordmelodie. Die Platte hat keine Angst von Trip Hop, Dub, Hip-Hop und Dream-Pop alles miteinander zu verschmelzen – eine Flut von Referenzen der Popmusik des 20. Jahrhunderts, die sich in einem so schizophrenen Tempo neu kombinieren.

Der Gesamteffekt ist etwas, das nur in unserer rasenden Gegenwart beschworen werden kann. Die melodischen, einladenden Soundscapes sind zugleich eingängig und ungewohnt und ein trojanisches Pferd für die Sozialphobie der Band.

DIE PLAYLIST

Donny Hathaway - A song for you

Eines Nachts, vielleicht vor 12 Jahren, saß ich in einer schmutzigen Ein-Zimmer-Wohnung in Paris. Eine Stadt, in die ich geflohen war. Meine Brust war voller Hoffnung, mich von dem lähmenden Schmerz zu befreien, der mein Leben in die Hölle gezogen hatte. Der Raum war bis auf das Licht meiner Nähmaschine, an der ich für Hausaufgaben arbeitete, um 5 Uhr morgens völlig dunkel. Meine Hände waren müde und zitterten und ich weinte, ich fühlte mich einsam und verletzt. Ich hatte das Radio im Hintergrund laufen lassen und aus dem Nichts begann Donny Hathaways Stimme durch die Lautsprecher zu zittern, die Wände brachen unter der Kraft seiner Stimme und Leidenschaft zusammen. Ich war noch nie auf diese Weise von einem Lied getroffen worden, das meinen Körper in zwei Hälften tötete. Ich erinnere mich an die Art und Weise, wie ich mich an diesem Tag vor 12 Jahren gefühlt habe, als ich dieses Lied aufgelegt habe. Es macht mir Angst. Jedes Mal falle ich sofort auf die Füße von Donny und bin bereit, mit dem Teufel zu unterschreiben, um nur ein weiteres Wort von seinen Lippen zu erhalten.

Penny & the quarters - You & me

Ich kann es kaum ertragen, dieses Lied zu hören, es ist so schmerzhaft. Ich habe es in dem Film „Blue Valentine“ entdeckt, der wahrscheinlich einer der schrecklichsten Filme ist, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Es ist kein Horrorfilm an sich. Viel schlimmer. Es ist ein Film, der die eigene Vorstellung von LIEBE schlachtet und einen zurücklässt, wie zerbrochene Teile an einer Bushaltestelle. All das passiert, während dieses schmerzhaft schöne Lied im Hintergrund spielt. Schrecklich traurig.

Billy Holiday - Strange Fruit

Ich möchte nur den Text dieses Liedes zitieren: “Southern trees bear a strange fruit Blood on the leaves and blood at the root Black bodies swingin' in the Southern breeze Strange fruit hangin' from the poplar trees.” Schrecklich traurig.

Bruce Springsteen - Born to run

In the song Devil Doll I wrote the lyrics “I was born to fail I was born to run” which is a quote from this song. Chris and I both bonded over the symbolic of this song.

In dem Song Devil Doll schrieb ich den Text “I was born to fail I was born to run”, was ein Zitat aus diesem Song ist. Chris und ich verbanden uns beide über die Symbolik dieses Liedes.

                       

Bill Evans - We will meet again

Das Leben von Bill Evans war wirklich traurig. Sein Bruder beging Selbstmord und er war ein schwerer Drogenkonsument. Er starb sehr jung, gleich nachdem er dieses Lied über seinen Bruder geschrieben hatte.

Joe Dassin - Et si tu n’existais pas

Dieses Lied hat mich sehr traurig gemacht, aber auf befriedigende Weise. Ich habe es einmal in dem Büro angemacht, in dem mein Freund und ich gearbeitet haben. Sie hatte kürzlich einen sehr tragischen Verlust von jemandem durchgemacht, mit dem sie früher ausgegangen war, und sie bat mich, das Lied auszuschalten. Und ich fühlte mich sehr schlecht und traurig für sie.

Der Autor:

Der Miserable Monday ist die Erinnerung an verrauchte Pubnächte in Bristol, UK, in denen der DJ jeden Montagabend ausschließlich traurige Musik aufgelegt hat. Niemand hat getanzt, keiner gesprochen und alle gingen erfrischt nach Hause. Diese Erinnerung lebt hier weiter, wird neu entdeckt und erfunden. 

Ich bin Martin, 31 Jahre alt, wohne in Leipzig. Ich bin Musiker, Musiknerd, Radiomacher, ehemals Bookingagent und Tourmanager. Hier streue ich alles, was mich musikalisch beschäftigt. Alt und neu, Indie, Shoegaze, Folk, Dreampop, Electronica. Einzige Bedingung - traurig muss es sein. Warum? Weil der eine Song, den alle zu düster finden, genau der ist, der mein Leben erhellt.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziere ich zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem ich frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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