Miserable Monday: Playlist von Gabríel Ólafs

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Die heutige Playlist bringt uns nach Island. Der junge Komponist Gabríel Ólafs verrät uns seine traurigsten Lieblingssongs. Darunter sind seine isländischen Idole Jóhann Jóhannsson und Hjaltalín, sowie Bob DylanLou Reed und Emiliana Torrini

Pressebild_Gabriel Olafs_Credits_Christopher Lund
Pressebild Gabriel Olafs, Credits Christopher Lund

Instrumentalmusik im Gewand der Klassik, die die Grenze zur Popwelt verschmilzt - Neoklassik-Künstler wie Nils Frahm, Ólafur Arnalds, Jóhann Jóhannsson oder Yann Tiersen zeigen, dass das wunderbar funktioniert und ebnen gleichzeitig den Weg für immer mehr neue und spannende Musiker. Und genau wie die Großen Ólafur Arnalds und Jóhann Jóhannsson kommt unser heutiger Künstler Gabríel Ólafs aus Island – ein Land, was bekannt ist für musikalische Diversität und Innovation.

“Ich liebe Filme und Geschichten. Jeder Filmsoundtrack braucht Musikstücke, die eine emotionale Tiefe besitzen. Sie müssen viele Emotionen vermitteln und spielen insofern eine wichtige Rolle für die Geschichte.” 

Gabríel Ólafs besitzt ein außergewöhnliches Talent bewegende symphonische Geschichten mittels instrumentaler Musik zu erzählen. Mit nur 19 Jahren hat der Komponist und Pianist Zuschauer und das Live-Publikum im isländischen TV beeindruckt. Der Björk Manager Derek Birkett entdeckte Gabríel Ólafs und vermittelte ihm einen Plattenvertrag beim britischen Label One Little Indian Records.

“Am liebsten komponiere ich ein ‘Thema’ für etwas – einen Charakter oder auch einen Ort. Eine einprägsame Melodie, die dich sofort in eine andere Welt mitnimmt”,

erklärt der junge Musiker. Mit 14 Jahren schrieb Gabríel Ólafs “Absent Minded” – ein Stück für ein imaginäres Thema und die erste Single aus seinem aktuellen, gleichnamigen Debütalbum, was am 30. August 2019 erschien.

“Ich bin ein sehr visueller Mensch, man könnte sagen, das Album ist der Soundtrack zu einem nicht-existenten Film.” 

Die Bilder zu diesem Film entwickeln sich im Kopf des Hörers. Die emotionalen und sensiblen Stücke verlangen es, dass man sich fallen lässt und eintaucht in die Klangwelt von Gabríel Ólafs. Wundervolle Klaviermelodien und zarte Streicher - mehr braucht es nicht auf dieser Platte.

PLAYLIST

Für mich dreht sich bei der Musik alles darum, Emotionen einzufangen und zu vermitteln. Genau darum, hat es sehr viel Spaß gemacht, diese Liste zusammen zu stellen. 

1. Jóhann Jóhannsson - Flight From The City 

Von meinem absolutem Lieblingskomponisten - das ist ein Lied aus seinem 2016er Soloalbum Orphée. Kriegt mich einfach jedes Mal; Ein einfaches, aber umwerfend schönes Motiv, das auf geschmackvolle Weise aufgenommen wurde und von einem herzzerreißenden Streicharrangement, subtil gestimmten Schlagzeug und Elektronik umhüllt ist. Er war ein einzigartiger Künstler, der vielen innerhalb des Genres den Weg ebnete und sehr vermisst wird.

2. Bob Dylan - Shelter From The Storm 
Obwohl ich Instrumentalmusik komponiere, liebe ich großartige Texte, die Emotionen einfangen. Dies ist mein Lieblingslied von Dylan aus dem Meisterwerk Blood On The Tracks. DieTexte sind wunderschön. Auch wenn die Akkorde oder die melodische Struktur nicht unbedingt traurig sind, lässt sie mich nostalgisch und emotional abdriften. ‘And if I pass this way again you can rest assured I’ll always do my best for her, on that I give my word.’ 

3. Hjaltalín - Engill Alheimsins 
Das ist eine isländische Band, der der Musiker Högni vorsteht. Der Song war ursprünglich Teil eines Soundtracks zu einem Stück über den Kampf eines jungen Mannes mit psychischen Erkrankungen. Die Texte sind ein zutiefst trauriges isländisches Gedicht vom Bruder des Autors, auf dem das Stück basiert. „Du kommst auf mich zu und schlägst mich. Ich bin von Regenwolken bedeckt. Ich zerfalle und setze mich wieder zusammen."

4. Ryuichi Sakamoto - Andata 
Eine weitere Inspiration und ein Held von mir. Das Lied ist von seinem brillanten Album Async aus dem Jahr 2017. Eine wunderschöne Klaviermelodie, die von einer Orgel (wohl dem am traurigsten klingenden Instrument), Synthesizern und Elektronik überholt wird.

5. John Williams - Theme from Schindler’s List 
Hier braucht man wirklich keine Worte. Wahrscheinlich eines der traurigsten Themen, die je geschrieben wurden und für einen Film über tragische Ereignisse. Ich wollte es einbeziehen, weil ich ein großer Fan von Filmmusik und insbesondere von Williams bin und das Arrangement und die Aufführung des Geigers Itzhak Perlman wirklich genieße.
6. Lou Reed - Perfect Day 
Meine Mutter gab mir Transformer auf Vinyl, als ich noch sehr jung war, und ich verstand die Bedeutung der Texte nicht ganz, fühlte aber immer eine Art Traurigkeit, wenn ich sie anhörte. Es hat auch eine sehr angenehme kleine Instrumentalpause. ‘You’re going to reap just what you sow.’ 

7. Chet Baker - I Get Along Without You Very Well (Except Sometimes) 
Ich bin ein Fan des Chet Baker Sings-Albums und auch von Tin Pan Alley-Klassikern. Dieses Stück ist etwas ganz Besonderes und wurde von Hoagy Carmichael komponiert, der ursprünglich, wie ich glaube, die Melodie auf Chopins Fantaisie-Impromptu (einem wunderschönen Stück) basierte. Die Texte sind romantisch und doch schrullig und es ist so ziemlich der einzige "Trennungssong", der mir einfällt. ‘..but I should never think of spring for that would surely break my heart in two.’ 

8. Emilíana Torrini - Sunny Road 
Sie ist eine meiner Lieblingssängerinnen; Ihre Stimme gibt mir jedes Mal Gänsehaut. Es ist von ihrem Album Fisherman's Woman, was für mich eine ganz besondere Platte ist. Ich mag auch die Art und Weise, wie der Song aufgenommen wurde, sehr geschmackvoll und spärlich, aber dennoch warm. ‘I traveled ‘round through deserts on my horse - but jokes aside, I wanna come back home.’ 

9. Bill Evans Trio - Blue in Green 
Ein Klassiker, aber eigentlich mag uch nur diese Version wirklich. Er spielt mit echtem Gefühl und man kann es in dieser Aufnahme wirklich hören. Bewundernswerter Pianist und mein Favorit.

10. Max Richter - Written On The Sky 
Kurz, süß und absolut genial. Es ist einer der Songs, die mich zum Komponieren brachten. Es stammt von The Blue Notebooks, einem Album, von dem ich glaube, dass es das Genre revolutioniert hat, und ich denke, dass viele Komponisten versucht haben, das, was in diesem Song enthalten ist, festzuhalten, ohne es wirklich zu verstehen. Es hat eine besondere Magie.

Der Autor:

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen. 

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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