Miserable Monday: Playlist von Karl Die Große

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Die Playlist für den Start in die Woche - heute unter anderem mit Clueso, Dota Kehr und Feist. Zusammengestellt von Wencke Wollny - Songwriterin der Band Karl Die Große.  

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Karl Die Große – die Band um Songwriterin Wencke Wollny – hat sich in den letzten Jahren ihren festen Platz in der deutschen Indiepop-Szene erspielt. Diesen Freitag (19.02.21) erscheint das zweite Album der Band „Was wenn keiner lacht“ in einer Zeit, in der das Lachen tatsächlich oft irgendwie schwerfällt.

„... so wirklich ehrlich und geradeaus war ich in meinen Songs auch nicht immer. Da war immer ein Sicherheitsabstand zwischen HörerIn, Lied und mir. Daraufhin habe ich mir versprochen mutig zu sein, viel Neues zu lernen und geradeaus zu sagen, was ich denke.“, sagt Wencke Wollny über die Motivation zu diesem Album. Eingehalten hat sie das Versprechen auf jeden Fall. Die Platte steckt voller persönlicher Fragen, Ängste und Zweifel. Was ist, wenn ich nicht mehr bin? Was geben wir an die nächste Generation weiter? Bodyshaming, Populismus, verlorene Vorbilder – das sind die bestimmenden Themen auf diesem Album. Beim Hören findet man sich in Wencke Wollnys Gedanken wieder. Dabei schafft sie es aber, diese so klar und pointiert zu formulieren, wie man es selbst nie könnte. Unfreiwillig gibt sie dabei fast schon Antworten auf die eigenen Fragen oder zumindest eine Struktur im eigenen Wirrwarr.

Auch musikalisch wagt die Band mehr. Vor allem der erste Teil des 15 Track langen Albums kommt elektronischer, düsterer daher. Verspielte Beats, breite Synthies, Sprechgesang. Ist das noch Karl Die Große? Ja, ist es. Mal im Jazz-Gewand, mal mit großstädtischem Pop, mal Folk, mal Hip-Hop. Das ist Karl die Große in ihrer besten Form!

„Was wenn keiner lacht“ – ist politisch, nah, mutig, trifft mitten ins Herz unserer Zeit. Und am Ende lacht man dann doch. Man freut sich, diese wunderbare Platte gehört zu haben.

DIE PLAYLIST

Wencke alias Karl (Songwriterin der Band): Ich habe die Songs chronologisch geordnet. Ich kann mich bei fast allen Liedern erinnern, wann sie eine große Rolle für mich gespielt haben und im Detail wo ich zu welcher Tageszeit auf welchem Weg sehr weinen musste beim Anhören.

Coldplay - The Scientist

Das war schwer sich bei der Band für ein Lied zu entscheiden. Aber das war schon ein wichtiger Song, wenn ich auf Knopfdruck melancholisch sein wollte. Der Song und das Album waren auf jeden Fall lange fester Bestandteil auf meinem Mp3 Player und ich verbinde die Musik sehr mit den Fahrradfahrten zurück von der Schule nach Hause am Nachmittag.

Clueso - So sehr dabei

Das ist wirklich so auf den Punkt getroffen. So gut erzählt, so ein ewig langer Bogen bis zur Auflösung: „Denn wir kommen nicht mehr zusammen.“ Und dann eine der besten E-Gitarren-Stellen der Popmusik gespielt von Christoph Bernewitz.

Feist - Lonely Lonely

Viel Spazieren mit Liebeskummer in England. Es war April, kühl, sonnig und überall leuchteten Osterglocken. So viel Platz für diese schönen Elemente Stimme, Gitarre, Glockenspiel und wieder ein großer Bogen bis zum Ausbruch!

Cinematic Orchestra feat. Patrick Watson - To build a home

Das Lied hat mich beim ersten Mal Hören sofort mitten ins Herz getroffen. Diese Stimme! Und die Lyrics und die Chorus und dann noch die Streicher…und sooooo traurig und schön!

Gisbert zu Knyphausen - Wer kann sich schon entscheiden

Er kann die Dinge so gut besingen!  Wieder viel laufen und weinen - nachts im Waldstraßenviertel mit Gisbert im Ohr.

Alin Coen - Festhalten

Sehr schön auf den Punkt gebracht, dieser Zustand, wenn „die Zuneigung sich nicht die Waage hält.“

Die höchste Eisenbahn - Die Nacht übertreibt

Das wird das Ungleichgewicht in einem Satz auf den Punkt gebracht: „Die Nacht übertreibt“. Aber es war schwer eine Auswahl bei der Eisenbahn zu treffen! Die haben mit „Raus aufs Land“, „Mira“ und „Wer bringt mich jetzt zu den anderen“ ein paar sehr gute treffende Liebeskummerlieder geschrieben, bei denen ich immer denke: „Wie kann jemand meine Gefühle so gut auf den Punkt bringen und dann noch mit so schöner Musik untermalen? Und dann gibt es da noch „Winkel“ vom ersten Moritz Krämer Album… Ich bin Fan!

Sarah Lesch - Plejaden

Vor drei Jahren habe ich das Lied zum ersten Mal live gehört, als ich zum ersten Mal mit Sarah auf Tour war und musste sofort weinen. Was für eine Geschichte, was für ein Lied, so groß und zerbrechlich zugleich.

Sophie Hunger - There is still pain left

„You should be kissing me.“ Alles gesagt und sehr gute Musik dazu gepackt.

Dota Kehr feat. Hannes Wader - Auf eine Leierkastenmelodie (Masche Kaléko)

Wieder nachts, wieder Straßenlichter und Heimweg, wieder flossen Tränen. Ein versöhnlicher Kummer, eine melancholische Begegnung, ein sich Verpassen, dass ich manchmal fürchte.

Der Autor:

Der Miserable Monday ist die Erinnerung an verrauchte Pubnächte in Bristol, UK, in denen der DJ jeden Montagabend ausschließlich traurige Musik aufgelegt hat. Niemand hat getanzt, keiner gesprochen und alle gingen erfrischt nach Hause. Diese Erinnerung lebt hier weiter, wird neu entdeckt und erfunden. 

Ich bin Martin, 31 Jahre alt, wohne in Leipzig. Ich bin Musiker, Musiknerd, Radiomacher, ehemals Bookingagent und Tourmanager. Hier streue ich alles, was mich musikalisch beschäftigt. Alt und neu, Indie, Shoegaze, Folk, Dreampop, Electronica. Einzige Bedingung - traurig muss es sein. Warum? Weil der eine Song, den alle zu düster finden, genau der ist, der mein Leben erhellt.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziere ich zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem ich frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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