Miserable Monday: Playlist von Kat Frankie

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Die letzte Playlist in diesem Jahr kommt von der großartigen Kat Frankie. Mit dabei sind Tom Waits, Bat For Lashes, Björk und Rufus Wainwright.

Kat Frankie, Credit: Timothy Wiehn
Kat Frankie, Credit: Timothy Wiehn

Viele Worte muss man über Kat Frankie nicht mehr verlieren. Die gebürtige Australierin zählt wohl zu den spannendsten Künstlerinnen, die derzeit aus Berlin heraus Musik machen. 

Am Freitag meldete sie sich nun mit ihrer neuen EP "B O D I E S" zurück. Frei nach dem Motto voices come from bodies ist diese eine A-Capella-Platte über die Bedeutung von Körperlichkeit mit drei überarbeiteten alten Songs, sowie dem neuen „How To Be Your Own Person“. 

Ganz besonders kann man sich auf die Live-Umsetzung dieser Platte freuen. In fünf beeindruckten Venues wird Kat Frankie diese in Begleitung von sieben brillanten Sängerinnen und ganz frei von Instrumenten präsentieren. Dieses genreübergreifende und dynamische Konzert bietet neue Arrangements älterer Songs sowie eigens für diesen Anlass komponiertes Material. Elemente aus Gospel, R&B, mittelalterlichen Balladen und modernem Pop lassen eine dramatische und freudvolle Performance entstehen. Sie erkundet die Unabhängigkeit im physischen Sinne sowie das Weltall, in dem Himmelskörper zwar autonom sind, und doch auf Umlaufbahnen liegen, die durch dieselben Kräfte entstanden sind.

04.01. Berlin - RBB Sendesaal
06.01. Hamburg - Elbphilharmonie
09.01. Erfurt - Alte Oper
10.01. Leipzig - Peterskirche
11.01. Dortmund - Konzerthaus

PLAYLIST

Tom Waits - Martha

Ich liebe diese Ballade schon immer. Der Protagonist des Liedes ruft impulsiv eine Frau an, mit der er in jungen Jahren zusammen war. 40 Jahre sind vergangen und seitdem hat es Ehen mit anderen Menschen gegeben. Er erinnert sich, dass sie niemals sein sollten, aber er liebt sie immer noch.

Anne Müller - Nummer 2

Müller ist Cellistin und Produzentin in Berlin und ich kann nicht glauben, dass ich sie erst kürzlich entdeckt habe. Ihre Kompositionen sind einfühlsam und durchdacht geschichtet. Nummer 2 baut auf einer einfachen Celloschleife auf und fügt immer wieder emotionales Gewicht hinzu, bis es fast zu viel ist, um es zu ertragen.

Ute Lemper - Little Water Song

Das ist ein atemberaubendes Lied. Nick Cave hat es geschrieben und Ute Lemper mit wahnsinniger Präzision aufgeführt. Sie singt aus der Perspektive einer Frau, die von einem Mann (vermutlich ihrem rachsüchtigen Liebhaber) ertränkt wird. Sie beschreibt, wie es ist, unter Wasser zu sein, während sie sich bemüht zu atmen. Harter Tobak!

Nina Simone - I Loves You Porgy

Das Lied stammt aus dem Gershwin-Musical „Porgy and Bess“ von 1935 und war ursprünglich ein Duett, aber Simone hat es sich zu Eigen gemacht. In dem Musical verlieben sich Bess und Porgy, obwohl Bess in einer Beziehung zu einem gewalttätigen Mann namens Crown steht. Bess möchte nie wieder zu Crown zurück, aber sie weiß, dass er sie eines Tages holen wird und sie keine andere Wahl hat.

Bat for Lashes - Laura

Ein Lied über die Einsamkeit eines Partygirls nach dem Comedown. Es ist nicht besonders tief, aber es ist eine krachende Melodie und Natasha Khans Stimme ist ausgezeichnet.

Björk - Stonemilker

Björk beschreibt einen Moment in einer Beziehung, in dem einer verzweifelt nach Klarheit von der anderen Person sucht und diese nicht bekommt. Als würde man einen Stein melken. Die Verse sind besonders gut zum Zerreißen.

Fleetwood Mac - Landslide

Von allen Songs auf dieser Liste ist dies der, der mich jedes Mal zum Zerreißen bringt. Jedes Mal. Argh.

Nat King Cole - Smile

Ich weiß nicht, warum ich bei einem Song, der die Leute aufheitern soll, genau das Gegenteil empfinde. Vielleicht ist es Coles zarte Stimme. Es ist so bittersüß.

Rufus Wainwright - Poses

Vor fast 20 Jahren erschienen, aber es hätte genauso gut für die Instagram-Ära geschrieben werden können. „Poses“ ist ein Song über eine verschwendete Jugend in New York.

William Basinski - dlp 1.1

Casper hat mich auf diesen Track aufmerksam gemacht. Er stammt vom Album The Disintegration Loops, und die Geschichte besagt, dass Basinski versucht hatte, einige Bandschleifen zu digitalisieren, aber als das Band lief, bemerkte er, dass es sich langsam verschlechterte. Mit jedem Durchgang zerfiel die Orchesterhornschleife etwas mehr. Er beschloss, das Band weiterlaufen zu lassen, bis die Schleife ins Nichts überging. Es ist schwer zu beschreiben, wie es sich genau anhört, aber irgendwie traurig, meditativ und gleichzeitig üppig.

Der Autor:

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen. 

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

Kat Frankie

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