Miserable Monday: Playlist von lilabungalow

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Der Soundtrack zum Start in die Woche. Heute liebevoll zusammengestellt von lilabungalow. Mit dabei: Eels, Massive Attack und Fink. 

Lilabungalow_(c)Christian Seeling

Nach “Lilabungalow” (2012) und “Peace To Gold” (2015) kündigt Patrick Föllmer aka lilabungalow nun sein drittes Album an. Am 28. August erscheint „Lichten“, was gleichzeitig auch die erste Platte ist, die er komplett in deutscher Sprache aufgenommen hat.

Am Anfang des Albumprozesses standen für Föllmer Fragen, existenzielle Fragen: „Wer braucht noch ein deutsches Album? Und warum braucht es das lilabungalow überhaupt?“ Um das zu klären begab sich das lilabungalow auf die „Emotionale Herzen Tour“ durch knapp 40 Wohnzimmer in Deutschland und der Schweiz - und stellte seine Fragen an sein Publikum. Aus 529 Briefen ließ sich eine Antwort destillieren: Die Menschen brauchen Verbindung zu sich und zu anderen und das lilabungalow schafft diese Verbindung.

Acht Songs sind schon draußen und lassen erahnen, wo die Reise hingeht: Groovige Beats, coole Gitarrenlicks, elektro-organische Welten– so könnte das Album aussehen, oder besser – klingen. Wir sind gespannt!

DIE PLAYLIST

01. Eels - It's a Motherfucker

Die meisten meiner traurigen Lieblingslieder habe ich in meinen Zwanzigern eingesammelt. „It’s a Motherfucker“ vom Album „Daisies of the galaxy“ ist  für mich so etwas wie die Schablone eines melancholischen Songs. Traurigkeit und Melancholie liegen für mich nah bei einander. 

02. Keren Ann - In your back

Den Link zu diesem Song fand ich vor einem Jahr in meinem Postfach in einer Mail von meinem Freund Arpen. In meiner Erinnerung war der Link mit der Nachricht versehen: Ich musste an dich denken. Wohlgemerkt, Arpen und ich waren nie ein Liebespaar im romantischen Sinne. Ich habe mich trotzdem sehr gefreut über dieses wunderbar traurige Geschenk.  

03. Télépopmusik - Breath

Es gibt diese Songs, die die Zeit unmittelbar nach einer Trennung begleiten. „Breath“ ist so ein Song. Ich erinnere mich, wie ich meine damalige Direktorin darum bat, mich von der anstehenden Lehrersitzung zu entbinden wegen übermäßiger Traurigkeit. Sie hat mir frei gegeben und ich bin auf mein Rad gestiegen und zum Bahnhof in Richtung Zuhause gefahren. Später habe ich den Song kommentarlos an die Verflossene geschickt. Im Rückblick ist das ziemlich pathetisch, aber nachvollziehbar.

04. Fink - Biscuits for Breakfast

Traurigkeit braucht Platz. In diesem Song habe ich beeindruckend viel Raum zwischen den Klängen dafür gefunden. Schon beim ersten Hören wollte ich auch so einen Song schreiben. Das habe ich bis heute nicht geschafft und es ist auch nicht wichtig, denn Fink hat ihn ja schon geschrieben. 

05. José González - Down the Line

Früher bin ich sogar im Sommer manchmal depressiv geworden. Da war keine Leichtigkeit im Sonnenschein, sondern eher eine drückende Schwere. Später ist es dann eher eine Sommermelancholie geworden. „Down the line“ ist mein akustischer Abdruck für Traurigkeit im Sommer.

06. Bon Iver - Lump Sum 

Ich sitze auf meinem Fahrrad und fahre durch Gera. Und ich bin traurig, nicht nur weil ich durch Gera fahre und alles mehr oder weniger trist ist, sondern weil sich diese Tristes mit der Traurigkeit von Bon Ivers „Lump sum“ perfekt verbindet. Und ich weiß jeden Tag an dem ich auf diesem Fahrrad sitze und den Song höre, dass ich noch ganz viel Zeit für Traurigkeit vor mir habe. Denn ich werde noch oft vom Bahnhof zu meiner Grundschule und zurückfahren, vorbei ein grauen Arbeiterbauten und neunziger Jahre Zahnarztpraxenarchitektur in Türkis. Danke Bon Iver, der du dieser Tristes mit deiner Musik zu wunderschöner Traurigkeit verholfen hast. 

07. Radiohead - High and Dry

Mein Freund Tobi hat gerade für eine Erfindung 6K abgeräumt und wir fahren zu dritt Richtung Holland. Es ist ein Hitzesommer. Der Gegenwind föhnt meinen Arm während wir zu diesem Song über die Autobahn rollern. Nach Holland kommt die französische Atlantikküste. Wir nehmen Pilze und rennen mitten in der Nacht bei Ebbe von Insel zu Insel durch das Watt. In Paris bewundern wir die Ganzkörperschweißabdrücke, die wir nach unserem Mittagsschlaf vorfinden. Die Stadt glüht. Irgendwer hat unser Gras verloren. Das gibt Ärger. 

08. dEUS - The Magic Hour

Es sind Semesterferien, wir sitzen vor unserem Proberaum im Auto und rufen kurz durch, damit die Jungs dort schon mal einen Eimer fertig machen. Wir gehen rein und dann beginnt meine „Magic Hour“, die sich über Wochen hinziehen wird. So lange wir Ferien haben, hören wir diesen Song, wispern leise mit und sind uns später nicht mehr einig ob es der Beste Song von der Platte ist. Was nach all den Jahren geblieben ist, jetzt wo ich die meisten dieser Freunde nur noch selten sehe, ist das die geteilte Liebe für die Traurigkeit in diesem Song.  

09. Chet Baker - Almost Blue

Mit 18 Jahren habe ich Bock auf Trompetenspielen bekommen und nicht ganz unbeteiligt daran war Chet Baker. Seine Art zu spielen hat mich vom ersten Hören an berührt. Später bin ich dann auf diesen Song gestoßen und habe ihn das erste Mal singen gehört. Ich liebe seine Klarheit und Schnörkellosigkeit. In dieser Klarheit liegt für mich eine subtile Traurigkeit. In meiner ersten Indieband gab es beim Songwriting immer den Moment, in dem irgendjemand „Schmuck am Nachthemd“ gespielt halt. „Schmuck am Nachthemd“ bedeutet zu spielen und damit den Kern der Musik zu verwässern. Chet Baker ist mit seiner introvertierten Art das absolute minimalistische Gegenteil von „Schmuck am Nachthemd". 

10. Massive Attack - Protection

„Protection“ ist für mich der traurige Soundtrack meiner Schulzeit in der Oberstufe. Ich habe nicht so sehr verabscheut wie diese Zeit, das Sitzen in Bankreihen, das Auswendiglernen von Dingen, die mich nicht berühren, die Angst vor Bewertung und Erziehung zum Gehorsam. Ich konnte mich schlecht wehren gegen die Doppelmoral in dieser katholischen Schule. Leider setzt sich die Erkenntnis, dass Dinge nicht so bleiben müssen, nur weil es sie schon seit hunderten von Jahren gibt, erst langsam durch. Ich hätte wahrscheinlich etwas „Protection“ gebraucht.  

Der Autor:

Der Miserable Monday ist die Erinnerung an verrauchte Pubnächte in Bristol, UK, in denen der DJ jeden Montagabend ausschließlich traurige Musik aufgelegt hat. Niemand hat getanzt, keiner gesprochen und alle gingen erfrischt nach Hause. Diese Erinnerung lebt hier weiter, wird neu entdeckt und erfunden. 

Ich bin Martin, 31 Jahre alt, wohne in Leipzig. Ich bin Musiker, Musiknerd, Radiomacher, ehemals Bookingagent und Tourmanager. Hier streue ich alles, was mich musikalisch beschäftigt. Alt und neu, Indie, Shoegaze, Folk, Dreampop, Electronica. Einzige Bedingung - traurig muss es sein. Warum? Weil der eine Song, den alle zu düster finden, genau der ist, der mein Leben erhellt.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziere ich zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem ich frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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