Miserable Monday: Playlist von Majken

Die Playlist zum Start in den unlustigsten Tag der Woche

Unser heutiger Dank gebührt Majken. Denn mit ihren 10 Tracks bringt sie uns nicht nur irgendwie durch den Montag, sondern macht auch den 1. April schnell vergessen. 

Majken (Foto: Jacob Olson)

Montag. 1. April. Kein Scherz! Dazu noch eine Stunde weniger geschlafen. Wir brauchen Musik. Gute Musik! Gut, dass es das Miserable Monday Feature gibt und gut, dass auch unsere Kuratoren so viel Bock darauf haben. Die heutige Playlist kommt von der schwedischen Künstlerin Majken, die mir, als sie an dieser Playlist arbeitete, eine Mail schrieb mit den Worten: „This is so much fun! And it makes me so sad hahaha.“ Perfekte Voraussetzungen!

Majken ist das musikalische Projekt der Künstlerin Anna Majken. Im Dezember letzten Jahres erschien ihr Debütalbum „Young Believers“ auf Kollektivet Records. Eine unglaublich starke Platte: neun Songs, mal fragil und zerbrechlich, mal düster und verschlingend. Und neun Songs, die sie zurück in ihre Jugend werfen.Die großen Fragen des Teenagersein bestimmten das Album. Unsicherheiten, Liebeskummer, nicht wissen wohin, psychische Probleme. Und doch blitzt immer wieder die Hoffnung auf, dass man da durchkommt und vielleicht sogar irgendwie Erwachsen wird. 

Aufgenommen hat Anna das Album in ihrem Zuhause in Malmö zusammen mit dem Produzenten Damon Tutunjian (Mew, Swirlies). Sie selbst spielt Gitarre und Harfe und singt mit einer wunderschönen eindringlich-zerbrechlichen Stimme. Man muss und will ihr zu hören.

Tutunjians Lo-Fi Produktion setzt die Songs ins richtige Licht. „Young Believers“ ist ein Album, an das man anknüpfen kann, wenn man die Unsicherheit der Jugend noch nicht vergessen oder vielleicht noch nicht ganz abgelegt hat. Es sei euch wärmstens ans Herz gelegt!

MMM (Majken’s Miserable Monday)

Elliott Smith – A Fond Farewell
Die komplette Liste hätte im Grunde aus Elliott Smith Songs bestehen können. Aber ich habe mir einen ausgesucht und zwar einen, der etwas mehr Up-Beat ist, denn meistens übersieht man diese. „A Fond Farewell“ ist von dem Album „From A Basement On The Hill“, was 2004 posthum veröffentlicht wurde. Ganz oberflächlich ist der Song ein total schöner Popsong. Aber wenn man auf die Lyrics achtet, möchte man heulen. Der Kontrast zwischen der perfekt geformten Melodie und diesen Lyrics ist einfach herzzerreißend. 

Fiona Apple – Sullen Girl
Der Song ist von ihrem Debütalbum „Tidal“, was sie geschrieben hat, als sie 17 Jahre alt war. Ich werde den Song bis in alle Ewigkeit vor mir her summen. 

Chris Bell – I Am the Cosmos
Chris Bell, der Mitbegründer der Band Big Star, wurde nie richtig berühmt. Der Song kommt von der Platte „I Am The Cosmos“, die 1992 veröffentlicht wurde. Ganze 14 Jahre nachdem Bell tragischer weiße bei einem Autounfall ums Leben kam. Da war er erst 27. In den letzten Minuten des Songs singt Bell immer und immer wieder die Line: „I really wanna see you again.“ Wenn das nicht „miserable“ ist, dann weiß ich auch nicht. Ich habe auch keine Ahnung, was mit seiner Stimme los ist, aber sie klingt so gut!

Ich habe diesen Song in dem Buch “Sånger om Kärlek 2” (“Songs Über Liebe 2”) von Lennart Persson entdeckt - einem wunderbaren schwedischen Musikjournalisten, der leider schon verstorben ist. Falls du Schwedisch sprichst, empfehle ich dir dieses Buch!

Damon Albarn – The Selfish Giant

Es ist ungewöhnlich, dass Albarn so tief in sich reinblicken lässt, wie in diesem Song. Der Refrain ist: „I had a dream you were leaving, it’s hard to be a lover when the TV’s on and nothing is in your eyes.“ Das Bild, dass eine Liebesbeziehung vom Alltag zerfressen wird, wird einfach nicht alt. Irgendwo habe ich gelesen, dass Albarn diese persönlichen Zeilen wieder ändern wollte (was ich als Künstlerin selber gut verstehen kann). Aber sein Produzent Richard Russel hat ihn gezwungen dabei zu bleiben.

Das zeigt wie wichtig ein guter Produzent sein kann – er sieht die Arbeit des Künstlers von außen und kann ihn quasi ein wenig vor sich selbst schützen. Der Song ist von der Platte „Everyday Robots“ von 2014. 
 

Und jetzt noch drei weitere Break-up Songs: 

Electric Light Orchestra – Telephone Line
Ok, können wir uns einfach darauf einigen, dass Jeff Lynne fantastisch ist? ELO’S Musik ist einfach unfassbar. Das hier ist der beste Break-Up Song, den es gibt. Wahrscheinlich. Vom Album „A New World Order“ (1976).

Feist – Let It Die
Vielleicht ist das hier aber auch der beste Break-Up Song. “The saddest part of a broken heart isn’t the ending so much as the start.” Von ihrem Debütalbum „Let It Die“ (2003, glaube ich.)  Als ich 16 war, habe ich diesen Song jeden Tag gehört und erst wieder damit aufgehört, als 18 war. Das waren Zeiten J

Björk – Lionsong
So ein schmerzhafter Song. I meine – „Maybe he will come out of this loving me? // Once it was simple: one feeling at a time. Ja, früher war es einfacher, ein Gefühl nach dem anderen! Diese Streicher am Ende.... Vom Album Vulnicura (2015).

Cat Power ¬– Lived in Bars
Ich weiß immer noch nicht, von was dieser Song handelt. Er stimmt mich aber sehr melancholisch. Vielleicht weil er mich an Freunde erinnert, die ich nicht mehr kenne. Draußen im Sommer, den Sonnenuntergang anschauend. Vom Album „The Greatest“ (2006)

A Camp – Elephant
Nina Persson von den Cardigans war schon immer eine meiner Lieblingssängerinnen und Musikerinnen. Ihr erstes Soloalbum, „A Camp“ (2001) wurde von einem weiteren Liebling produziert – Mark Linkous von Sparklehorse. Das ganze Album ist großartig, aber der letzte Song „Elephant“ ist der beste. Linkous‘ Produktion ist so merkwürdig und wunderschön, Perssons Lyrics sind auf den Punkt und A-Moll / G / F ist einfach der beste Akkordlauf, den es gibt. 

Sparklehorse – Dreamt of Light Years in the Belly of a Mountain
Der Song ist sehr besonders. 11 Minuten lang und komplett instrumental. Er fühlt sich an wie ein schwarzes Loch, was jegliche Spuren von guter Laune verschlingt. Wie wenn man ein trauriges Buch liest. Früher habe ich den Song jeden Tag gehört, heute nur noch selten. 

Ich erinnere mich noch ziemlich genau was ich gemacht habe, als ich die SMS bekam „Mark Linkous hat sich das Leben genommen“. Ich saß in einem langweiligen Büro mit anderen Call Center Auszubildenden. Das war mein erster Job. Draußen war es März und alle meine Erinnerungen von dieser Zeit sind neblig und grau, ohne Sonnenschein. 

Das war der erste Tod eines Künstlers, der mich auf einem persönlichen Level sehr bewegt hat. Vom Album „Dreamt of Light Years in the Belly of a Mountain“ (2006).

Der Autor:

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen. 

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: 

Majken

Alle News, Alben, Tourdaten und Videos von Majken im Tonspion.

Empfohlene Themen

Miserable Monday: Crake

Die Playlist zum Start in den unnötigsten Tag der Woche

Montag. Jeder hasst ihn, alle jammern über ihn. Ab sofort gibt's bei Tonspion die passende Musik zum traurigsten Tag der Woche. Willkommen beim "Miserable Monday". Die heutige Playlist mit zehn perfekten Montagssongs kommt von Crake aus Leeds.

Miserable Monday: Playlist von Buvette

Die Playlist für den anstrengendsten Tag der Woche

Der Sommer ist im vollen Gange, die Montage nerven (natürlich) trotzdem. Heute hilft Cédric Streuli alias Buvette und liefert eine hervoragende Playlist mit Cat Power, Eels u.v.a. 

Miserable Monday: Playlist von Malik Djoudi

Die Playlist zum Start in den unnötigsten Tag der Woche

Trotz sommerlicher Temperaturen macht der Montag in den meisten Fällen eher wenig Spaß. Malik Djoudi liefert euch den richtigen Soundtrack, um trotzdem durch den Tag zu kommen. 

Miserable Monday: Playlist von Tom Williams

Die Playlist für den einfachsten Montag des Jahres

Der Pfingstmontag mag für die meisten von uns auszuhalten sein, diejenigen, die aus dem Urlaub zurückkommen, bringen aber mit Sicherheit den klassischen Montags-Blues mit. Tom Williams hilft! Unter anderem mit Bruce Springsteen, Bob Dylan und Cat Stevens.

Meistgeklickt