Miserable Monday: Playlist von Menke

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Ein Feature, auf das ich mich schon ganz lange freue. Die schwedische Musikerin Menke bringt uns mit Musik durch den Montag. 

Menke, Credit: Richard Farman
Menke, Credit: Richard Farman

Sara Menke ist im schwedischen Dörfchen Järna geboren, verbrachte aber auf Grund ihres deutschen Vaters viel Zeit in Berlin und Wiesbaden. Letztes Jahr erschien ihre gefeierte Debüt-EP "Till Havet", auf der sie Gedichte der schwedischen Autorin Karin Boye interpretierte. Ihre aktuelle EP „Echo Of Youth“ veröffentlichte Menke am 27. September via Cosmos Music. 

Ich halte mich mit Superlativen gern zurück, aber diese Platte ist unter den fünf besten, die ich dieses Jahr gehört habe. Zart und zerbrechlich, unglaublich clever arrangiert und mit einer gefühlvollen Gesangstimme nimmt Menke einen mit auf eine Reise. „Echo Of Youth“ ist ihr erstes englischsprachiges Werk und erzählt vom Verlassen der Jugend und dem Übergang in das verantwortungsreiche Erwachsensein. Es geht darum, wie man eine Lebensphase hinter sich lässt und weiter geht, Richtung Neues und Unbekanntes. Die Songs sind über einen Zeitraum von zehn Jahren entstanden, einer Zeit, in der Menke als Folk-Musikerin in Berlin arbeitete und später wieder nach Järna zurückkehrte, wo sie sich um ihre 13-jährige Schwester kümmern musste, da ihre Mutter durch ihre schwere Depression die Fähigkeit verloren hatte, als Elternteil zu funktionieren. Es war eine Zeit der Zusammenarbeit mit und gegen das schwedische Sozialsystem. Mental Health Issues haben Auswirkungen nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf das Leben der Menschen in ihrem Umfeld. Sie hüpfen wie ein Echo hin und her zwischen der Patientin und den Menschen um sie herum.

Aufgenommen wurde die Songs live unter der Leitung von Erik Holmberg als Produzenten in den Bagpipe Studion in Stockholm.

“Wir haben die Songs in einem langen Take aufgenommen und nicht Track für Track”, sagt Menke. “Ich wollte ein persönliches und intimes Gefühl einfangen - das Verwelkte und das Ungeschützte. Obwohl wir Entwürfe in Form von Demos hatten, wollte ich, dass die Band die kreative Freiheit hat, dem Material ihre eigene individuelle Note zu verleihen. Es war eine Verantwortung, die sie wirklich magisch abgeliefert haben”.

„Echo Of Youth“ ist eine Platte, die einen alles fallen lässt und das wuselige Leben kurz anhält. Sie saugt einen regelrecht ein. Man kann gar nicht anders als diesen wunderschönen Songs zu hören. – Martin 

DIE PLAYLIST

Arthur Russell - That’s Us / Wild Combination

Das ist ein elektrisches Celloparadies mit einem Hauch von Disco der 80er Jahre. Ich habe dieses Lied über den gleichnamigen Dokumentarfilm über Arthur gefunden.

Sufjan Stevens - Little Lost

Das Original kommt von Arthur Russell und ist eins meiner Lieblingslieder. Dennoch ist dieses Cover definitiv keine Enttäuschung. 100% sympathisch, aber ganz anders. Es fühlt sich an, als wäre die Sufjan-Version eine Hommage an Arthur Russell.

The National - Oblivions

Normalerweise mag ich keine Duette, da sie sich oft als statisch herausstellen, aber dieses ist glatt und weich wie ein plätschernder Bach. Es ist wie ein alltägliches Gespräch zwischen einem Paar.

Daniel Lanois - Agave

Dieses Lied hört man am besten nachts beim Autofahren.

Fleshquartet - Synd

Ich hatte meine erste Trapezzirkusperformance zu diesem Song. Es hat die richtige Menge an Drama und Weichheit.

Kate Bush - Song of Solomon

Die Chöre in diesem Lied erregten meine Aufmerksamkeit bei meinem ersten Hören. Von Anfang bis Ende und besonders in der Bridge spielen die Chöre eine bedeutende Rolle. Ich bin ein großer Fan des Hinzufügens von Gesangsebenen und des Experimentierens mit Gesang, und ich denke, dass Kate Bush ein gutes Vorbild dafür ist.

Vashti Bunyan - Diamond Day

Folk-Pop von seiner besten Seite. Ich liebe die Flöten und die Harmonien und alles.

Aphex Twin - Avril 14th

Klavier Inspiration. Es fühlt sich fast so an, als ob man sich im Piano befindet, da man jede Berührung und alle Klänge der Klaviermechanik hören kann.

Sigur Rós - Untitled #1 - Vaka

Sigur Rós hatte einen großen Einfluss auf mich und meine Musik und es ist sehr schwierig, nur einen Song auszuwählen, aber dieser ist ziemlich zart.

Brian Eno - An ending (Ascent)

Diese Synthesizer klingen genau wie der Klang meiner Weingläser. Es klingt wie schweben. “Less is more. An ending complete.”

Der Autor:

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen. 

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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