Miserable Monday: Playlist von Orchid Mantis

Die Playlist zum Start in den schwersten Tag der Woche

Zwischen depressiver Energie und surrealen Emotionen hat Orchid Mantis zehn Songs gesammelt, die auch den schlimmsten Montag wieder erträglich machen. Hört euch hier direkt die Playlist an. 

Es ist Montag und Zeit für eine neue Playlist voller melancholischer Musik, die uns durch den Tag bringt. Die heutige finde ich besonders schön, weil ich viele Songs selber noch nicht kannte und weil sie von einem Künstler kommt, den ich letztes Jahr entdeckt und seitdem nicht mehr losgelassen habe.

Orchid Mantis ist das Projekt von dem aus Georgia stammenden Musiker Thomas Howard und ein Muss für jeden mit einer Schwäche für leiernden Dreampop à la Epic45. Im November letzten Jahres veröffentlichte Thomas Howard sein aktuelles Album „Yellow House“ - eine Hommage an das Yellow House Studio, in dem es geschrieben und produziert wurde.

„Yellow House“, Howards fünftes Album, ist im Fluss. Die 12 Songs ziehen sich meditativ durch die Platte. Alles hat mit allem zu tun, alles steht miteinander in Verbindung und ist sprichwörtlich mit einander verbunden. 

Mit leiernden und verträumten Gitarren, Synthies und Tape-Collagen schafft Thomas Howard Lo-Fi Pop, der direkt ins Herz der Generation VHS schießt. Musik für schon längst vergangene Sommer. Ein melancholisches Netz für die Gedanken, die man gern nach ganz hinten schiebt. Die Instrumentierung, der gehauchte Gesang, der einen scheinbar bewusst plauderhaft anspricht und die warme Melancholie der Songs schaffen eine Intimität, die es leicht macht, sich in dieser Platte zu verlieren. Musik, die dafür geschaffen ist, sie allein zu hören, weil sie Bilder malt, die in jedem Kopf anders aussehen. 

Genau das macht Thomas Howard für mich zu einem einzigartigen Künstler. Er schafft es das Gefühl, was er in die Songs legt, mir als Hörer so zu vermitteln, dass ich meine eigene Erinnerung damit verbinde. „Yellow House“ genau wie der Rest seiner musikalischen Arbeit und vor allem das Vorgängeralbum „Kulla Sunset“ möchte ich euch als Hörempfehlung unbedingt ans Herz legen. 

Duster – Memphis Sophisticate

Fangen wir einfach hier an – Memphis Sophisticate ist der unglücklichste Song, der mir je über den Weg gelaufen ist. Vielleicht nicht unbedingt der traurigste, aber dennoch, diese depressive Energie ist brutal und so intensiv. Man kann diesen Song nicht anmachen und ignorieren. Er geht einfach direkt unter die Haut. 

Fog Lake – I’ll Be Around

Ich hatte für diese Playlist mehrere Songs von Fog Lake im Kopf. Es ist aber der hier geworden, weil er wegen den ganzen Samples für mich heraussticht. Seit ich „Badlands“ von den Dirty Beaches gehört habe, mag ich diesen Ansatz, alte Samples zu verwenden. Die EP von Fog Lake mit dem Sound einer vergangenen Popmusik-Ära hat was besonders Einsames und Geisterhaftes. 

Sparklehorse –Sea of Teeth

Ich habe erst letztes Jahr angefangen Sparklehorse zu hören. Und obwohl ich es gern ausdrücken würde, fällt es mir doch schwer in Worte zu fassen, wie es sich angefühlt hat, alle Alben durchzuhören. Die Musik ist immer noch so frisch und im Grunde dreht sich bei ihr immer alles um ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann – Die Texte, die Instrumentierung, einfach alles.

Genau deshalb sind Songs wie dieser hier so surreal und vage und dennoch so voller Emotionen. Mit dieser Lo-Fi-unorthodoxen Instrumentierung und Produktion nähert er sich den Gefühlen aus der Ferne um diese besser greifen zu können. 

Grouper – Disengaged

Ich würde gern alle Grouper Songs auf diese Liste packen. Disengaged sticht für mich aber schon ein bisschen raus. Es fühlt sich so altertümlich und zerfallen an und hat dadurch eine Art spirituelle Energie. 

Elliott Smith – No Name #1 

Dieser Song ist angenehm traurig. Die beiden Gitarrenharmonien entspannen mich. Mit dieser ruhigen Schönheit könnte es fast ein fröhlicher Song sein. Wie der nächtliche Spaziergang nach Hause, nachdem man eine Party verlassen hat und irgendwie etwas depri ist. 

Melaina Kol – Sckrpnch 

Ich folge Melaina Kol schon eine Weile, aber dieser Song überraschte mich wirklich als er letztes Jahr herauskam. Alles in diesem Song ist einfach wunderschön - das rollende Schlagzeug, was ein wenig an „Reckoner“ (Radiohead) erinnert, die funkelnden Gitarren, die Streicher im Mittelteil und vor allem diese Stimme und die Lyrics. Ich höre diesen Song aber auch immer wieder, weil sich der Aufbau so kathartisch anfühlt. 

Chad Vangaalen – 1000 Pound Eyelids 

Chad ist einer der weniger Künstler, die mich motivieren, Songs zu schreiben, die sich vor allem um Gitarre und Gesang drehen, obwohl sich das für mich nicht unbedingt einfach und natürlich anfühlt. Songs wie dieser zeigen aber, dass es wert ist, weiterzumachen. 

Helvetia – Hybrid Moments 

Das ist einer der Songs, der dazu beigetragen hat, dass ich mich in Vierspuraufnahmen verliebt habe. Ich mag diese Intimität und das verschwommene Licht, was sie auf alles legt. Irgendwie sind diese Aufnahmen angenehmer für die Ohren. Die Aufnahmetechnik kann einen Song, der ursprünglich von den The Misfits ist, in etwas komplett Anderes und Unbekanntes transformieren. 

The Radio Dept. – Domestic Scene

Ich bekam diese CD als ein Schrottwichtel Geschenk in der High-School und verliebte mich sofort in die Platte und die Band. Ein großer Teil meines musikalischen und vor allem soundlichen Ansatzes kommt von deren Instrumentierung. Dieser Song im Speziellen haut mich mit der Stimmung, die er schafft, einfach um. 

Cosmonauts – Part at Sunday 

Sehr unterschätzte Band. Dieser Song musste hier mit drauf, weil ich ihn in meinem letzten High-School Jahr hoch und runter gehört habe. Ich liebe Songs wie diesen. Songs, die nicht aufgeregt sind und einfach vor sich hinlaufen und immer mehr Gewicht aufnehmen, bis man durch die Samples am Ende wieder auf den Boden geholt wird. Ich habe bewusst versucht sowas einfaches, aber doch wirkungsvolles zu schreiben, aber Songs wie dieser scheinen einfach selber zu einem zu kommen.

Der Autor

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen. 

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören.

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