Miserable Monday: Playlist von Peel Dream Magazine

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Eine neue Woche, eine neue Playlist gegen den Corona Blues. Heute liebevoll zusammengestellt von Peel Dream Magazine. Mit dabei: Slowdive, Belle And Sebastian und The Beach Boys.

Peel Dream Magazine courtesy of Tough Love Records

PEEL DREAM MAGAZINE ist das musikalische Projekt von Joe Stevens aus NYC, der die Band 2018 mit dem von der Kritik gefeierten Album "Modern Meta Physic" ins Leben gerufen hat. Das Debüt war eine geheimnisvolle, schwebende Hommage an den verschwommenen Dream-Pop der 90er Jahre - eine meisterhafte Mischung aus Songwriting-Präzision und psychedelischem Klangimpressionismus. Das Album schlug eine perfekte Balance zwischen DIY-Schlafzimmer-Pop-Auteurismus und Studiozauberei und fand seinen Platz auf zahlreichen "Best of 2018"-Liste.

18 Monate hat die Band nun an ihrem neuen Album „Agitprop Alterna“ geschrieben. Das Werk vermengt den verträumten, feinen Sound der Gruppe mit teils tief melodischen, teils wunderbar unharmonischen Tönen. Die Platte erschien letzten Freitag, am 3. April 2020, auf Tough Love Records und ist eine Hommage an den verspielten Twee von Acts wie My Bloody Valentine und den frühen Stereolab. Chaotisch-dröhnender Minimalismus trifft auf klassischen Indie-Pop-Shoegaze. I love it! - Martin

PLAYLIST

01 Nico - The Fairest of the Seasons

Dieses Lied ist super nostalgisch. Die Art und Weise, wie die Streicher sich bei " Do I stay or do I go " zurückziehen, trifft mich immer tief in den Magen. Dieses Lied lässt mich an den Herbst in New York denken. Jackson Browne schrieb und spielte dieses Lied, als er 19 Jahre alt war – krass!

02 Chico Buarque - Olha Maria

Ich spreche kein Portugiesisch, aber ich bin ein großer Fan der brasilianischen Musik, und ich beziehe mich mehr auf die Gefühle in Akkordfolgen und Melodien als auf Texte im Allgemeinen. Dies ist einfach wunderschön und voller Verzweiflung - eine wunderschöne Schnittstelle zwischen Tragödie, Liebe und Bösem. Das Lied folgt einer Struktur, die es eher wie eine Sonate und weniger wie ein Popsong erscheinen lässt. Ich verliere mich einfach darin.

03 Duncan Browne - My Old Friends

Den größten Teil dieses Albums spielt er nur auf seiner Gitarre - er beherrscht die Akkordstimmen voll und ganz und kann diese einfachen Songs wirklich voll und ausgewogen erscheinen lassen. In diesem Song geht es darum, sich von Menschen zu trennen, mit denen man früher eng zusammen war. Ich denke, er versucht, seine warmen Erinnerungen mit der Tatsache in Einklang zu bringen, dass sie schließlich auseinander gewachsen sind.

04 Slowdive - When the Sun Hits

Diese ganze Platte ist slowwww und saddddd und dieses Lied hat eine Art Nihilismus der 90er Jahre, der sich fast selbstmörderisch anfühlt. Ich denke, es gibt eine Reinheit und Verpflichtung gegenüber der Traurigkeit hier, die mich irgendwie kriegt. 

05 Belle and Sebastian - The Rollercoaster Ride

Ich bin ein großer Fan von allem der „The Boy with the Arab Strap“ LP. Dieses Lied vermittelt diese Art von blutendem Herzen und melodramatischer Traurigkeit, die ich die ganze Zeit fühlte, als ich jünger war, enttäuscht von meinem Leben und voller Staunen über alle Möglichkeiten, die vor mir liegen.

06 Simon and Garfunkel - Overs

Obwohl ich kein großer Texter bin, finde ich es unglaublich, wenn ein Texter etwas so auf den Kopf treffen kann, wie es Paul Simon in diesem Song tut. Seine Beschreibung, sich mit der Tatsache abzufinden, dass sich eine Romanze verschlechtert hat, macht mich absolut fertig. "We're just a habit, like saccharine"  Alles, was Simon und Garfunkel auf diesem Album gemacht haben, hat dieses wirklich hippe, zusammenhängende Gefühl, das sie für immer bei mir beliebt machen wird.

07 Bridget St. John - Seagull-Sunday

Der erste Teil dieses Songs vermittelt ein sehr zukunftsweisendes Gefühl, aber mit dem Mittelteil kommt es zu einem plötzlichen und herzzerreißenden Stillstand. St. John spricht über Gelegenheiten, die sie verpasst hat, um jemandem zu sagen, wie sehr sie ihn liebt. Sie bereut das und kann es nicht zurückholen. Es kann auf viele verschiedene Szenarien angewendet werden und ist einfach nur verdammt traurig. Die Melodie ist auch wunderschön 

08 Peter, Paul, and Mary - Whatshername

Dieses Lied ist so intim und klug. Es ist auf zwei Ebenen sehr wehmütig. Erstens spricht dieser Typ über sein Leben am Fließband. Er ist größtenteils zufrieden mit dem Ergebnis, aber es hat ihm ein paar lose Enden hinterlassen (die Tränen bauen sich bereits auf). Zweitens erkennt er, dass eine alte Flamme von ihm mehr für ihn bedeutet haben könnte, als er damals glauben wollte. Er wird zu seiner Erinnerung an sie teleportiert - sie war eine Ausfahrt, die er nicht nehmen wollte, eine Erinnerung, die so verschwommen und verworren ist, dass er sich nicht einmal an ihren Namen erinnern kann. "I'll never forget whatshername" (Jetzt weine ich).

09 Beach Boys - Don't Talk (Put Your Head On My Shoulder)

Dieses Lied ist so traurig, dass es mich verzauberte, als ich es zum ersten Mal hörte. Alles, was ich tun konnte, war im Bett zu bleiben und immer wieder „Pet Sounds“ zu hören, gleichzeitig in Schmerz und Ekstase, wie ein blutender Schorf, der sich gut anfühlt, wenn er juckt.

10 Bill Evans - Peace Piece

Hier ist unter der Oberfläche viel los, und es scheint, als hätte Bill Evans es geschafft, das schreckliche Gefühl der amerikanischen Gesellschaft, das Ende der 1950er Jahre kurz vor der Auflösung steht, zusammenzufassen. Es beginnt melancholisch, aber stetig und verliert langsam mehr und mehr die Kontrolle, bis es sich in völliges Chaos verwandelt. Die linke Hand versucht auf diese tragische Weise, den Status quo aufrechtzuerhalten, während die rechte Hand einen eigenen Willen annimmt.

Der Autor:

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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