Miserable Monday: Playlist von Poliça

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Poliça sind mit ihrem vierten Studioalbum "When We Stay Alive" zurück und verraten uns ihre Miserable Monday Inspirationen - eine düstere Playlitst für den Start in die Woche. Mit dabei Brian Eno, Syd Barret und Bill Callahan.

Polica, Creit: Zoe Prinds
Polica, Creit: Zoe Prinds

Als Poliças Channy Leaneagh Anfang 2018 beim Eiskratzen vom Dach ihres Hauses fiel, zog sie sich schwere Verletzungen ihrer Wirbelsäule zu. Folglich musste sie monatelang ein Korsett tragen und konnte sich nur eingeschränkt bewegen. Dennoch beschäftigt sich Poliças viertes Album "When We Stay Alive" nicht ausschließlich mit dem kräftezehrenden Unfall. Vielmehr geht es auf dem Album um die erlösende Kraft, die eigene Geschichte neu zu schreiben, um wieder gesund zu werden und die eigene Identität zurückzugewinnen.

Auf Poliças ersten drei Alben fokussierte sich Leaneagh darauf die Welt und ihre Beziehungen innerhalb dieser neu für sich zu strukturieren. Auf "When We Stay Alive" entdeckte sie die Kraft darin ihr innerstes Ich neu zu ordnen. Der Albumtitel ist eine Referenz an die forwärtsgewandte Bewegung im Leben – unsere Erfahrungen, ob gut oder schlecht – und die Auseinandersetzung mit der Stärke, die wir darin finden.

“I had been living unconsciously in past trauma”, sagt Leaneagh. “I don’t want to deny something happened – this is not about repression – it’s about taking the power back from the past, holding the power in the present, and creating a new story for myself.”

Poliça live 2020:
16.02.2020 Zoom (Frankfurt)
18.02.2020 Artheatre (Köln)
19.02.2020 Grünspan (Hamburg)
25.02.2020 Columbia Theater (Berlin)
29.02.2020 Hansa 39 (München)

PLAYLIST

Frank Ocean - "Pink Matter"

Ich habe geweint, als ich das zum ersten Mal gehört habe. Es fängt dieses Gefühl der tiefen und geheimen Liebe zu jemanden, der einen nicht zurückliebt, perfekt ein.

Donny Hathaway - "I Love You More than You'll Ever Know"

Ein Gefühl des Bedauerns und des Verlusts. Man muss einfach mitsingen, wenn man sich beschissen fühlt oder wenn jemand, den du magst, beschissen zur dir ist.

Bridge of Death - "From Chernobyl"

Dieses Lied erinnert einen wahrscheinlich daran, dass der Kummer, den man erlebt nicht so schlimm ist...nicht so schlimm wie eine nukleare Katastrophe... 

Songs from Liquid Days: No 1, Changing Opinion by Phillip Glass and Michael Riesman

Durch dieses Lied fühle ich mich nicht allein, wenn ich mich allein fühle. Es füllt mich mit so viel Licht und als wären noch Wunder zu entdecken.

Mount Eerie - "Real Death" 

Das ist es. Das traurigste Lied aller Zeiten. Wenn der wahre Tod den Raum betritt, ist alle Poesie dumm. Genug gesagt.

Bill Callahan - "Circles" 

Ein Lied über den Tod seiner Mutter und ihre letzten Tage im Krankenhaus, in denen sie mit den Jungs in der Bibliothek flirtete.

Joep Beving - "Midwayer"
Wir haben Joep vor einem Veranstaltungsort in Eindhoven, Niederlande, getroffen. Es war ein Vergnügen zu entdecken, dass er einige der traurigsten Solo-Klavieraufnahmen aller Zeiten schreibt und aufzeichnet. Empfohlen für einsames Hören  

Brian Eno - "The Big Ship"
Ich bin nicht sicher, ob dieses Lied traurig ist, aber es ist definitiv emotional. Ich möchte dies hören, wenn ich auf die nächste Ebene der Existenz aufsteige, sei es ein Tunnel aus Licht oder eine Decke aus Dunkelheit.

Gilbert O’Sullivan - "Alone Again, Naturally"

Es ist besonders traurig, wie er das Lied mit einem Lächeln singt. Aber so stelle ich mir Gilbert vor, wie er nach dem Verlust seiner Mutter und einem gebrochenen Herzen über Selbstmord nachdenkt.

Syd Barrett - "Dark Globe" 
Man kann den hellen, leuchtenden Stern des armen Syd hören, der langsam über das ganze Madcap Laughs hinweg ausbrennt, obwohl seine Brillanz nie klarer wird. Einige der Songs klingen wie ein Hilferuf, während die Dunkelheit ihn langsam umgibt. In ein paar Jahren wird er sich völlig auflösen und sich von der Welt zurückziehen.

Garnet Mimms and the Enchanters - "Cry Baby"
Zu diesem Lied habe ich so oft geweint. 

Der Autor:

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen. 

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

MP3 Download: Tonspion präsentiert die besten Musik Downloads, die kostenlos und legal im Netz bereit gestellt werden. 

Empfohlene Themen