Miserable Monday: Playlist von Rachael Dadd

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Der Soundtrack zum schlimmsten Tag der Woche kommt heute aus dem Dunstkreis von This Is The Kit und Rozi Plain. Die britische Songwriterin Rachael Dadd verrät uns ihre 10 traurigsten Lieblingssongs. Mit dabei u.a. Benjamin Clementine, Kathryn Jospeh, This Is The Kit, Joni Mitchell und Big Thief.  

Rachael Dadd, official press pic
Rachael Dadd, official press pic

Neue Musik aus meiner alten Heimat Bristol. Die Modern-Folk Multi-Instrumentalistin Rachael Dadd veröffentlichte am 08.11.19 ihr neues, mittlerweile sechstes Studioalbum „Flux“ via Memphis Industries. „Flux“ heißt ins Deutsche übersetzt so viel wie Kraftfluss und bezeichnet in der Physik eine Bewegung von Flüssigkeiten oder Energien. Rachael versteht den Begriff als eine Antwort auf externe und innere Schwingungen, ein Protest gegen die aktuelle politische Lage und ein Tagebuch über unser Zuhause. Sie schaut nach vorn, aber auch zurück und versichert uns, dass wir uns nicht nur mit uns selbst, sondern auch mit dem Wasser, der Luft und der Erde, auf der wir leben, verbinden müssen. 

Produziert hat Rachael die Platte zusammen mit Marcus Hamblett (Villagers / Laura Marling) und den Musikern Emma Gatrill (Willie Mason / Matthew and the Atlas), Schlagzeuger Rob Pemberton (Emily Barker / Low Chimes), Bassist Jim Barr (Portishead) und den Sängerinnen Kate Stables (This Is The Kit) und Rozi Plain. 

Man hört genau in welchen Dunstkreisen sich Rachael Dadd bewegt. „Flux“ ist eine wunderschöne Folk Platte und bisher wohl Rachaels beeindruckendstes Werk. Die 11 Songs sind unglaublich stark arrangiert, mal voller Wut, mal zerbrechlich instrumentiert und zeigen welches musikalische und poetische Potential in dieser Künstlerin steckt. 

DIE PLAYLIST

Ich denke, es gibt verschiedene Kategorien von traurigen Liedern - die in Moll-Tonarten über traurige Themen, und dann gibt es solche, bei denen man weiß, dass das Gefühl tiefer Traurigkeit der Grund für das Lied selbst ist. Ich denke, alle meine Entscheidungen fallen in die zweite Kategorie. Da ist viel Klavier drin. Wenn ich traurig bin, setze ich mich an das Klavier, um zu schreiben - es kann durch einen hindurchklingen und all diese Traurigkeit in ein Lied verwandeln.

This Is The Kit - Show Me So

Ein enger Freund von Kate zu sein bedeutet, dass ich den Hintergrund dieses Songs kenne und das Gefühl habe, durch die Traurigkeit mit ihr zu plaudern. Packt mich jedes Mal. Ich liebe Kate.

Benjamin Clementine - I wont complain

Ich kenne seine Musik noch nicht lang, aber ich bin jetzt schon so berührt von ihr. Ich habe Benjamin Clementine das erste Mal auf Tiny Desk Concert gesehen. Ich weiß, dass er ein paar Jahre auf der Straße gelebt hat. Ich habe ein paar Bücher über die Kämpfe von Menschen ethnischer Minderheiten gelesen – „Good Immigrant“ und „Hate Race“ sind wirklich zu empfehlen. Also höre ich die Musik aus dem Kontext dieser Bücher und versuche, die Kämpfe dieser Menschen zu verstehen.

Nina Simone - Black is the color of my true loves hair 

Ich liebe Nina, sie ist wie eine Göttin in meinen Augen. So ist so stark und schön und trägt das Gewicht aller Kämpfe ihrer Völker.

Katheryn Joseph - From when I wake the want is

Ich habe vor kurzem dieses Lied auf BBC6music gehört. Ein kleiner Traum von mir ist es, eine Show mit Katheryn Joseph zu spielen. Ich kann dieses Lied immer und immer wieder hören. Die Liebe und die Sehnsucht. Damit können wir alle etwas anfangen.

Joni Mitchell - Blue

Joni ist seit meiner frühen Teenagerzeit meine Lieblingskünstlerin. Sie wird allen Emotionen gerecht. Ich habe gelesen, dass sie aufgehört hat zu schreiben, als sie wieder mit ihrer Tochter vereint war. In all den Jahren war es die Trennung bei der Geburt, die sie dazu brachte, Lieder zu schreiben, um ihr Leiden zu lindern.

Joni Mitchell - Little Green

Hier geht es um ihre Tochter. Dieses Lied hat eine ganz neue Tiefe, jetzt wo ich auch Mutter bin. 

Sam Amidon - Saro

Das ist eins meiner Lieblingslieder. Es hat mich gleich beim ersten Hören wie einen Ruck erwischt. Ich lebte zu der Zeit alleine in Japan. Ich war wohl ziemlich einsam und habe mich damals ein bisschen in Sam Amidon verliebt.

Big Thief - Randy

Meine Freundin Charlotte, mit der ich seit kurzem zusammenarbeite, ist eine großartige Quelle für neue Musikfunde. Das ist das Neueste. Adrianne Lenker, die Leadsängerin, fasziniert mich sehr und ich möchte mehr über ihr Leben erfahren. Es gibt Hinweise in den Liedern, aber auch Rätsel. Die echte Traurigkeit ist zu spüren.

Diane Cluck - Touch Deprivation 

Diane Cluck schafft es, trotz großer Traurigkeit, skurril zu sein.

Andy Skellam - Green Moat

Ich beende diese Playlist mit engen Freunden. Die Traurigkeit der Freunde ist hart, verbindet uns aber auch. Wir können ein gemeinsames Einfühlungsvermögen, eine Hand, einen gegenseitigen Austausch haben. Traurigkeit in Liedern ist Konversation, und dadurch lassen wir unsere Barrieren fallen, weinen und umarmen uns gemeinsam. Dafür können wir uns alle besser fühlen.

Der Autor:

Martin Hommel ist freier Medienschaffender, Musiker und Musikliebhaber. Er betreibt den Blog Miserable Monday, auf dem es nur um traurige Indiemusik geht. Eine Idee, die er aus einem englischen Pub importiert hat, in dem jeden Montag ein DJ nur traurige Musik auflegte, niemand tanzte, keiner sprach und dennoch alle wahnsinnig erfrischt nach Hause gingen. 

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziert er zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem er frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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