Miserable Monday: Playlist von Sarah Walk

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Sonntagabend - Zeit für den Soundtrack zum Wochenstart. Unsere Miserable Monday Playlist - heute handgepickt von Sarah Walk. 

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Dass Sarah Walk mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hält, sich offen gegen das Patriachat stellt und kalte Blicke auf die institutionalisierte Männerdomäne wirft beweist sie immer wieder aufs Neue - so auch auf ihrem aktuellen Album "Another Me".

„I wanted to make a point early on with this record that there is a lot that women feel and experience outside of what exists in their romantic relationships”,fasst Sarah Walk ihr Zweitwerk zusammen.

Das von Leo Abrahams (Regina Spektor, Belle and Sebastian, Paul Simon, Pulp, David Byrne, Brian Eno) produzierte Album handelt von Herausforderungen mit denen Frauen im Alltag konfrontiert werden. Thematiken die sich auch auf ihr Songwriting auswirken - “many of which deal with burdens that I’ve carried or felt responsible for, which I believe has a lot to do with being a woman and being queer”. 

Seien es nun Dinge wie sich schuldig zu fühlen, wenn man sich mit einem klaren „nein“ positioniert oder aber auch sich für Sachen zu entschuldigen, für die man nichts kann. Oder wie Sarah sagt: “This is an album about being marginalised, being a woman, learning how to set boundaries without apology and be confident without feeling guilty for it. Learning how to love wholly without expectation.”

Die Songs auf „Another Me“ sind eine selbstreflektive Reise durch eine Zeit voller persönlicher Umbrüche. Marginalisierung, Überleben, Frauenfeindlichkeit und Verletzlichkeit, die auf der Suche nach sich selbst helfen, prägen und stärken. Sie bricht mit sämtlichen forcierten Erwartungshaltungen und übertrifft diese dennoch mit ihrem tiefgreifenden Songwriting und der selbstbewussten Haltung einer starken Frau, die auch in emotionalem Trubel ganz genau weiß für was sie einsteht. “The songs on my first album were a means to survive the immediate, and my songs on this album have been a journey in learning how to take up space and thrive in the long term.”

“Another Me” erschien am 28.08.20 auf One Little Independent Records.

DIE PLAYLIST

Madison Cunningham - When Love Loves Alone

Madison ist eine fantastische Songwriterin und Musikerin. Sie live zu sehen ist eine wahrhaft spirituelle Erfahrung, und ich denke, dieses Lied ist eines ihrer besten. Sie hat eine Art, Melodien zu schreiben, die auf einmal so verstreut und seidig sind, und ich denke, die Idee, Liebe allein zu lieben, ist absolut brillant.

The Western Den - Like You Do

Dieses Lied ist so schön und schmerzhaft, und die beiden Musiker sind auch zwei meiner engsten Freunde.

Nick Drake - Pink Moon

Dieses Lied ist für mich die Definition von Melancholie. Ich liebe dieses ganze Album so sehr - es ist die Art von Traurigkeit, von der du immer mehr willst.

Sufjan Stevens - Mystery Of Love

Verdammt, dieses Lied reißt mir jedes Mal das Herz heraus, wahrscheinlich weil es mich an „Call me by your name“ erinnert - ich habe die gesamte Heimfahrt vom Kino unkontrolliert geballt.

Radiohead - Pyramid Song

Ohne einen launischen Radiohead Song wäre es keine traurige Playlist! Ich liebe alles mit einer flachen 2-Akkord-Progression, und noch mehr, wenn die Taktart ein totaler Gedankenfick ist. Dieses Lied verwirrte mein kleines Gehirn, als ich es in der High School zum ersten Mal hörte, und ich verbrachte so viel Zeit damit, herauszufinden, in welcher Taktart es sich befand - um schließlich online zu lesen, dass es tatsächlich 4/4 war.

Jose Gonzalez - Heartbeats

Ich war schon immer ein großer Fan von Jose - ich liebe die Weichheit seiner klassischen Gitarre gepaart mit dem starken Sinn für Rhythmus, den seine Parts immer haben. Seine Musik ist so zart und warm.

Kings Of Convenience - Homesick

“homesick, cuz I no longer know where home is…”  Was für eine Line! Fasst im Grunde mein ganzes Leben zusammen… immer Heimweh und nicht genau zu wissen, wofür.

Fiona Apple - Love Ridden

Das war einer der ersten Songs, die ich jemals gehört habe, als ich das Gefühl hatte, dass es in Ordnung ist, eine wütende Frau am Klavier zu sein. Es hat mich wirklich verändert und mir die Bestätigung gegeben, die ich als junge Künstlerin brauchte. Fiona wird immer die Königin sein.

Bon Iver - Blood Bank

Dieses Lied erinnert mich an den Winter im Mittleren Westen. Ich habe dieses Lied zum ersten Mal gehört, als ich in der High School war, und es den ganzen Winter über zu Tode gespielt. Wunderschönes Lied mit so einem melancholischen Ton.

Joni Mitchell - Woman Of Heart & Mind

“I am a woman of heart and mind, with time on her hands, no child to raise…. You come to me like a little boy, and I give you my scorn and my praise…” Absolut herzzerreißend und brillant… Nur Joni konnte sich das als erste Line einfallen lassen.

Der Autor:

Der Miserable Monday ist die Erinnerung an verrauchte Pubnächte in Bristol, UK, in denen der DJ jeden Montagabend ausschließlich traurige Musik aufgelegt hat. Niemand hat getanzt, keiner gesprochen und alle gingen erfrischt nach Hause. Diese Erinnerung lebt hier weiter, wird neu entdeckt und erfunden. 

Ich bin Martin, 31 Jahre alt, wohne in Leipzig. Ich bin Musiker, Musiknerd, Radiomacher, ehemals Bookingagent und Tourmanager. Hier streue ich alles, was mich musikalisch beschäftigt. Alt und neu, Indie, Shoegaze, Folk, Dreampop, Electronica. Einzige Bedingung - traurig muss es sein. Warum? Weil der eine Song, den alle zu düster finden, genau der ist, der mein Leben erhellt.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziere ich zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem ich frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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