Miserable Monday: Playlist von Tusks

Die Playlist zum schlimmsten Tag der Woche

Emily Underhill, oder Tusks, bringt uns mit guter Musik in die neue Woche. Auf der Miserable Monday Playlist sind heute u.a.: Apparat, Daugther und Soap&Skin.

Credit: Toby Harvard

Wenn schon nicht live spielen, dann wenigstens the next best thing – ein Livealbum. Das hat sich Emily Underhill alias Tusks gedacht und am 25.09. ihre aktuelle Platte "Live at Village Underground" veröffentlicht. Aufgenommen bei ihrer dortigen Headline-Show im November 2019. Zu einer Zeit also, wo alles noch „normal“ war und die jetzt, zwölf Monate später, so unglaublich weit weg scheint.

Auf der Platte sind Live-Versionen von Songs ihrer ersten beiden Alben „Avalanche“ und „Dissolve“. Düster, roh, aber immer mit Gefühl singt sich Emily ihre Schmerzen vom Leib. In ihren Songs behandelt sie ihre eigene Zwangsstörung und Probleme mit mentaler Gesundheit und schwingt dabei musikalisch irgendwo zwischen Marika Hackmann, Daughter und Wolf Alice.

„Live at Underground Village“ ist ein fantastisches Livealbum, bei dem nicht nur die Songs unglaublich guttun. Auch das applaudierende Publikum weckt bei jeden Konzertgänger zwangsläufig nostalgische Gedanken und bei mir zumindest das optimistische Gefühl, dass wir das alle bald wieder erleben dürfen.

DIE PLAYLIST

Apparat, Soap & Skin - Goodbye
Ich bin ein großer Fan von Apparat und erinnere mich, dass ich von diesem Song so überrascht war, als er herauskam, weil er so anders war als seine anderen Veröffentlichungen. Es geht darum, sich in einer Beziehung zu verabschieden. Und die Texte beschreiben das Gefühl so perfekt, dass man einfach sein Inneres verdreht und selbst das Gefühl hat in dieser Situation zu sein. 

Daughter - Smother 
Daughter ist auch eine Band, die meiner Meinung nach so erstaunlich darin ist, Texte zu schreiben, die Lebenserfahrungen so präzise beschreiben, dass man das Gefühl hat, dass es die eigenen sind. Ich denke, das Gefühl, eine Last für andere zu sein, ist etwas, mit dem viele Menschen zu kämpfen haben.

 
Lord Huron - The Night We Met
Ich bin auf dieses Lied gestoßen, als es in 13 Reasons Why verwendet wurde, und es hat mich wirklich erwischt. Der Refrain - "I had all and then most of you, some and now none of you, take me back to the night we met" trifft mich wirklich. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn es Leuten gelingt, Texte zu schreiben, die so einfach, aber so effektiv sind. Es ist ein perfektes Lied für mich.
 
Ben Howard - End Of The Affair 
Ich bin mir nicht sicher, was er am Ende singt, aber ich höre es immer als 'this is hell, what the hell' und jedes Mal, wenn ich es höre, erschaudert es mich. Ich habe ihn live in London spielen sehen und er hat es in seine Gitarren-Tonabnehmer geschrien - es war so mächtig.
 
Lapalux, Lilia - Limb To Limb
Ich bin ein bisschen besessen von allem, was Lapalux veröffentlicht, und Lilias Stimme dazu ist so schön - es fühlt sich wirklich untertrieben an und hat einen so großen Einfluss auf mich.

Julien Baker - Appointments 
Dieses ganze Lied ist einfach so roh und persönlich und ich fühle wirklich diese Erfahrung, psychische Gesundheitsprobleme zu durchlaufen und eine Beziehung damit zu schädigen. Es ist ein so schmerzhaftes und nachvollziehbares Lied.
 
Justin Vernon - Love More (Live)
Ich liebe Musik, die wirklich live klingt und das große Nachhallgefühl hat, das dieser Song hat. Justin Vernon schreibt und singt immer ein erstaunlich trauriges Lied, aber ich mag es, dass dieses etwas seltener und nicht so überspielt ist.

Sampha - Can't Get Close
Die Stimmlage ist wunderschön - er ist so ausdrucksstark mit seiner Stimme und sie hat einen so schönen Ton. Ich erinnere mich, dass ich diese EP gehört habe, als ich zum ersten Mal nach London gezogen bin. Es ist so nostalgisch für mich.
 
The Cinematic Orchestra, Tawiah - Wait For Now / Leave The World 
Dieses Lied ist so cineastisch und gibt mir von Anfang an immer dieses intensive Gefühl der Melancholie. Ich liebe es, wie es aufgebaut ist und Tawiahs Stimme ist unglaublich, besonders wenn die Harmonien hereinkommen und das Ende sich einfach wie ein Traum anfühlt.
 
Burial - Come Down To Us 
Ich denke, Burial ist echt auf einer anderen Ebene, wenn es um Tracks wie diesen geht - es ist mehr wie ein kurzer Audiofilm als ein Song und so strukturiert und bewegt sich durch all diese verschiedenen Szenen. Ich denke, Burial ist einer dieser Künstler, die man nur alleine über Kopfhörer hören möchten, wenn man im Dunkeln auf dem Bett liegen. Ich habe immer das Gefühl, etwas durchgemacht zu haben, wenn ich mir diese EP anhöre.

Der Autor:

Der Miserable Monday ist die Erinnerung an verrauchte Pubnächte in Bristol, UK, in denen der DJ jeden Montagabend ausschließlich traurige Musik aufgelegt hat. Niemand hat getanzt, keiner gesprochen und alle gingen erfrischt nach Hause. Diese Erinnerung lebt hier weiter, wird neu entdeckt und erfunden. 

Ich bin Martin, 31 Jahre alt, wohne in Leipzig. Ich bin Musiker, Musiknerd, Radiomacher, ehemals Bookingagent und Tourmanager. Hier streue ich alles, was mich musikalisch beschäftigt. Alt und neu, Indie, Shoegaze, Folk, Dreampop, Electronica. Einzige Bedingung - traurig muss es sein. Warum? Weil der eine Song, den alle zu düster finden, genau der ist, der mein Leben erhellt.

Zu den regelmäßigen Künstlerfeatures produziere ich zweimal im Monat einen Musikpodcast für Radio T (jeden 1. und 3. Montag um 21.00 Uhr), in dem ich frisch-releaste, traurige Musik vorstellt. Den aktuellen Podcast findet ihr hier zum Nachhören: www.mixcloud.com/Miserable_Monday

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