MTV schafft sich selbst ab

Deutsches Programm soll drastisch gekürzt werden

Back to basic geht es gerade bei MTV. Der Sender kündigte umfassende Kürzungen und Änderungen in seinem Programm an und plant unter anderem die deutschen Eigenproduktionen weitgehend zu streichen. Damit wäre der große alte Mann des Musikfernsehens Markus Kavka wohl auch weg vom Fenster.

MTV gibt einigermaßen erwachsenen Menschen ja schon seit längerem keinen Anlass mehr, sein Programm zu schauen. Die nervige Klingeltonwerbung im Zehnminutentakt dürfte vermutlich auch den letzten halbwegs Musikinteressierten vergrault haben. Da wundert es schon fast, dass Markus Kavka sich in seinen Sendungen immer noch um einen Rest Authentizität und Bildungsfernsehen bemüht. Doch damit dürfte es jetzt auch vorbei sein, denn die Senderleitung hat einen umfassenden Sparkurs angekündigt, wie jetzt.de berichtet.

Unter anderem sollen die beiden sendereigenen Kanäle Comedy Central und der Kinderkanal Nick zusammen gelegt werden. Überwiegend billig eingekaufte US-Produktionen sollen für Zuschauer sorgen, während die deutschen Eigenproduktionen auf bewährte Formate und Gesichter wie Rent-A-Pocher oder Ulmen.tv zusammen gekürzt werden sollen.

Was das alles mit Musik zu tun hat? Nichts. Denn auch auf MTV werden zukünftig überwiegend wieder US-Produktionen zu sehen sein, die zwischen den Klingeltonwerbungen die pubertierenden Teenager zum Einschalten bewegen sollen. Sendungen wie MTV Rockzone oder MTV Urban werden nur noch Videos abspielen und nicht mehr moderiert. Ähnliche Kürzungen soll es auch beim anderen ehemaligen Musiksender Viva geben, der inzwischen MTV Networks gehört.

Damit dürfte wohl das Ende des Musikfernsehens, wie wir es kannten, endgültig vollzogen sein. Aber es gibt keinen Grund zur Trauer, denn die Zukunft wird dort stattfinden, wo die Musik sowieso längst spielt: im Internet. Und MTV wird dabei nur noch Zuschauer sein.

Udo Raaf / Tonspion.de

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