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Musik als Waffe: Doku über "Rechte Musik" in Deutschland

Eindringliche Arte-Doku zeigt den Kampf der Anwohner gegen Neonazi-Konzerte

In der thüringischen Kleinstadt Themar finden immer wieder Neonazi-Konzerte statt. Eine packende Arte-Doku widmet sich dem Thema und fragt: Können die Bürger Themars die Rechtsrock-Konzerte je wieder loswerden?

Seit Jahren wächst in Deutschland eine rechte Musikszene heran, die in vielen Orten Konzerte oder Festivals veranstaltet: 2017 erreichen die Neonazi-Konzerte mit 289 Veranstaltungen und einer 30-prozentigen Steigerung zum Vorjahr einen neuen traurigen Höchststand. Wie die Anwohner eines solchen Ortes mit dem Spuk umgehen, zeigt die eindringliche Arte-Doku, die hier in voller Länge angesehen werden kann und in der Arte-Mediathek bis zum 16.10.2018 verfügbar ist.

Doku: "Re: Mutig gegen Rechtsrock. Eine Kleinstadt wehrt sich"

Eine befragte Bürgerin sagt in dem Film, der Rechtsrock sei im Endeffekt die "Begleitmusik für Mord und Totschlag". Thomas Jakob und ein paar Verbündete wollen ihre Heimat nicht diesen angeblichen "Heimatverbunden" überlassen, die zu Tausenden in den Ort einfallen. Die Mitstreiter um Jakob wollen verhindern, was sich am 15.07.2017 in Themar abspielte - nämlich eines der größten Rechtsrock-Konzerte der Nachkriegszeit mit über 6.000 Neonazis aus ganz Europa, das der Kleinstadt eine fragwürdige Berühmtheit bescherte.

In Aufnahmen ist zu sehen, wie die Konzertgäste den Hitlergruß zeigen und "Sieg Heil" brüllen, dennoch erlaubte das Oberverwaltungsgericht Weimar, dass in Themar auch 2018 wieder ein derartiges Konzert stattfinden konnte. Solche Veranstaltungen der rechten Szene werden oft als politische Kundgebungen eingestuft und stehen damit unter dem Schutz der grundgesetzlich geschützten Versammlungsfreiheit.

Rechtsextremismus-Experten sehen darin aber auch eine Vernetzungschance der gesamten Szene, denn es reisen – wie bereits 2017 in Themar geschehen – sehr viele Neonazis aus dem Ausland an. Zudem funktionieren diese Konzerte auch als Einnahmequelle für die Rechten, denn es werden dabei zahlreiche fragwürdige Bücher, CDs oder T-Shirts verkauft.

Insofern ist die Gegenwehr der Anwohner eine wichtige Sache, denn sie ist nicht nur gesellschaftlich sowie politisch notwendig, sondern zeigt auch, dass diese Konzerte keine "musikalische" Angelegenheit sind.

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