Musik aus dem Netz ist nie kostenlos

Die Autoren Joakim Landegren und Patrick Liu haben im Rahmen ihrer Master`s Thesis an dem Royal Institute of Technology (KTH) in Stockholm die unterschiedlichen Interessen der Konsumenten, Vertriebe, Content-Inhaber und Musiker untersucht. Eine der Kernaussagen ihrer Arbeit: die Idee von kostenlosen Musik-Downloads im Internet ist ein Mythos. Ein Bericht von Momag.net.

Die beiden Autoren von "Usability Factors in Digital Music Distribution Services and Their Relationships with Established and New Value Chains in the Music Industry" ? so der vollständige Titel ihrer Arbeit ? schlagen daher vor, dass die Unterhaltungs- und insbesondere Musikindustrie gut daran tun würde, Vereinbarungen mit den Telekom-Unternehmen und Internet-Providern bezüglich "Revenue Sharing" zu schliessen, anstatt weiterhin massiv gegen kostenlose, aber mithin illegale Peer-to-Peer(P2P)-Services wie Kazaa (mit mittlerweile immerhin über 190 Millionen Downloads der Client-Software) vorgehen oder in Digital Rights Management (DRM) Systeme zum Schutz digitaler Inhalte zu investieren.

Das Generieren von Traffic ist das wichtigste Ziel von Telcos und Providern wie etwa der British Telecom oder der Deutschen Telekom, die in den Betrieb von Netzwerk-Technologien wie etwa 3G (die dritte Generation der Mobilfunktechnik) investieren. Das Schliessen von Napster war in dieser Hinsicht ein "kalter arktischer Schauer" für dieses Industriesegment, glauben die schwedischen Diplomanden. Nach und nach wurden neue Filesharing-Technologien wie Gnutella oder Freenet verfügbar, die schwieriger zu greifen und deren Tausch-Aktivitäten schwieriger zu verfolgen sind.

Es gibt bereits Schätzungen, denen zufolge die Anzahl der aktiven Filesharer in P2P-Systemen die 100-Millionen-Grenze überschritten habe. Eine der wenigen Annahmen, die in der Öffentlichkeit zu den Grund-Kosten eines Downloads gemacht wurde, stammt von Charles Grimsdale, Geschäftsführer des britischen Digitalmusik-Dienstleisters OD2, an dem auch Peter Gabriel beteiligt ist: er schätzt, dass jeder Download in Grossbritannien den User 60 Eurocent kostet.

Landegren und Liu schätzen in einem interessanten, aber in den gemachten zahlreichen Annahmen wackeligen Gedankenexperiment, dass die weltweiten Ausgaben der Nutzer für (kostenlose) Musik-Downloads selbst bei konservativen Annahmen bei rund 11 Milliarden US-Dollar liegen dürften. Dem stünden "nur" 3,8 Milliarden Dollar geschätzter Profit aus CD-Tonträgerverkäufen gegenüber (bei einer Annahme, dass 10 Prozent der weltweiten Umsätze ? rund 38 Mrd. US-Dollar ? Gewinne sind, in Wahrheit liegt dieser Anteil wohl eher zwischen 4 und 8 Prozent). Mit anderen Worten: die Telcos und Provider verdienen massiv auf Kosten der Tonträgerhersteller. Es sei daher an der Zeit, eine Balance herzustellen.

Zwar hat die Industrie die Wichtigkeit digitaler Kanäle längst erkannt, aber es gibt bis heute kein erfolgreiches, von den Nutzern akzeptiertes Angebot. Heute konkurrieren vergleichsweise teure, in Repertoire und Nutzungsmöglichkeiten beschränkte Angebote mit P2P-Services, die kostenlos und (beinahe) unbeschränkt zur Verfügung stehen. Umso höher ist der Druck, endlich ein akzeptables Angebot auf die Beine zu stellen.

Den kompletten Artikel gibt es beim Branchenmagazin Momag.net

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