Musik ist unprofitabel

Bertelsmann will sich aus der Musikbranche verabschieden

Immer mehr Menschen hören dank Internet Musik. Doch immer weniger sind bereit, dafür zu bezahlen. Das veranlasst Bertelsmann nun zu einem drastischen Schritt. Das Unternehmen möchte seine Tochter BMG abstoßen.

Der Zerfall der Musikindustrie geht weiter. Nur eineinhalb Jahre nach der Elefantenhochzeit von BMG und der Sony will sich Bertelsmann nun angeblich endgültig vom Musikgeschäft verabschieden. Schuld sei der anhaltende Umsatzrückgang in der Musikindustrie der vergangenen Jahre. Hatte man sich von der Fusion mit der Sony noch einen Aufschwung erhofft, wurden die Erwartungen enttäuscht. Der gemeinsame Anteil am Musikmarkt ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren sogar noch geschrumpft, alleine im vergangenen Jahr musste man einen Rückgang von 16.5 Prozent verzeichnen.

Außerdem war man mit dem japanischen Partner in der Vergangenheit öfter zusammengerasselt, so etwa bei der Vergabe des Geschäftsführer Postens an BMG-Mann Rolf Schmidt-Holtz. Auch bei Sony zweifelt man offenbar an der Zukunftsfähigkeit der Musikindustrie. Ob es für die malade Firma allerdings derzeit überhaupt Kaufinteressenten gibt, ist fraglich. Denn Wunder sind in nächster Zeit wohl nicht zu erwarten, sträubt sich die Musikindustrie doch weiterhin hartnäckig im Online-Musikgeschäft mit neuen, mehrheitsfähigen Geschäftsmodellen zu experimentieren oder auf umstrittene Kopierschutz-Systeme zu verzichten, die für die vergleichsweise bescheidenen Zahlen im Downloadgeschäft mit verantwortlich gemacht werden.

Damit ist ein weiterer Schritt in Richtung des vielerorts prophezeiten Untergangs der Musikindustrie vorgezeichnet. Doch eines ist sicher: weniger Musik wird es dadurch nicht geben. Vielleicht nur etwas weniger industriell gefertigte Massenware. (ur)

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