Mutter verklagt Plattenindustrie

Die Mutter einer Tauschbörsen-Nutzerin aus New Jersey reagiert jetzt mit ungewöhnlichen Mitteln auf eine Klage der großen US-Plattenfirmen: In einer Gegenklage wirft sie den Labels verbrecherische Erpressung vor.

Michele Scimecas 13-jährige Tochter hat sich rund 1400 Songs mit Kazaa aus dem Netz geladen und anderen diese zum Download angeboten. Die großen Plattenfirmen klagten deshalb im Dezember gegen Scimeca und warfen ihr Copyright-Verletzungen vor. Ein derartiges Vergehen kann mit bis zu 150 000 US-Dollar Schadensersatz pro angebotenem Werk geahndet werden ? auf Scimeca könnte damit eine Schadensersatzsumme von bis zu 210 Millionen Dollar zukommen. Die Plattenfirmen erklärten deshalb großzügig, dass man sich auch vor der Eröffnung eines eigentlichen Verfahrens außergerichtlich auf die Zahlung eines Strafgeldes einigen könnte.

Diese Taktik erwies sich bisher im Umgang mit P2P-Sündern als recht erfolgreich: Knapp 400 Beschuldigte haben nach Angaben der RIAA zwischen 3000 und 10 000 US-Dollar gezahlt. Doch Scimeca wollte sich auf einen solchen Deal nicht einlassen. In einer Gegenklage wirft sie der Musikindustrie nun versuchte Erpressung und Betrug vor. Dabei beruft sie sich unter anderem auf ein Gesetz, das zur Verfolgung des organisierten Verbrechens geschaffen wurde. Die Erfolgschancen dieser Klage werden allgemein als eher gering eingeschätzt. Doch wenn das Gericht sich auch nur dazu entscheiden sollte, das Verfahren vor einer Jury zu eröffnen, könnte dies die Taktik der Industrie in einem schlechten Licht dastehen lassen.

Beobachtet werden dürfte das Verfahren auch in Deutschland. Vertreter der deutschen Musikwirtschaft haben wiederholt erklärt, dass sie sich ähnliche Verfahren gegen Tauschbörsennutzer wie in den USA wünschen. (jr)

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