Nach dem Ende von Youtube-to-MP3: mehrere Streamripper gehen vom Netz

Wie lange bleibt das Rippen von Videos noch erlaubt?

Seiten, auf denen man Youtube Videos in MP3 umwandeln kann sind weiterhin sehr populär. Nachdem dem größte Dienst Youtube-to-MP3 eine Milliarden-Klage der Musikindustrie bevorstand, stellte der Dienst in einem Vergleich sein Angebot ein. Doch es gibt unzählige andere Anbieter, die den kostenlosen Download von Musik ermöglichen. 

Youtube-to-MP3 erhielt im verganganen Jahr eine Abmahnung von der Musikindustrie, in der man dem Dienst vorwarf mit Milliarden von Seitenaufrufen mehrere Hunderttausend Dollar verdient zu haben, und dabei jedesmal einen Rechtsbruch zu begehen. 150000 Dollar Schadensersatz forderte die Musikindustrie  pro geripptem Song, es geht also um unvorstellbare Summen. Die Seite war zuletzt für fast 40 Prozent aller konvertierten Songs im Netz verantwortlich und so rechnet die Musikindustrie offenbar mit im Schnitt 150000 Downloads pro Song.

Die populäre Seite wandelte beliebige Youtube-Videos in MP3 um, vor allem Menschen, die Musik aus den Charts hören und denen die Soundqualität egal ist, nutzten das Angebot sehr gerne, denn illegal ist die Nutzung solcher Angebote keineswegs. 

Es ist kein Fall bekannt, in denen gegen die Nutzer von Streamrippern vorgegangen wären. Doch offenbar hat die Musikindustrie ein gewichtiges Argument gefunden, warum youtube-to-MP3 gegen geltendes Recht verstößt. Deshalb haben in der Folge auch weitere ähnliche Dienste aufgegeben, die offenbar Angst vor einem Gerichtsverfahren bekomen haben.

So sind die Seiten Pickvideo, Video-download.co und Easyload nicht mehr zu erreichen. Alle Dienste funktionierten gleich: man gibt eine Video URL in ein Suchfeld ein und anschließend wird die Tonspur des Videos aufgezeichnet und als Download bereit gestellt. Ein technisch simpler Vorgang mit dem man in den letzten Jahren sehr viel Geld verdienen konnte ohne arbeiten zu müssen. Man verdient einfach Geld mit der Leistung anderer. Geld das eigentlich den Kreativen zusteht.

Bild: So einfach funktionieren Streamripper. 

Youtube-to-MP3 gehörte lange zu den populärsten Websites in Deutschland und hat auch Angebote wie unseres von den vorderen Positionen auf Google verdrängt. Auch bei uns kann man MP3 gratis downloaden, aber wir stellen nur Musik vor, die auch von Künstlern und Labels dafür frei gegeben worden ist. Google - zu dem Youtube gehört -  ist also maßgeblich mitverantwortlich für den enormen Erfolg dieser Plattformen, die massenhaft Rechte von Komponisten und Plattenfirmen brechen. 

Noch heute findet man mit der Suche nach "mp3 download" solche Streamripper auf den ersten vier Plätzen. Weit über 20 Anbieter und Browser Addons gibt es noch auf dem Markt und ein Ende ist nicht abzusehen. Google listet nun einfach andere Converter-Seiten und den Nutzern ist es völlig egal, wie diese heißen, so lange sie funktionieren. Google ist offenbar auch völlig egal, dass die AGB seiner eigenen Tochter missachtet werden von diesen Anbietern. 

Alle Angebote machen sich eine Besonderheit im deutschen Urheberrecht zunutze, nachdem die Privatkopie in Deutschland erlaubt ist. Wer einen Stream von Youtube kopiert fertigt sich also eigentlich nur eine Privatkopie an.

Doch was der Anbieter macht, ist eindeutig keine Privatkopie, sondern eine kommerzielle Kopie von Musik und im Fall einer Klage würde das Urheberrecht vermutlich auch so ausgelegt werden, denn Songs auf Youtube dürfen laut AGB nicht kopiert werden. 

Empfohlene Themen

EU Copyright

EU-Urheberrechtsreform: Das Ende der Memes?

Pro und Contra zur Urheberrechtsreform
Das Europaparlament hat der umstrittenen Reform des Urheberrechts zugestimmt. Damit sollen Plattformen wie Google, YouTube oder Facebook verpflichtet werden, Kulturschaffende oder auch Medien zu vergüten, wenn sie deren Werke nutzen. Die Meinungen gehen weit auseinander, ob das Zensur oder Gerechtigkeit bedeutet.
Shields
TONSPION TIPP

Tonspion: Unsere Entdeckungen aus dem Netz #45

Was gibt's Neues auf Soundcloud, Youtube und Co.?
Neben den großen Releases veröffentlichen unzählige Musiker und Musikerinnen ihre Musik tagtäglich im Netz. Wir haben sie uns angehört und präsentieren Euch die besten Neuentdeckungen in einer Playlist. Die Sparte reicht diesmal von Indie-Elektro über Singer-Songwriter-Pop bis hin zu Alternative.
The Oceans
TONSPION TIPP

Tonspion: Unsere Entdeckungen aus dem Netz #44

Was gibt's Neues auf Soundcloud, Youtube und Co.?
Neben den großen Releases veröffentlichen unzählige Musiker und Musikerinnen ihre Musik tagtäglich im Netz. Wir haben sie uns angehört und präsentieren Euch die besten Neuentdeckungen in einer Playlist. Die Sparte reicht diesmal von Synthwave über Indie Pop bis zu Shoegaze und einer Prise Polkapunk.
YouTubeScreenshot: Guns N’Roses „November Rain“

Guns N'Roses: "November Rain" bricht YouTube-Rekord

Meilenstein mit einer Milliarde Aufrufen
Die Band Guns N’Roses hat einen YouTube-Rekord mit einem Song gebrochen, der bereits vor der Ära der Videoplattform erschien: Der Clip zu dem 1991 erschienenen Lied "November Rain" wurde mittlerweile eine Milliarde Mal angesehen und gilt demnach als das meistgeklickte Video der Neunziger Jahre.
Late Verlane (Bild: Sarah Liisborg)
TONSPION TIPP

Tonspion: Unsere Entdeckungen aus dem Netz #43

Was ist neu auf Soundcloud, YouTube und Co.?
Neben den großen Releases veröffentlichen unzählige Musiker und Musikerinnen ihre Musik tagtäglich im Netz. Wir haben sie uns angehört und präsentieren Euch die besten Neuentdeckungen in einer Playlist. Die Sparte reicht diesmal von Dreampop, über Indie Pop, hin zu Trip-Hop bis zu Shoegaze – und eine ungewöhnliche Cover-Version gibt es obendrein.