Napster: Regierung soll helfen

Napster bittet den US-Kongress um Hilfe, weil wichtige Plattenfirmen sich standhaft weigern, ihre Lieder der Tauschbörse zur Verfügung zu stellen. Und dabei scheint die Musikindustrie derzeit einzulenken – siehe Rhapsody.

Es ist ein Problem, ein existenzielles sogar: Wer ein MP3-Portal führt und das legal, darf nur Songs anbieten, wenn die jeweilige Plattenfirma das erlaubt. Die meisten gestatten es bisher jedoch nicht, was die Auswahl bei so manchem Auftritt enorm verkleinert.

Seit Monaten verhandeln nun schon die neuen Napster-Herren mit den Major-Labels, um an die Rechte von deren Songs zu kommen ? ohne Erfolg. Binnen einer Woche könne Napster endlich an den Start gehen, wenn denn endlich Lizenzvereinbarungen mit den fünf wichtigsten Major-Labels getroffen wären. Das behauptet Napster-CEO Konrad Hilbers bei der Future Of Music Conference in Washington. Und weil der Napster-Start wohl vor allem wegen fehlender Lizenzvereinbarungen seit Monaten verschoben wird, ist Hilbers nun sauer und sagte in Washington folgendes: ?Wenn es nicht kurzfristig zu einer Einigung zwischen den Rechteinhabern und den Betreibern neuer Vertriebswege kommt, bleibt dem Kongress wohl keine andere Wahl, als eine Lizenzsumme für Songs festzulegen.? Im Klartext: Wenn die Labels weiter rumzicken, müssen die Regierenden einschreiten und durchgreifen.

Das haben sie indirekt eigentlich schon getan, vielleicht hat?s Napster nur noch nicht gemerkt. Seit mehreren Monaten ermittelt zum Beispiel das US-Justizministerium gegen einige Plattenfirmen. Der Vorwurf: Major-Labels haben wettbewerbswidrige Absprachen getroffen und weigern sich, anderen MP3-Plattformen Rechte zu verkaufen als den eigenen, um so die unliebsame Konkurrenz auszubooten. Online-Unternehmen wie FullAudio und Uplister hatten sich beschwert, da sie von den Labels keine Lizenzen bekamen, die Konkurrenten der Musikindustrie wie pressplay und MusicNet hingegen aus den Vollen schöpfen konnten. Unlauterer Wettbewerb sei das.

Der dezente Druck der Justiz zeigt nun Wirkung: Die Netz-Musik-Händler von Listen.com haben mit den Majors EMI und BMG Lizenzvereinbarungen getroffen. Nun dürfen sie ihren im Dezember gestarteten Abo-Dienst Rhapsody mit Liedern der Labels bestücken. Vorher gab?s hier nur Songs von relativ unbekannten Independent-Labels. Ob das Beispiel Schule macht, wird sich zeigen. Napster zumindest zählt die Tage...
(th)

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