Neue Serie: Die besten kostenlosen Alben und EPs

Warum verschenken manchmal ein lukratives Geschäft ist

Seit elf Jahren präsentieren wir euch täglich die beste Musik, die kostenlos und legal im Netz veröffentlicht wird. Und das macht heute quasi jeder Künstler, der was auf sich hält. Normalerweise sind das nur einzelne Tracks, doch inzwischen werden auch immer mehr Alben, Compilations und EPs für lau angeboten. Wir haben die besten zusammen gesammelt.

Normalerweise ist ein Free Download nur Werbung für ein neues Album. Die Idee: überzeugt der kostenlose Track, kauft sich der geneigte Hörer vielleicht eher das Album, als wenn er es gar nicht erst zu Gehör bekommt. Ganz nebenbei ist es eine enorm kostengünstige und klickfreudige Werbeform für jeden Künstler und jedes Label, einfach mal einen Track zu verschenken. Doch inzwischen werden auch immer mehr ganze Alben oder EPs gleich kostenlos im Internet veröffentlicht, wie unsere Übersicht zeigt. Das hat ganz unterschiedliche Hintergründe.

Während die einen vielleicht mit maximal ein paar hundert verkauften Alben rechnen und sich sagen: dann lieber gleich verschenken, damit mehr Leute die Musik hören, steckt bei den anderen nüchternes Kalkül dahinter. Radiohead etwa haben mit der kostenlosen Veröffentlichung ihres Albums "In Rainbows" weltweit so viel wertvolles Medienecho erhalten, wie sie für ein Kauf-Album niemals bekommen hätten. Das Album verkaufte sich später, als es ganz offiziell auch in den Handel kam, trotzdem oder genau deshalb wie geschnitten Brot. Trent Reznor von Nine Inch Nails verkauft heute nur noch Fan-Pakete und verschenkt alles andere im Netz. Die nackten Files sind meistens kostenlos, doch wer auch eine schöne Packung, exklusives Material etc. dazu haben möchte, dem bietet Reznor eben auch die Möglichkeit, die Deluxe-Variante zu kaufen, direkt auf seiner Homepage - ohne Umwege über Labels, Vertriebe und den Handel. Diese Strategie wählte er auch für den Soundtrack zum Facebook-Film "The Social Network" und erfindet so das Musikbusiness 2.0 quasi im Alleingang.

"Connect with fans and give them a reason to buy", auf diese schlichte Formel bringt der Online-Spezialist Mike Masnick von Techdirt dieses neue, sehr lukrative  Musikbusiness. Es beruht auf der Annahme, dass sowieso nur Fans für Musik bezahlen wollen, alle anderen sind eher Passanten, die sich vielleicht mal beiläufig etwas anhören, aber kaum bereit sein werden, dafür zu zahlen. Und da Künstler heute nicht mehr nur von Plattenfirmen abhängig sind, bleibt am Ende viel mehr vom Kuchen direkt bei ihnen, statt nur ein paar lausige Krümel, mit denen sie sich früher noch zufrieden geben mussten. So rechnet sich das neue Geschäftsmodell selbst bei vergleichsweise kleinen Stückzahlen. Scott Cohen vom Online-Vertrieb The Orchid und Manager von The Raveonettes rechnet vor, dass ein echter Fan bis zu 150 Dollar im Jahr für seinen Lieblingskünstler ausgibt. Wenn man ihm entsprechend attraktive Angebote macht, für die er gerne die Kreditkarte, notfalls auch die von Papi, zückt.

Und es gibt viele weitere Beispiele, wie mit kostenlosen Downloads auch ein Geschäft entsteht: Das Glastonbury Festival verschenkt seinen Sampler mit verschiedenen namhaften Künstlern natürlich in Kooperation mit einem großen Magazin, dem NME und bekommt so wertvolle Aufmerksamkeit - und am Ende viele zahlende Gäste. Labels geben einen Überblick über ihren aktuellen Künstlerstamm, Produzenten und DJs veröffentlichen ihre Mixtapes im Netz statt auf Kassette und Bands ehren ihre musikalischen Helden mit Tribute-Alben, die dann ebenfalls häufig im Netz verschenkt werden. Weil es eben nicht immer nur um den Kommerz geht, sondern manchmal auch einfach nur um die Musik an sich.

All dem tragen wir Rechnung mit unserer Bestenliste "Alben und EPs", die wir in Zukunft regelmäßig updaten werden. Wenn ihr im Netz etwas entdeckt sagt uns einfach Bescheid und postet auf unsere Facebook-Pinnwand oder schickt uns eine Mail.

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