Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Bob Marley, Cat Stevens, Bootsy Collins und 1000 Robota

„Popschau“ - das ist unser wöchentlicher Blick ins Pop-Feuilleton. Welche Platten haben in der letzten Woche die Schreiber in den großen Redaktionen zu Lobeshymnen oder Schmähkritiken hingerissen? Was ist sonst noch passiert, und was macht eigentlich Bootsy Collins?

ESC all over! Im Blätterwald wird nach dem Sieg von Aserbaidschan eifrig analysiert. Vereinzelt gibt es auch noch Artikel zu lesen, die sich an Düsseldorf als Austragungsort abarbeiten müssen, aber im Großen und Ganzen ist man doch einfach nur froh, dass der ESC vorbei ist. Deshalb kein weiteres Wort mehr dazu.

In der letzten Woche jährte sich zum 30. Mal der Todestag von Bob Marley, dem laut Uh-Young Kim auf SPON „Säulenheilige(n) von notorischen Weltverbesserern und Held(en) aller Parktrommler“. Kim versucht Marleys Spuren in der Musik des Jahres 2011 nach zu spüren und findet ausgerechnet im Dubstep von James Blake und Burial Reste vom Erbe Marleys: „Wenn bei ihnen der Subbass vibriert, schwingt die Klangästhetik aus dem Reggae mit, der mit den karibischen Migranten ins Vereinigte Königreich kam.“ oder in der globalisierten Clubmusik von Diplo, der „zu Marleys Tuff Gong Studio in Kingston (pilgerte) - in der Hoffnung, von den Vibes des Meisters inspiriert zu werden.“

Nadine Lange vom Tagesspiegel hat „Utopia Ltd.“, Sandra Trostels Dokumentarfilm über die ob ihrer Großmäuligkeit umstrittene Hamburger Band 1000 Robota gesehen, der seit dieser Woche im Verleih von Rapid Eye Movies in ausgewählten Programmkinos zu sehen ist (Genaue Termine hier). Ihr Schluss: „'Utopia Ltd.' zeigt sehr anschaulich, wie schwierig dieses vom Bedeutungsverfall physischer Tonträger gebeutelte Geschäft inzwischen ist. Die Entscheidung von 1000 Robota, nicht bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest mitzumachen, kann man in diesen Zeiten tatsächlich als Selbstsabotage sehen. Wie der Rückzieher der Band allerdings zum Beweis ihrer Integrität aufgebauscht wird, ist übertrieben und dient letztlich nur der Imagepflege.“

Sabine Vogel von der Berliner Zeitung war mit gemischten Gefühlen beim ersten Cat Stevens Konzert in Deutschland nach 35 Jahren: „Den gehobenen Altersdurchschnitt und die eher hausfrauenhafte Couchkomfort-Nonchalance der übrigen etwa 15000 Besucher konnten die Kopftuchgirlies freilich kaum aufmischen. Als ob es nicht peinlich genug wäre, sich als sentimentaler Cat-Stevens-Fan zu outen, regredierte das Publikum dankbar zum kindischen Popfan. Zu 'Morning Has Broken' erhob sich ein kollektiver Seufzer, Handys wurden aufgeklappt und geschwenkt, Köpfe mit Neonstirnbändern wiegten sich selig, und ergriffen schunkelte man zur ach so sehnsuchtsfernen 'Wild World'.“

Bootsy Collins, legendärer Bassist von James Brown und George Clinton hat mit „The Funk Capitol of The World“ ein neues Soloalbum veröffentlicht. Im Interview mit Thomas Winkler von der Taz erinnert sich Collins an die Zeit, als er als 17-jähriger in James Browns Band den Bass spielte: „James Brown wusste, wie man uns als Band dirigierte. Er tat es mit seinem Körper. Wir spielten einfach, was wir sahen. Er war eine Art hüpfender Gummiball. Ich musste nur James Brown beobachten und meine Finger spielten automatisch im Rhythmus.“

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