Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Kraftklub, Kiss, Nicolas Jaar und Retromania

Retromania und kein Ende: Das Thema des letzten Jahres bleibt auch 2012 auf der Agenda des Pop-Feuilletons. Das zeigt Florian Schneiders Tonspion-Popschau in dieser Woche, in die sich mit Kraftklub und Nicolas Jaar trotzdem zwei neue Acts geschlichen haben.

Zurück in die Zukunft

Klaus Walter beschäftigt sich in der Süddeutschen mit der Frage „Woher kommt der Retro-Trend?“ Die Antwort ist einleuchtend: „Jedenfalls haben wir noch keinen Weg gefunden, mit Reichtum und Vielfalt neuer Kulturproduktion anders umzugehen, als in die Vergangenheit zu flüchten“. Seine Diagnose: „Retromania ist ein Schutzschild, ein Akt der Verteidigung der eigenen Vergangenheit vor der viel zu komplizierten Gegenwart“.

Die Reise ins Ich

Kraftklub sind die Band der Stunde. Kai Müller vom Tagesspiegel sieht in ihrer Musik einen „bizarren Minderwertigkeitskomplex“ am Werke: „Das Kraftklub-Ego ist ein merkwürdig verkümmertes“, das „sich vorlaut und unabhängig“ gibt, aber nicht den Mumm hat „das Leben in der Provinz als gloriose Alternative zu feiern“. Stattdessen wird sich beklagt darüber, dass man „unwillig ist, sich dem Treck in die Hauptstadt anzuschließen“, und Kraftklub damit „ein Fall für den Therapeuten“.

School Of Rock

Dietmar Dath, ehemals Chefredakteur der Spex, darf in der FAZ über sein Lieblingsthema schrieben: Heavy Metal. Zum 60. Geburtstag von Kiss-Frontmann Paul Stanley hat Dath wieder ein paar seiner unnachahmlichen Sätze gedrechselt, die mehr Vergnügen bereiten als jeder Song von Kiss, „die Faschingsbeatles des karosserieknirschenden Auto-Industriestadt-Rock-and-Roll“, in deren Stücken sich „mit breitestem Hintern (Paul Stanleys) Stimme ins Stück (setzt) wie ein Barbarenkönig auf seinem Knochenthron“.

Derrida's Elsewhere

Jens Balzer war für die Berliner Zeitung beim Konzert von Nicolas Jaar im Berghain. In seinen Tracks verbindet Jaar „kompliziert gebrochene Dubstep-Rhythmen“ mit „allerlei Jacques-Derrida-Zitaten“. Warum Jaars Musik trotz „aller philosophisch aufgeputzten Avantgarde-Seligkeit“ nicht das Zeug zum „Derridastep“ hat, liegt an „zu vielen konventionellen Tricks in der Jaar'schen Musik“. Wir empfehlen Nicolas Jaars Album „Space Is Only Noise“ trotz Tricksereien vorbehaltlos.

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