NME wird Gratis-Blatt

Das Ende des Musikjournalismus, wie wir ihn kannten?

Der NME ist eine der berühmtesten und ältesten Musikzeitschriften der Welt. Doch rapide sinkende Verkaufszahlen zwingen seinen Verlag jetzt zu einem radikalen Schnitt: Das Musikmagazin wird künftig kostenlos verteilt.

Die Leser des New Musical Express konnte man früher ganz einfach an ihren schwarzen Fingern erkennen. Aufgemacht war der NME wie ein billiges Revolverblatt, er roch streng und die Druckerschwärze blieb an den Fingern kleben, doch der Inhalt sprach eine ganz andere Sprache und hat über 60 Jahre lang darüber bestimmt, wer es in England - und weit darüber hinaus - an die Spitze schafft und wer nicht. 

NME 1995
NME 1995


NME Cover von 1995

Doch diese goldenen Zeiten sind lange vorbei. Seine Auflage sank kontinuierlich auf zuletzt gerade einmal 15000 Exemplare. Jetzt soll die Kehrtwende eingeleitet werden, indem man 300 000 Exemplare druckt und diese kostenlos verteilt. Finanziert wird das Blatt dann ausschließlich über Anzeigen, was erst in so einer Größenordnung Geld abwirft. Der Vorteil bei Print: kein Mensch schert sich um Klickzahlen, "Performance" oder Unique User. Das Blatt ist finanziert, bevor es in Druck geht. 

Ob die Hälfte der Gratis-Auflage zum Einwickeln von frischem Fisch verwendet wird, weiß am Ende niemand. Nicht durchgesetzt hat sich außerdem die App als Ersatz fürs gedruckte Magazin. Die Abonnentenzahlen fürs digitale Abo sind verschwindend gering. Die Hoffnung aufs digitale Abogeschäft hat sich bisher nicht erfüllt.

NME
NME

Gleichzeitig hat sich der NME aber im Netz zu einer der größten Musikplattformen weltweit entwickelt und erreicht mit seiner Website rund 3,9 Millionen Nutzer im Monat. Man muss sich also definitiv keine Sorgen um die Zukunft des NME machen, nur die Finger wird man sich künftig nicht mehr schmutzig machen müssen, wenn man sich über den neuesten britischen Hype informieren will. 

Auch in Deutschland sinken die verkauften Auflagen der Musikmagazine seit Jahren rapide, doch anders als in England oder den USA haben die heimischen Magazine den Anschluss im Netz bislang weitgehend verpasst. Reichweitenstärkstes Musikmagazin in Deutschland ist Laut.de, eine Seite die seit 1998 ausschließlich im Netz zu finden ist. Nicht ausgeschlossen, dass wir künftig eine ähnliche Entwicklung haben werden und die Printmagazine zur Gratisbeilage werden, denn mit bedrucktem Altpapier lässt sich nach wie vor ganz ordentlich Geld verdienen, auch wenn die Gründe dafür hauptsächlich nostalgischer und höchst irrationaler Natur sein dürften. 

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