Phonoline vor dem Aus

Wie die FAZ berichtet, steht die Downloadplattform des deutschen Phonoverbands Phonoline kurz vor dem Aus. Noch vor der Popkomm soll der Auflösungsvertrag mit der T-Com unterzeichnet werden, die für die technische Entwicklung der gefloppten Projekts verantwortlich war. Phonoline wurde erst im März 2004 eröffnet.

Seit seiner Eröffnung durch den Bundeskanzler auf der diesjährigen Cebit, hatte sich Phonoline nur wenig Freunde gemacht. Außer CTS Eventim hatte sich kaum ein Kunde für den Downloadshop interessiert. Dort machte man denn auch schnell schlechte Erfahrungen. Gerade mal 1500 Downloads am Tag setzte CTS Eventim zuletzt am Tag ab. "Wir hatten mit dem zehnfachen gerechnet", kritisierte Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg dann auch öffentlich. Zudem mache man mit jedem 99 Cent Download 20 Cent Verlust.

Und wer schon einmal versuchte, über das Eventim-Angebot einen Download zu erwerben, wurde mit zahlreichen Pop-Ups und einer völlig unzureichenden Navigation konfrontiert, die tatsächlich wenig Lust am bezahlten Downloaden machte. Zudem ließ das Musikangebot zu wünschen übrig und die Digital Rights Management Einschränkungen taten ihr übriges, um einem den Spaß an der Musik endgültig zu vermiesen.
Auch viele Brancheninsider belächelten die Plattform und gaben ihr gegen die Konkurrenz von Apple, Microsoft oder den unzähligen neuen Download-Anbietern keine Chance. Wieviel Geld aus den Taschen der so gebeutelten Musikbranche wohl mit der untergehenden Download-Titanic versenkt worden ist?

Dennoch dürfte auch dieser Flop nur der allererste Auftakt sein, zu einer neuen Pleitewelle im umkämpften Markt der digitalen Downloads. Schon jetzt dominiert Apple das Geschäft weltweit mit großem Abstand. Im Oktober startet sein ewiger Widersacher Microsoft mit einem vergleichbaren Angebot.
Die anderen Anbieter werden wohl entweder nur die Krümel im Downloadgeschäft abkriegen oder gezwungen sein, sich deutlich vom 99 Cent Einheitsbrei der beiden Computergiganten zu distanzieren und echte Alternativen anzubieten.
MP3.com-Gründer gab dem ganzen Geschäft mit digitalen Downloads unter den aktuellen Bedingungen keine Chance und bezeichnete die Euphorie als ein "Rennen der Lemminge". Schließlich könne keiner damit einen nennenswerten Profit erwirtschaften, allenfalls der Verkauf von iPods legte nach dem Launch des iTunes Music Stores enorm zu: allein im dritten Quartal 2004 setzte Apple 860 000 iPods ab.
Und das ist mehr, als Songs im Angebot von iTunes zu finden sind. (ur)

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