Phonoverband reagiert auf ARD-Sendung

Gestern zeigte die ARD in seinem Mittagsmagazin ARD Buffet einen Beitrag darüber, wie man sich auch als Senior seine Musik im Internet downloaden kann. Heute reagierte der Phonoverband und zeigt sich erwartungsgemäß beleidigt und empört.

Wie wir schon gestern berichteten, hat die ARD ein Herz fürs Filesharing entdeckt. In der Rubrik "Opa Online" erklärte ein Enkel seinem Opa ausführlich, wie einfach man sich mit Hilfe von Grokster seine Lieblingsmusik auf die Festplatte holt.

Gerd Gebhardt, Vorsitzender des deutschen Phonoverbands, reagierte auf den Beitrag gewohnt empfindlich: "Es ist unerhört: Der Südwestrundfunk zeigt im Fernsehprogramm, wie man Musik im Internet klaut. Anstatt die Rechte von Urhebern und Verwertern, zu denen auch Journalisten und Rundfunkanstalten gehören, zu respektieren, bietet der SWR den Musikklau frei Haus", so Gebhardt. Weiter heißt es in der Stellungnahme in der bekannten Sprache: "Es wird nicht einmal darauf hingewiesen, dass es millionenfach illegale Musikangebote im Internet gibt, die die Rechte von Kreativen missachten. Ich fordere den SWR auf, solche Sendungen zu unterlassen und künftig sorgfältiger mit Handlungsanleitungen umzugehen, die Straftaten voraussetzen."

Dumm nur, dass sowieso jeder schon weiß, wie das funktioniert mit den Tauschbörsen und da machen ein paar Senioren mehr oder weniger wohl auch kaum mehr etwas aus.
Die Musikwirtschaft hat seit geraumer Zeit ein erhebliches Problem mit einer technischen Innovation, die sie einfach nicht verstehen und akzeptieren will. Schon viele Wirtschaftszweige sind an so einer reaktionären Haltung gegenüber dem Neuen zugrunde gegangen.

Während man der ARD zwar nicht gerade unterstellen kann, das heiß diskutierte Thema angemessen journalistisch aufbereitet zu haben, muss man doch feststellen, dass jetzt anscheinend schon öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten im Vergleich zur jammernden Tonträgerindustrie einen Innovationsaward verdienen. Selbst trägt der Phonoverband jedenfalls nur sehr wenig bis nichts dazu bei, das filesharende Volk - und es handelt sich längst nicht mehr um ein paar Computer-Nerds - über die Hintergründe und Zusammenhänge aufzuklären oder Alternativen anzubieten.

Letztlich sollte Journalismus über das Leben berichten, wie es ist und nicht darüber, wie es sich ein paar Musikmanager vielleicht wünschen würden. (ur)

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