Podcasting: Das Download-Radio – Teil 3

Juristische Aspekte des Podcastens

Ex-MTV-Moderator Adam Curry macht`s. Paris Hilton ebenfalls. Und der Indie-Rock-Nerd von nebenan sowieso. Podcasting ist innerhalb weniger Monate zum meistdiskutierten Netzradio-Trend geworden. Doch was verbirgt sich eigentlich genau dahinter? Teil drei unserer Podcasting-Serie: Der ewige Kampf mit dem Urheberrecht.

Als der Düsseldorfer Internet-Journalist Mario Sixtus im Februar bei der GEMA anrief, war die Verwirrund groß. Sixtus wollte wissen, ob die GEMA bereits Lizenzen für Podcaster anbietet. Doch den Mitarbeitern der GEMA war das Thema völlig unbekannt. Podcasts? Radiosendungen zum Download? Damit habe man sich noch nicht so recht beschäftigt.

Deutsche Podcaster müssen deshalb vorerst auf GEMA-Lizenzen verzichten. Doch das ist nicht die einzige rechtliche Unsicherheit, mit der die Pioniere des neuen Graswurzel-Radios zu kämpfen haben. Da Podcasts dauerhaft als MP3-Dateien abgespeichert werden, braucht es dafür andere Lizenzen für die Musikaufnahmen als im Falle klassischer Netzradios. Statt einer pauschalen Lizenz muss zumindest theoretisch die Nutzung jedes einzelnen Songs mit der jeweiligen Plattenfirma abgeklärt werden. Damit ist es genau so schwierig, sich die Rechte für eine Podcast-Sendung zu sichern wie für eine Mix-CD.

Viele Podcaster haben sich deshalb auf ein einfaches Prinzip verlassen: Wo kein Kläger, da kein Richter. Also wird einfach gespielt, was gefällt ? ganz ohne Lizenz. Bisher gibt es noch keine Berichte darüber, dass Plattenfirmen gegen einzelne Podcaster vorgegangen wären. Die meisten Sendungen haben auch nur ein paar hundert Zuhörer und bleiben damit unter dem Radar der Musikindustrie.

In der Podcasting-Szene kursiert zudem eine wilde Mischung aus Halbwissen und guten Absichten. So verwenden eine ganze Reihe von Podcastern nach eigenem Bekunden nur ?Podsafe Music?. Meist sind damit Songs von Indie-Labels oder Mash-ups und Remixe gemeint, die nie auf Platte erschienen sind. Legaler werden die Sendungen dadurch nicht, aber das Risiko einer ungewollten Abmahnung sinkt möglicherweise tatsächlich.

Andere Podcaster gehen ganz auf Nummer sicher und verwenden nur Titel, deren Musiker einer Übertragung zugestimmt haben. Und weil es dann doch ein bisschen zu viel Arbeit ist, bei allen Bands persönlich nachzufragen, landen viele früher oder später bei Creative Commons-lizenzierter Musik. Diese darf in der Regel kostenfrei über das Internet weitergegeben werden, so lange damit kein Geld verdient wird ? ideale Voraussetzungen für Podcaster also.

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