Preis für Popkultur 2018: Das sind die Gewinner

Abräumer Trettmann, Casper geht leer aus - breite Unterstützung für Feine Sahne Fischfilet

Zum dritten Mal wurde am Donnerstagabend im Berliner Tempodrom der Preis für Popkultur verliehen. Der Preis soll - anders als der inzwischen eingestellte Echo - nicht nur Verkaufszahlen würdigen, sondern einzig und alleine künstlerische Qualität. Hier sind die Gewinner der 13 Kategorien.

Nachdem eine breite Fachjury aus über 850 Mitgliedern des ausrichtenden Vereins zur Förderung der Popkultur im Vorfeld jeweils fünf Nominierungen für insgesamt zwölf Kategorien ermittelt hatte, wurden am Abend in Berlin die Gewinnerinnen und Gewinner ausgezeichnet.

Über den Preis für Popkultur freuten sich unter anderem Kat Frankie, Trettmann und die Beatsteaks. Darüber hinaus erhielt der verstorbene Verleger Rolf Budde den Preis für sein Lebenswerk vom Vorstand des Vereins verliehen. Er wurde an seinen Sohn Benjamin überreicht.

Die Gewinner der Preise für Popkultur 2018 (Foto: Andreas Budtke)

Neben den klassischen Kategorie-Themen wie »Lieblingskünstler/in» oder »Lieblingsvideo» wurden auch Preise in den Kategorien »Schönste Geschichte«, »Spannendste Idee/Kampagne« und »Gelebte Popkultur« (sowie einigen mehr) verliehen.

Zwar mehrfach nominiert, aber am Ende leer ausgegangen sind Künstler wie Casper, Drangsal oder Mine

Mehrfach nominiert aber 0 Preise, Max Gruber aka Drangsal feierte aber trotzdem ausgiebig auf der Aftershow-Party zur Musik von Gurr. (Foto: Andreas Budtke)

Bei der Preisverleihung live zu hören waren der Gewinner des Abends Trettmann, die Hamburger Rapperin Haiyti, Laing, KLAN sowie Kat Frankie und Gurr.

Trettmann räumte gleich drei Preise ab und spielte vor der versammelten Musikbranche im Berliner Tempodrom (Foto: Andreas Budtke)

Besonders laut wurde bei der Verleihung an Feine Sahne Fischfilet applaudiert, deren dokumentarischer Film "Wildes Herz" in der Kategorie "Schönste Geschichte" gewann. Die Band spielt seit Jahren lautstark gegen die wachsende rechte Szene im Osten der Republik an und wurde zum Dank dafür jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet und gleichzeitig von rechts massiv bedroht. Dass die Band zwar klar Position bezieht, aber deshalb nicht gleich linksextremistisch ist, wie es immer wieder ganz bewusst von rechts gestreut wird, wird im nun preisgekrönten Film von Charly Hübner ausführlich dargelegt. Erst gestern war bekannt geworden, dass ausgerechnet die Stiftung Bauhaus (das Bauhaus wurde 1932 auf Betreiben der Nazis geschlossen) ein Konzert von Feine Sahne Fischfilet in Dessau abgesagt hatte - offenbar aufgrund von Druck aus der Politik. In Sachsen-Anhalt hat die AfD mit knapp 25 Prozent bereits erheblichen politischen Einfluss.

So viel Zivilcourage verdient gerade in der heutigen Zeit besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung, darauf wurde gestern Abend mehrfach hingewiesen. Ebenfalls ausgezeichnet wurden Birgit & Horst Lohmeyer für ihr Festival gegen Rechts "Jamel rockt den Förster".

Vereinsmitglied Torsten Groß betont die Einzigartigkeit des Preises: »Der Preis für Popkultur ist der einzige übergreifend deutsche Fachjury-Musikpreis, die tollen Künstlerinnen und Künstler in diesem Land haben so einen Preis verdient.«

Die Gewinner*innen
 
Lieblings-Solokünstlerin: Kat Frankie
Lieblings-Solokünstler: Trettmann
Lieblingsband: Beatsteaks
Lieblingsproduzent_in: DJ Koze
Lieblingsalbum: Trettmann (»#DIY«)
Lieblingslied: Trettmann (»Grauer Beton«)
Lieblingsvideo: Beatsteaks vs. Deichkind  (»L auf der Stirn«)
Beeindruckendste Live-Performance: Beatsteaks & Gäste (Die Ärzte, Deichkind, Tocotronic / Waldbühne)
Hoffnungsvollster Newcomer: Sam Vance-Law
Schönste Geschichte: Charly Hübner, Sebastian Schultz (»Feine Sahne Fischfilet Film Wildes Herz«)
Spannendste Idee/Kampagne: Kraftklub & DONOTS (»Clubtausch in Köln während des Konzerts«)
Gelebte Popkultur: Birgit & Horst Lohmeyer (»Jamel Rockt den Förster«)
Lifetime Achievement: Rolf Budde (Der engagierte Verleger und Kunstförderer starb 2018 im Alter von 61 Jahren).

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Neuer Name, neuer Stil, neues Movement - nachdem Trettmann und KitschKrieg mit ihrer EP-Trilogie bereits den interessantesten Rap-Sound 2017 hervorgebracht haben, wird dieser Prozess auf den 10 Tracks von "#DIY" auf die Spitze gebracht.