Pressplay will PCs erobern

Mit ihren kostenpflichtigen Download-Angeboten kommt die Musikindustrie nicht so richtig in die Pötte. Jetzt schaut man sich bei Microsoft ab, wie man Produkte an den unwilligen Konsumenten bringt. Durch Vorinstallation auf neue PCs.

Nach Jahren des Haderns und Jammerns über die unendlichen Möglichkeiten des Internet, über die sich jeder plötzlich kostenlos Musik besorgen konnte, haben die großen fünf Musikkonzerne mit Musicnet und Pressplay jeweils eigene Download-Angebote geschaffen, die aber nach wie vor kaum Akzeptanz finden. Schließlich sind die Downloads, anders als bei MP3 Tauschbörsen oder Anbietern wie Tonspion.de nicht kostenlos zu haben, sondern allerhand Gebühren und Beschränkungen werden dem Nutzer abverlangt. Doch wer kauft schon etwas, was es nebenan umsonst gibt?

Damit man die Leute endlich an kostenpflichtige Musik-Downloads gewöhnt, will Pressplay, ein Joint Venture der Plattenmultis Universal und Sony, nun sein Angebot auf nagelneue PCs vorinstallieren, wie schon zuvor von Microsoft und AOL erfolgreich vorexerziert. Natürlich nicht kostenlos, sondern für bis zu 150 Dollar Aufpreis soll der User mit 2000 Songs aus dem Angebot von Pressplay und dem Online-Datenbankzugriff auf das gesamte Musikarchiv beglückt werden. Und damit wir uns gleich richtig verstehen: die 2000 Songs sind dann nicht etwa Eigentum des Kunden, sondern nur geliehen. Das heisst, der User soll sich erstmal mit dem System von Pressplay vertraut machen und nach einiger Zeit Lizenzen für seine Lieblingssongs erwerben können. Ganze drei Monate darf man sich die Songs anhören, danach werden sie automatisch zu Datenmüll, wenn man nicht das Pressplay Musikabo erwirbt, mit dem man eine unbestimmte Anzahl von Musiktiteln pro Monat downloaden darf.

Klar, dass das neue Angebot auf dem Microsoft Media Format beruhen wird, dem Format, das Microsoft ebenfalls durch die Koppelung seines Media Players ans eigene, dominierende Betriebssystem zum Standard-Format für Musikdateien durchsetzen will.
Der Musik-Konsument soll durch diese Methode daran gewöhnt werden mit den neuen Systemen vertraut zu werden und die Erfahrungen von Microsoft oder AOL haben gezeigt, dass die meisten PC-Nutzer in der Tat zu bequem sind, sich nach besseren Alternativen umzuschauen und die vorinstallierten Programme und Dienste auch willig nutzen.

Vor allem Microsoft war in den vergangenen Jahren für dieses Vorgehen oft gerügt und verklagt worden, mit dem man sich das Monopol auf dem Browser-Markt gesichert hatte. Andere Firmen mit ebenbürtigen oder besseren Produkten hatten gegen die Verknüpfung des Microsoft Betriebssystems mit neuen Microsoft Programmen und Diensten nicht den Hauch einer Chance.

Der Pressplay-Service wird bisher nur in den USA angeboten. Sobald erste Erfolge zu vermelden sind, werden ähnliche Systeme und Angebote sicherlich auch hierzulande in kürzester Zeit unters Volk gebracht werden. (ur)

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