Prinz Pi: Es gibt keinen Rassismus oder Sexismus im Rap

Sängerin Mine gibt kontra

"Ich hab das nie erlebt, dass in dieser Hip-Hop-Szene jemand diskriminiert wurde, wegen seinem Geschlecht oder wegen seiner Herkunft". Diesen Satz sagte Prinz Pi in einer von hiphop.de organisierten Diskussionsrunde mit dem Thema "Welche Werte hat Hip Hop?". Seit einer Woche streitet der Rapper mit Journalisten, aber auch der Sängerin Mine über diese Aussage.

Mine hatte den Rapper in einem mittlerweile gelöschten Instagram-Livestream gebeten, über das Gesagte noch einmal nachzudenken. Prinz Pi antwortete ihr daraufhin in einem rap.de-Gastkommentar: "Du fragst mich, liebe Mine, wie ich es mir als (ich zitiere hier) 'weißer CIS hetero Mann, der privilegiert ist' (ich hoffe ich habe das korrekt wiedergegeben) anmaße, mich zu dieser Diskussion zu Wort zu melden."

Anschließend erklärt der Berliner, dass er seine eigene Meinung vertritt und nicht für irgendeine Gruppe sprechen kann. Er geht sogar so weit, sich zum Opfer der Auseinandersetzung zu machen:

"Wow. In einer Diskussion ÜBER Rassismus bist du komplett unverhohlen rassistisch, indem du jemanden wegen seiner Rasse (weiß), seinem Geschlecht (Mann), seiner Herkunft (privilegiert – wie auch immer man das definiert) und seiner sexuellen Präferenz (hetero) absprechen willst, mitreden zu dürfen? Wirklich – WOW."

Darauf reagierte Mine mit einem weiteren Instagram-Post. Sie habe nie behauptet, dass sich Männer, die weiß, hetero und cis sind, nicht zum Thema äußern dürften. Was sie hingegen stört, erklärt die Musikerin in ihrem Beitrag noch einmal anschaulich: "Wenn ein/e 19 jährige/r Mann/Frau sagt es gäbe keine Altersdiskriminierung, dann würde ich auch benennen, dass er als 19 Jährige/r von Altersdiskriminierung eben nicht betroffen ist."

Dabei bekommt Prinz Pi von seiner Szene offenbar nicht allzuviel mit: Helen Fares kündigt bei hiphop.de, weil sie nicht mehr mit dem Sexismus in der Rap-Szene konfrontiert werden will. Ben Salomo, der aus Israel stammt, zieht sich aufgrund von Antisemitismus aus der Rap-Szene zurück. Manuellsen muss in Interviews erklären, warum es nicht in Ordnung ist, wenn Weiße das N-Wort verwenden. Die Liste könnte noch ewig weitergehen.

Eben weil Hip-Hop ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, kämpfen Menschen in dieser Szene mit den gleichen Problemen wie der Rest der Bevölkerung. Und das sind nun mal Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere diskriminierende Undinge, die es in unserer angeblich so offenen Gesellschaft gibt. Nicht umsonst rappt ein RIN über Vergewaltigungsfantasien oder ein Samy Deluxe 2019 noch immer über schwule MCs ("Ihr seid Homo-Rapper, Pimmel in den Po-Po-Stecker"). Geschadet hat es den Karrieren nicht.

Es spricht für Prinz Pi, dass er sich dieser wichtigen Diskussion stellt. An strukturelle Diskriminierung in der Hip-Hop-Szene glaubt er trotzdem nicht. Am Ende ihres Instagram-Posts erklärt Mine, weshalb sie sich zu Wort gemeldet hat: "Mich rief sein Statement zum Reagieren auf, da ich der Aussage absolut nicht zustimme und auch Menschen, die von Rassismus betroffen sind, nicht mit dem Gefühl zurücklassen möchte, dass alle diese Meinung teilen."

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