Reeperbahn Festival: Dave Stewart gründet Bank für Künstler

"First Artist Bank" soll Tantiemen für Künstler eintreiben

Mit Dave Stewart von den Eurythmics war heute hoher Besuch auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg geladen, um eine Rede zum Thema "Where's The Money?" zu halten. Dort kündigte er die Gründung der ersten Bank für Künstler an.

Dave Stewart begann seine launige Keynote mit einigen Schwänken vom Beginn seiner Musikerkarriere. So rief er als junger Gitarrist bei einem lokalen Radio an und spielte einen Song vor, nur um am Ende zu hören, dass er nur an der Rezeption gelandet sei. Eine Woche später erhielt er einen Rückruf des Senders und bekam zwölf Dollar, um vier Songs einzuspielen. Der Grundstein für eine Karriere im Musikbusiness war gelegt.

Später holte er bei Island Records seine Tantiemen für die weltweit erfolgreichen Eurythmics ab und bekam neben einem Bündel Geld auch gleich Koks und Gras auf den Tisch gelegt. "Eine tolle Zeit", so Stewart, "auch wenn ich mich damals nur für das Geld interessierte."

Das erste Mal bemerkte er eine Veränderung im Musikbusiness als der Chef seines Plattenlabels nun plötzlich jemand war, der vorher als Geschäftsführer der Hertz Autovermietung gearbeitet hatte. Dessen Kommentar zu einem neuen Album von Dave Stewart lautete dann auch "Toll, es klingt wie "Ghostbusters"!". Ab da lief irgend etwas schief im Musikbusiness und die Veränderungen hielten bis heute an.

Anschließend zeigte er ein Youtube-Video seines Hits "Lily Was Here", vor dem ein Werbespot geschaltet war. "Von diesen Werbeeinnahmen habe ich bis heute keinen einzigen Cent gesehen, ich habe keine Ahnung, wer dieses Geld bekommt". Er spielte ein mit Musik untermaltes Telefonat mit Youtube ein, wo eine wortgewaltige Dame ausufernd und ausweichend auf die einfache Frage nach seinem Geld antwortete.

Dann zeigte er eine Liste der neuen Musikservices. "Weiß irgendjemand, wie man von all diesen 200 neuen Diensten als Künstler sein Geld erhält?", fragte er in die Runde. Betretenes Schweigen. Spotify habe wenigstens ein tolles und transparentes Abrechnungssystem über jeden einzelnen gespielten Song, aber das Geld würden nur die Labels bekommen, nicht die Künstler.

Und schließlich stellte er sein neuestes Projekt vor, das das Musikbusiness nachhaltig verändern soll. Die "First Artist Bank" soll eine Bank speziell für die Bedürfnisse von Kreativen werden und sich um deren Angelegenheiten kümmern. Sie soll kreative Projekte finanzieren und Tantiemen eintreiben. Außerdem sollen Fans die Möglichkeit haben, ein Konto mit Kreditkarte zu eröffnen, um, zum Beispiel, Tickets direkt vom Künstler kaufen zu können.

Die First Artist Bank soll 2014 eröffnen und von einem ehemaligen Top-Manager der Deutschen Bank geleitet werden. "Wir werden die fairste Bank der Welt sein", so Stewart zu dem Mammutprojekt, "wir werden eine neue Weltordnung schaffen, in der die Künstler das ihnen zustehende Geld erhalten". Mit seinen langjährigen Kontakten zum Who-is-who des Musikbusiness und seiner Erfahrung als Musikmanager könnte das vielleicht sogar gelingen.

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